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Coelestin, Johann Friedrich

GND: 100077064

lutherischer Theologe. Geboren in Plauen im Vogtland, besuchte C. zunächst die niederen Schulen seiner Heimat, bevor Herzog Johann Friedrich der Mittlere von Sachsen ihn 1560 zum Professor für griechische Sprache an der Universität Jena ernannte. Im 1560 aufbrechenden synergistischen Streit zwischen Victorin Strigel und Matthias Flacius Illyricus bekannte sich C. zur flacianischen Position, dass die Erbsünde den Menschen substantiell betreffe. Als der Herzog 1561 nach abgehaltener Disputation der beiden Kontrahenten von seinen Professoren verlangte, sich mit den Erklärungen Strigels zufrieden zu geben, legt C. im Dezember 1561 sein Amt nieder und verließ Jena. Der bereits in Frankfurt/Oder zum Doktor der Theologie promovierte und ordinierte Theologe erhielt 1562 eine Stelle als Prediger und Leiter der kirchlichen Angelegenheiten bei Graf Ladislaus von Haag in Bayern. Da die permanente Polemik C.s gegenüber dem Herzog von Bayern dem Grafen aus politischen Gründen missfiel, wechselte C. 1563 zum Grafen Joachim von Ortenburg, der mit Hilfe des aus Plauen stammenden Theologen die Reformation in seinem Territorium einführte. Als Ortenburg 1564 durch bayerische Truppen besetzt wurde, ging C. nach Lauingen, wo er durch den Pfalzgrafen Wolfgang von Neuburg zum Professor für Theologie am dortigen akademischen Gymnasium ernannt wurde. 1568 kam es zum Regierungswechsel im Herzogtum Sachsen und Herzog Johann Wilhelm berief C. zurück nach Jena als Professor für Theologie. In dieser Funktion nahm C. am Altenburger Religionsgespräch der beiden sächsischen Territorien 1568/69 teil. Doch sollte die flacianische Position C.s in der Erbsündenfrage zu Konflikten in der Jenaer Fakultät führen. Auch ein Kolloquium, bei dem C. und Heshusen am 14. August 1571 über diese Frage diskutierten, brachte keine Lösung. C. musste auf herzoglichen Befehl seine Vorlesungen einstellen. 1572 verließ er Jena und ging nach kurzem Aufenthalt in Mecklenburg nach Österreich, wo ihn die protestantischen Stände in Dienst nehmen. C. wurde Pfarrer in Efferding, 1574 in Stein und 1577 in Wien, wo er geflüchtete Flacianer um sich sammelte und 1578 verstarb.

ADB 4, 389–391

Quellen

1566
Coelestin, Prüfung des sakramentirischen Geistes; H 3727  (Autor)
1567
Pantheum praecipuarum haeresum; H 3726  (Autor des Vorwortes, Autor)
1568
Pantheum praecipuarum haeresum II; H 3726  (Autor)
Von Buchhändler, Buchdruckern und Buchführern; H 3729  (Autor)
1569
Selnecker, Verteidigung gegen die Flacianer; S 5497  (Gegner)
1569
Coelestin, Antwort auf Pfeffingers Vorrede; H 3730  (Autor)
Coelestin, Prüfung; H 3728  (Autor)
Ein sehr nützliches Büchlein; M 2610  (Gegner)
1571
Jena, Coelestins Buch von der Erbsünde; W 2760  (Gegner)
1578
Wie Andreae die Einigkeit vorgenommen hat; H 3092  (Autor)

Zitierhinweis

Coelestin, Johann Friedrich, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/de75f967-f641-487e-8b35-198b2df634bf>. (Zugriff am 16.07.2019)

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