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Fabri, Johannes

GND: 118682946

geb. 1478 in Leutkirch/Allgäu, gest. 21.8.1541 in Wien, kath. Kontroverstheologe, Bischof

Fabri wurde als Sohn eines Schmiedes namens Heugerlin geboren, seit 1525 nannte er sich nach humanistischer Manier Faber oder (filius) Fabri. Ab ca. 1490 besuchte er Schulen in Konstanz und Ulm, am 22.10.1505 immatrikulierte er sich in Tübingen. Er hörte theologische und auch juristische Vorlesungen, lernte Hebräisch und widmete sich der Exegese des AT. 1509 wechselte er an die Universität Freiburg und promovierte bei Ulrich Zasius zum Dr. iuris utriusque. In den Studienjahren freundete sich F. mit Erasmus und anderen Humanisten (Rhenanus, Capito, Botzheim, Vadian) an; seine Briefe und Predigten zeigen eine tiefe Prägung durch den christlichen Humanismus. 1513 wurde er zum Offizial des Basler Bischofs und bald darauf zum Kanoniker am Domstift ernannt; 1514 erhielt er die Pfarrstelle in seiner Heimatstadt; 1516 auch die an St. Stephan in Lindau und 1520 in Wain. Keine dieser Stellen hat er selber ausgefüllt. Später ist F. als Inhaber von Propsteinen in Ungarn, Böhmen und dem Elsass nachweisbar, zudem als Domherr in Breslau, Mainz und Prag und als Dekan in Schlesien. Schon 1514 hatte er ein päpstliches Indult für die Pfründenhäufung erhalten, das 1530 erneuert wurde. 1518 wurde Fabri zum päpstlichen Protonotar ernannt. Im selben Jahr wurde er Generalvikar des Bistums Konstanz; in diesem Amt trat er als Opponent Zwinglis in der ersten Zürcher Disputation 1523 und gegen Oekolampad in der Badener Disputation 1526 auf. Schon vorher hatte er erste Schriften gegen Luther verfasst. In der Folgezeit profilierte sich F. mit zahlreichen Schriften als Gegner der Reformation. Als Rat und Beichtvater Ferdinands nahm F. an den Reichstagen teil und war in Augsburg führend an der Erarbeitung der Confutatio beteiligt. Zudem erfüllte er diplomatische Missionen in der Türkenfrage nach England und Spanien. Mit dem Verhör seines Studienfreundes Balthasar Hubmaier und einer literarischen Fehde mit Schwenckfeld trat F. auch gegen die Täufer und Spiritualisten auf. 1530 wurde F. zum Bischof von Wien ernannt. Als Verfechter einer Kirchenreform setze er große Hoffnung in den Konzilsprozess, bes. nach Einberufung der Versammlung nach Mantua 1536. Dagegen lehnte er die kaiserliche Ausgleichspolitik und die Religionsgespräche auf Reichsebene (Hagenau, Worms) und Zugeständnisse bei Laienkelch und Priesterehe ab. In seiner Zeit als Bischof der kleinen Wiener Diözese brachte F. große Summen aus seinen Benefizien für den Aufbau der Kirchen, die Dotierung des Niederklerus und das Armenwesen auf. Seine Bibliothek vermachte er zusammen mit einer Dotation für Studienstipendien einem nach Löwener Vorbild eingerichteten Collegium Trilingue in Wien. Zudem machte er sich als Prediger und Seelsorger einen Namen. 1539 wurde auf Fabris Vorschlag Friedrich Nausea zum Coadiutor cum iure successionis ernannt.

ADB, RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): II 349,69-71;III 228,73;228,305-311

Quellen

1549
Verlegung zweier Schriften; F 1519  (Gegner)
1579
Bekentnis Vom heiligen Abendmahl Christi; S 3317  (Übersetzer)
Merklich Partickel der langst gesuchten Formel Concordien; I 290  (Drucker)

Zitierhinweis

Fabri, Johannes, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f56c249d-78d4-42d3-807c-b4fcada338b6>. (Zugriff am 13.12.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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