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Johann Friedrich von Sachsen (gen. „der Großmütige“)

GND: 118712373

geb. 30.6.1503 in Torgau, gest. 3.3.1554 in Weimar, Kurfürst

Geb. als Sohn Herzog Johanns von Sachsen und Neffe des kinderlosen Friedrichs des Weisen wurde J.F. als ernestinischer Erbprinz erzogen und erhielt eine sorgfältige Erziehung unter anderem durch G. Spalatin, der das historische und theologische Interesse bei seinem Zögling weckte. Im Vorfeld der Kaiserwahl 1519 wurde eine Heirat zwischen J.F. und der Schwester Karls. V., Katharina, vereinbart, die aber nicht zustande kam. Schon früh nahm er aktiv an den Ereignissen um Luther Anteil und trat mit diesem in engen Kontakt. Er kämpfte gegen die aufständischen Bauern. 1527 heirate er Sibylla von Jülich-Kleve (1512-1554), mit der er vier Söhne hatte. 1530 unterzeichnete er auf dem Reichstag die CA und bemühte sich um das Zustandekommen des Schmalkaldischen Bundes. 1532 trat J.F. die Nachfolge als sächsischer Kurfürst an. Bis 1542 teilte er sich in die Regentschaft mit seinem Halbbruder Johann Ernst I.; nach dessen Heirat erhielt dieser die Einkünfte und die Verwaltung der Pflege Coburg als Entschädigung. Im Schmalkaldischen Bund hielt er wie die Wittenberger Theologen an der Übereinstimmung der Bundesmitglieder in Glaubensdingen fest, wodurch die Einbeziehung Englands und Frankreichs unmöglich wurde. Gleichwohl gelang es ihm nicht, 1537 die Annahme der Schmalkaldischen Artikel als gemeinsames Bekenntnis durchzusetzen. Im Rahmen der Religionsverhandlungen zwischen Katholiken und Protestanten vertrat J.F. eine wenig kompromissbereite Haltung. 1542 setzte er Nikolaus von Amsdorf als Naumburger Bischof ein. Im Vorfeld des Schmalkaldischen Krieges ließ sich J.F. durch die Friedensbekundungen des Kaisers täuschen und agierte ungeschickt im Konflikt mit der albertinischen Seite. Durch die Niederlage im Schmalkaldischen Krieg geriet J.F. in kaiserliche Haft, er verlor die Kurwürde an den Albertiner Moritz, daneben die Kurlande, die Ämter östlich der Saale und die Rechte an den Stiftern Magdeburg, Halberstadt, Naumburg und Meißen. Doch in Religionsfragen verweigerte er jedes Zugeständnis und lehnte das Interim ab. Zugleich bemühte er sich um Ersatz für die verlorengegangene Landesuniversität Wittenberg und gründete die Universität Jena. Erst 1552 wurde er freigelassen und kehrte nach Weimar zurück, wo seine Söhne die Regentschaft geführt hatten. Beim Fürstenaufstand 1552 bezog er Partei gegen Moritz und stand beim Passauer Vertrag wie fünf Jahre zuvor auf der Seite der Verlierer. Nach dem Tod Moritz’ gelang es ihm nicht, die Balance zwischen Ernestinern und Albertinern zu seinen Gunsten zu verändern. Mit Moritz Nachfolger August wurden 1554 im Naumburger Vertrag die Streitigkeiten zwischen den beiden Linien beendet. Wenige Tage später starb J.F. Sein Nachfolger wurde Johann Friedrich der Mittlere.

ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 608,234-245;II 658,384-397;III 445,96-119

Quellen

1558
In Gottes wort gegründete Confutationes etlicher Corruptelen; Weimarer Confutationsbuch, dt.; S 1099  (Autor)
In Gottes wort gegründete Confutationes etlicher Corruptelen; Weimarer Confutationsbuch, dt.; S 1098  (Autor)
1562
Wahrer Abdruck und Bericht des Abschieds; S 1111  (Autor)

Zitierhinweis

Johann Friedrich von Sachsen (gen. „der Großmütige“), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b0085940-365b-4352-ab65-c97520bdbe58>. (Zugriff am 13.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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