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Aurifaber, Johannes

GND: 116382694

gen. Vimariensis, zur Unterscheidung von J.A. Vratislaviensis

geb. 1519 in Weimar, gest. 18.11.1575 in Erfurt, luth. Theologe, Herausgeber von Luthers Schriften

Geboren wohl in Weimar, begann A. 1537 mit dem Studium in Wittenberg, gefördert von Graf Albrecht von Mansfeld. 1540 wurde er Lehrer zweier Mansfelder Prinzen in Wittenberg und später Feldprediger Volrads von Mansfeld in Frankreich. 1545 kehrte A. nach Wittenberg zurück, zog in Luthers Haushalt mit ein, wurde dessen letzter Famulus und begleitete ihn auf seinen letzten Reisen. Schon in dieser Zeit begann er, Schriften Luthers zu sammeln und Predigten und Vorlesungen mitzuschreiben. Nach Luthers Tod veröffentlichte er dessen vier letzten Predigten. Im Schmalkaldischen Krieg war er Feldprediger Johann Friedrichs von Sachsen. Nach dessen Verhaftung kam als Assistent des Hofpredigers Johann Stoltz nach Weimar, wurde 1550 zweiter Hofprediger und nach Stoltzens Tod am 15.7.1556 einziger Hofprediger. Er unterzeichnete das Gutachten gegen das Augsburger Interim, wirkte an der Stellungnahme zum osiandrischen Streit mit und nahm an dem Verhör von Justus Menius wegen dessen Konflikt mit Nikolaus von Amsdorf teil. Als Unterstützer der Gnesiolutheraner betrieb er deren Berufung an die Universität Jena. Mit Matthias Flacius arbeitete er am Weimarer Konfutationsbuch. An der Seite von Georg Rörer arbeitete er seit 1553 an der Jenaer Lutherausgabe, die auf seine Initiative hin auch Unveröffentlichtes aufnahm. Nach dem Tod Rörers brachte A. die Ausgabe, 12 Bände bis 1558, alleine zu Ende. Nach dem Sturz der Flacianer am Weimarer Hof wurde A. am 22.10.1561 entlassen. Er ging nach Eisleben, wo er mit Unterstützung der Mansfelder Grafen als Herausgeber tätig war. Hier konnte er weitere unveröffentlichte Schriften Luthers ergänzend zu den beiden Werkausgaben publizieren. 1566 erschien seine erfolgreichste Veröffentlichung, eine durchgängig deutsche Ausgabe von Tischreden Luthers. Im selben Jahr wurde er Pfarrer an der Predigerkirche in Erfurt. 1572 ernannte ihn der Rat Erfurts zum Senior des geistlichen Ministeriums der Stadt, nachdem Andreas Poach wegen eines Konflikts mit Johannes Gallus um die Übernahme des Rektorats der Universität – bei dem A. gegen Poach Stellung bezogen hatte – entlassen worden war. Seine umfangreiche Sammlung von Manuskripten erwarb Herzog Julius von Braunschweig zwischen 1577 und 1580. Durch seine editorische Tätigkeit wurde die Überlieferung der Lutherschriften bis ins 19. Jahrhundert bestimmt; im Zuge der historisch-kritischen Ausgaben der Briefe und der Weimarer Ausgabe geriet sein Werk wegen seines Umgangs mit den Quellen und seinem vorgeblich rein kommerziellen Interesse posthum in die Kritik.

ADB; NDB; RE; RGG3, RGG4, TRE; BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 40,372-375;III 29,391-393

Quellen

1552
Schmalkaldische Artikel; ZV 10063  (Autor des Vorwortes, Herausgeber)
1557
Refutatio propositionum Pfeffingeri de libero arbitrio; S 9267  (Autor des Vorwortes)
1558
Die vornehmsten adiaphoristischen Irrtümer; V 2769  (Autor des Vorwortes)
1564
Antwort auf die Lästerschrift Walthers; G 2569  (Autor)
Von den verstümmelten Predigten; W 947  (Gegner)
1565
Wider Aurifaber und seine eislebischen Bände; W 948  (Gegner)

Weitere Informationen (Externe Angebote)

Zitierhinweis

Aurifaber, Johannes, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ca444099-1a17-43d5-9ec0-2261612706a2>. (Zugriff am 20.01.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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