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Chytraeus, David

GND: 119009137

lutherischer Theologe. Am 26. Februar 1531 in Ingelfingen bei Schwäbisch-Hall als David Kochhafe geboren, immatrikulierte sich C. 1539 in Tübingen und wurde in den dortigen Stift aufgenommen. Er studierte vor allem bei Joachim Camerarius und Erhard Schnepf. 1544 wechselte er nach Wittenberg, wo er Luther, Eber und Reinhold hörte und Hausgenosse Melanchthons wurde. Nach der Schließung der Universität Wittenberg in der Folge des verlorenen Schmalkaldener Krieges ging C. nach Heidelberg und Tübingen. 1548 ist er dann wieder in Wittenberg zu finden und hielt Vorlesungen über Melanchthons Loci, über Rhetorik und Astronomie. 1550 wurde er an das Pädagogium in Rostock berufen. Dort hielt er die Einführungsvorlesungen und ab 1553 auch bibelexegetische Lektionen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem 1556 nach Rostock berufenen Tileman Heshusen. Als dieser 1557 Rostock wieder verließ, blieb C. in brieflichem Kontakt mit ihm und wandelt sich so von einem Philippisten zu einem Gnesiolutheraner. Er lehnt zehn Berufungen an andere Universitäten (z.B. Kopenhagen, Wittenberg und Helmstedt) ab, blieb in Rostock als Professor der Theologie und wurde dort immer mehr zur tragenden Säule der theologischen Fakultät. Es gelang ihm, die Lehrverpflichtung der in Rostock lehrenden Theologen auf die altkirchlichen Symbole, die CA invariata und die Schmalkaldischen Artikel durchzusetzen. Religionspolitisch nahm C. in den folgenden Jahren eine deutlich antiphilippistische Linie ein. So wandte er sich gegen den Frankfurter Rezess (1558), gegen die philippistische Partei auf dem Naumburger Fürstentag (1561), dem Braunschweiger Konvent (1561) und dem Lüneburger Kongreß (1562). Das antisynergistische Weimarer Konfutationsbuch fand seine volle Unterstützung. Als 1568 der bereits in Lübeck entlassene Prediger Johann Saliger an die St. Marienkirche in Rostock berufen wurde und dort wieder seine katholisierenden Lehre vertrat, der Leib Christi sei ab dem Zeitpunkt der Konsekration, unabhängig vom Gebrauch und Verzehr gegenwärtig, versuchte C. vergebens den bald entstehenden Streit um diese Lehre beizulegen. Saliger wurde entlassen und ging nach Wismar. Im Namen der Fakultät verwarf C. 1571 die Wittenberger Christologie und Abendmahlslehre als calvinistische Lehren. C. engagiert sich bei der Erstellung der Konkordienformel und vertrat 1568 die Christologie der Allgegenwart auch der menschlichen Natur Christi. 1569–1572 half er mit bei der Erstellung einer evangelischen Kirchenordnung für Österreich, die durch Maximilian II. erlaubt worden war, wenn sie gemäßigt wäre. Am 25. Juni 1600 verstarb C.

RE3 4, 112–116

TRE 8, 88–90

Quellen

1555
Disputatio de bonis operibus; C 2588  (Autor)
1567
Chytraeus, Catechesis recens recognita; C 2527  (Autor)
1575
Chytraeus, Oratio de dicto Pauli, Formam habeto sanorum verborum, quae a me audivisti, Bonum depositum custodi <dt.>; C 2683  (Autor)

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Zitierhinweis

Chytraeus, David, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f9ef25a9-9010-4f72-9a8b-def16cafe708>. (Zugriff am 23.04.2019)

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