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Cochlaeus, Johannes

GND: 118521330

altgläubiger Theologe. 1479 in Raubersried, Pfarrei Wendelstein bei Schwabach im Bistum Eichstätt geboren, immatrikulierte sich C. am 26. April 1504 in Köln, wo er am 3. Juni 1505 den Grad des Baccalaureus erreichte, am 22. März 1507 den eines Magister artium. C. nahm das Theologiestudium in Köln auf, wo die Summa theologica des Thomas von Aquin durch Konrad Koellin erklärt wurde. 1510 wurde er Leiter der St. Lorenz-Schule in Nürnberg, wo er ab 1511 mehrere bedeutende Schulbücher in den Druck gehen ließ. In Nürnberg schloss er sich dem dortigen Humanistenkreis an und begab sich 1515 auf Wunsch Willibald Pirckheimers als Begleiter von dessen Neffen nach Italien. Er immatrikulierte sich an der Universität Bologna, wo er am 12. Juli 1515 Zeuge der Disputation J. Ecks über die Frage nach der Erlaubnis bezüglich des Zinsnehmens. C. verfasste eine Schrift gegen diese Thesen Ecks. Pirckheimer griff vermittelnd in diesen Konflikt ein. Am 28. März 1517 wurde C. in Ferrara zum Doktor der Theologie promoviert. Am 10. September 1517 reiste er nach Rom, wo er 1518 zum Priester geweiht wurde. Im Sommer 1519 verließ C. Rom wieder und traf am 18. Januar 1520 in Frankfurt ein, wo er zum Dekan des Liebfrauenstiftes bestellt worden war. 1520 wandte sich C. an Luther mit der Bitte, den Wissenschaften, der Religion und dem Gemeinwesen die Ruhe wiederzugeben. Nach der Lektüre der Luther-Schriften De captivitate babylonica und „An den christlichen Adel deutscher Nation“ wandte sich C. von dem Wittenberger Reformator ab, da er die Leugnung des speziellen Priestertums nicht mittragen konnte. In der Folgezeit wurde C. zu einem entschiedenen Gegner Luthers. Auf dem Wormser Religionsgespräch kam es am 24. April 1521 zwar noch einmal zu einem Gespräch zwischen den beiden, das aber zu keiner Einigung führte. Von diesem Zeitpunkt an führten C. und Luther einen Publikationskrieg gegeneinander. 1526 wurde C. Stiftsherr von St. Victor in Mainz und theologischer Berater des Mainzer Erzbischofs Albrecht. 1528 nahm C. die Stelle des Hofkaplans beim sächsischen Herzog Georg an. Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 verfasste er zusammen mit anderen altgläubigen Theologen die Confutatio Confessionis Augustana. Im Juli/August 1535 wurde C. Kanoniker der Domkirche in Meißen, musste aber nach dem Tod Georgs das Herzogtum verlassen, da sein Nachfolger Heinrich Lutheraner war. C. ging nach Breslau, wo er Kanoniker am Domkapitel wurde. 1540/41 nahm er Teil an den Religionsgesprächen in Hagenau, Worms und Regensburg, 1545 am zweiten Regensburger Religionsgespräch. Am 11. Januar 1552 starb C. in Breslau und wurde in der St. Barbara-Kapelle des dortigen Domes beigesetzt.

 

TRE 8, 140–146

Quellen

1549
Responsio ad librum Calvini; C 4335  (Autor)

Zitierhinweis

Cochlaeus, Johannes, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c8399897-4aa2-4bc7-9a7d-7a31582e8d45>. (Zugriff am 16.07.2019)

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