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Agricola d.J., Stephan

GND: 121689662

philippistischer/römisch-katholischer Pfarrer. Er wurde in Augsburg geboren, wo sein Vater, Stephan Agricola d.Ä., zwischen 1524 und März 1531 an St. Anna als evangelischer Prediger tätig war. Im Sommersemester 1544 immatrikulierte er sich an der Universität Leipzig. Nach dem Tod des Vaters im April 1547 (als Superintendent in Eisleben) suchte er vermutlich seine Studien zügig abzuschließen und übernahm wohl um 1548 den Dienst in der Pfarrei Helbra in der Grafschaft Mansfeld. In den Jahren 1549 bis 1551 betätigte sich der jüngere Agricola als Übersetzer lateinischer Schriften von Caspar Cruciger d. Ä., Johannes Brenz, Martin Luther und anderen ins Deutsche. Als Georg Major im Dezember 1551 durch den interimsfreundlichen Grafen Hans Georg von Mansfeld als Superintendent von Eisleben berufen wurde, trat A. auf seine Seite und vertrat zusammen mit ihm die Notwendigkeit guter Werke zur Seligkeit. Der interimsfeindliche alte Graf Albrecht von Mansfeld-Hinterort, der im Dezember 1552 aus der Gefangenschaft heimkehrte, vertrieb Major, der daraufhin zurück auf seine Wittenberger Professur ging. Auch die Stellung seines Unterstützers Agricola wurde anscheinend problematisch, so dass er sich um ein Amt außerhalb der Grafschaft bemühte. Melanchthon empfahl ihn mit Schreiben vom 10. Dezember 1552 als Prediger an den Rat der Stadt Augsburg. Im Januar und Februar 1553 war A. als Prediger an St. Georg tätig, konnte sich jedoch mit den örtlichen liturgischen Gepflogenheiten nicht arrangieren, und es mag wohl auch zu sonstigen Misshelligkeiten gekommen sein. Jedenfalls finden wir A. nach wenigen Wochen in seiner Geburtsstadt und nach einem kurzen Aufenthalt in Wittenberg - wieder? - als Pfarrer im mansfeldischen Helbra.  Nachfolger Majors in Eisleben wurde Erasmus Sarcerius. Dieser verwarnte Agricola mehrfach und lud ihn auf die unter seinem Vorsitz in Eisleben zusammentretende Synode vor. Im Kontext des Majoristischen Streits setzte Agricola ein Bekenntnis auf, das er Melanchthon zur Begutachtung sandte und das von den Grafen von Mansfeld an die theologische Fakultät in Leipzig zur Approbation geschickt wurde. Agricola blieb jedoch auch bei der Eislebener Synode bei seiner Position und verlor darum seine Stelle. Am 24. Juni 1554 wurd er an der Leucorea immatrikuliert und erwarb den Magistergrad. Er ging 1555 nach Merseburg als Pfarrer an St. Maximin, wo er aber in neue Konflikte geriet, in denen der Majoristische Streit noch nachklang. Verdächtig machte ihn dabei vor allem die Zustimmung der altgläubigen Bischöfe von Merseburg und Naumburg, Michael Helding und Julius Pflug. A, übersetzte Luthers Kommentare zu den Propheten Obadja, Nahum, Zephanja und Maleachi, die Aufnahme in die Altenburger und die Leipziger Ausgaben der Werke Luthers fanden. 1557 ging A. als Domprediger nach Naumburg/Saale. An Pfingsten 1560 legte er sein Amt nieder und konvertierte zur römischen Kirche; der Naumburger Bischof Julius von Pflug sorgte in Verbindung mit dem Kardinal und Augsburger Bischof Otto Truchseß von Waldburg für die Übersiedelung von Agricolas Ehefrau Apollonia, geb. Riplitz, und ihren beiden Kindern nach Augsburg zum dortigen Domprediger Petrus Canisius. Im selben Jahr unternahm Stephan Agricola d. J. auch eine Reise nach Rom. Auf den Rat des Canisius hin soll er sich bis zu seinem Tode 1562 in ein Kloster zurückgezogen haben. Von protestantischer Seite wurde kolportiert, er habe sich verzweifelt in die Adria gestürzt bzw. sei im Tiber ertrunken. Möglicherweise starb er auf einer Reise nach Venedig. Als er starb, war A. vermutlich erst etwa 36 Jahre alt.

BBKL 1, 62

MBW 11, 46

Otto Clemen, Zu Stephan Agricola d. J., in: Ders., Kleine Schriften zur Reformationsgeschichte (1897–1944), hg. v. Ernst Koch, Leipzig 1985, VI, 381–384 [fehlerhaft].

Pfarrerbuch für die Kirchenprovinz Sachsen 1, 69f.

WWKL2 1 (1882), 362–364

Quellen

1553
Acta oder Handlungen der Synode; A 151  (Gegner)

Weitere Informationen (Externe Angebote)

Zitierhinweis

Agricola d.J., Stephan, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/e976bd46-4960-4a39-9812-f48150765e39>. (Zugriff am 20.01.2019)

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