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Flacius, Matthias

GND: 118533649

lutherischer Theologe. Am 3. März 1520 in der venezianischen Stadt Albona als Matija Vlačić geboren, besuchte F. zunächst die Schule an San Marco in Venedig, die unter der Leitung von Battista di Cipelli stand. Sein Studium begann F. in Basel und Tübingen und wechselte 1541 nach Wittenberg. LUTHERs Seelsorge befreite den jungen F. aus einer geistlichen Krise. 1544 wurde F. Professor für Hebräisch in Wittenberg und erreicht am 25. Februar 1546 den Grad eines Magisters. Als die Universität Wittenberg in Folge des verlorenen Schmalkaldener Krieges 1547 vorübergehend geschlossen werden musste, hielt F. Vorlesungen am Paedagogium in Braunschweig. 1548 versuchte F. vergeblich die Wittenberger Fakultät gegen das Augsburger Interim und den Leipziger Landtagsentwurf zu vereinen. Ostern 1549 verließ er, tief enttäuscht vor allem von dem Verhalten MELANCHTHONs, die Leucorea. Er ging nach Magdeburg, wo er zusammen mit Nikolaus von AMSDORF, Nikolaus GALLUS und Erasmus ALBER unter der Maxime nihil est ἀδιάφορον in statu confessionis et scandali Widerstand gegen das Interim leistete. Alle Einigungsversuche zwischen Wittenberg und Magdeburg, die nach dem Sturz Magdeburgs am 9.11.1551 in die Wege geleitet wurden, scheiterten an der Kompromisslosigkeit des Illyrers. Da bei der Kapitulation Magdeburgs der freie und sichere Aufenthalt der beiden Theologen F. und GALLUS ausgehandelt worden war, konnte F. in der Stadt bleiben. 1551–52 beteiligte F. sich am Majoristischen, 1552–53 zusammen mit der Wittenberger Fakultät am Osiandrischen Streit und hielt ab 1553 gegen den Spiritualismus des Schlesiers SCHWENCKFELD an der Bedeutung des äußeren Wortes fest. Alle Versuche, eine Einigung zwischen F. und MELANCHTHON im Vorfeld des Wormser Religionsgespräches 1557 zu erreichen, scheiterten. Die Delegation um F. zog so aufgrund der Differenzen mit der Wittenberger Partei am 1. Oktober 1557 von diesem Kolloquium ab. Im selben Jahr nahm F. eine Berufung als Professor für Neues Testament nach Jena an. Er erreichte den Widerspruch seines neuen Landesherren Herzog JOHANN FRIEDRICH gegen den Frankfurter Rezess von 1558, dem er mit dem Weimarer Konfutationsbuch 1559 einen Gegenentwurf zur Seite stellte. 1558 trat er in den synergistischen Streit mit Johannes PFEFFINGER ein, der sich bald mit dem Eintritt Victorin STRIGELs auch auf die Jenaer Fakultät selbst erstrecken sollte. Herzog JOHANN FRIEDRICH reagierte auf diesen Streit an seiner Fakultät mit der Gefangensetzung beider Theologen am 27. März 1559. Nach seiner Freilassung konnte F. die Abhaltung einer Disputation mit STRIGEL erreichen, die vom 2.–8. August 1560 in Weimar stattfand. Obwohl der Herzog befand, dass F. in dieser Frage richtig lehrte, wollte er auch STRIGEL in seinem Amt belassen. Als F. im Juni 1561 eine Schrift gegen den Wittenberger Theologen Paul EBER veröffentlichte, ohne vorher um Erlaubnis bei Hof gebeten zu haben, wurde am 8. Juli 1561 ein Konsistorium in Weimar eingerichtet, dem unter anderem die Aufgabe der Vorzensur zukommen sollte. F. protestierte gegen diese Beschneidung seiner Publikationsrechte und war nur bereit, den Entscheidungen dieses Konsistoriums für das Inland zu gehorchen. Am 10. Dezember 1561 verlor er seine Professur. Im Februar 1562 kam er in Regensburg an, wo sein Freund GALLUS mittlerweile Superintendent war. Alle seine Bemühungen, eine lutherische Gelehrtenakademie in Regensburg zu gründen, liefen jedoch ins Leere. Er erhielt lediglich die Erlaubnis, Privatunterricht auf seinem Zimmer zu erteilen. Kurfürst AUGUST von Sachsen erreichte auf dem Reichstag in Augsburg 1566 die Verhaftung von F., der sich dieser jedoch durch seine Flucht entzog. Doch gewährte Straßburg dem Illyrer nicht länger Schutz, nachdem mehrere Fürsten und auch ein kaiserlicher Bote dessen Vertreibung gefordert hatten. Von Oktober 1566 bis Februar 1567 wirkte F. als Berater der lutherischen Gemeinde in Antwerpen und verfasste als Hauptautor 1567 derenConfessio Ministrorum Jesu Christi in ecclesia Antverpiensi. Von dem aufkommenden Krieg zum Verlassen Antwerpens gezwungen, wandte sich F. zunächst an den Frankfurter Rat, der ihm jedoch seinen Schutz versagt. Er ging nach Straßburg, wo er die Unterstützung Johann MARBACHs fand. Bei einem Besuch ANDREAEs in Straßburg weigerte sich F., in allen Punkten dessen Konkordienbestrebungen zu unterstützen. Ein förmliches Gericht, dem er schriftliche Erklärungen einreichen musste, verurteilte F. am 28. März 1573 öffentlich der manichäischen Ketzerei und beschloss, dass dieser die Stadt bis zum 1. Mai 1573 verlassen haben müsste. Seine letzte Zuflucht erhielt F. im Weißfrauenkloster in Frankfurt/Main, wo ihn die Priorin Katharina von MEERFELD aufnahm, freilich ohne Genehmigung des Rates. F. erreichte den Aufschub des Ausreisebefehls, der ihn vom Rat erreicht hatte, auf den 1. Mai 1575. Doch erkrankte er ernstlich und verstarb am 11. März 1575. Ein kirchliches Begräbnis wurde ihm verweigert. Mit der Leitung der Herausgabe der Ecclesiastica historica, der Magdeburger Zenturien, einer umfangreichen Quellensammlung, in den Jahren 1559–74 hat F. der Kirchengeschichte einen großen Dienst erwiesen.

TRE 11, 206–214

RGG4 3, 151f

BBKL 2, 43–48

RE3 6, 82–92.

Weitere Informationen: Deutsche Biographie

Zugeordnete Quellen:

Zitierhinweis

Flacius, Matthias, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c90edc83-a1ff-474b-90ee-8410cc2a9531>. (Zugriff am 31.08.2016)

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