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Mörlin, Joachim

GND: 11692960X

geb. 8.4.1514 in Wittenberg, gest. 29.5.1571 in Königsberg, luth. Theologe

M. wurde als Sohn des Wittenberger Magisters und Dozenten der Artes Jodocus Mörlin geboren. Wie sein Bruder Maximilian Mörlin absolvierte er zuerst eine Lehre, besuchte danach die Schule in Coburg und begann 1532 ein Studium in Wittenberg. Nachdem er 1536 den Grad eines Magisters erworben hatte, arbeitete er als Erzieher und heiratete. 1539 wurde er Luthers Kaplan. 1540 wurde Mörlin zum Doctor theol. promoviert und ging als Superintendent nach Arnstadt. Als Prediger übte er scharfe Lehr- und Lebenszucht, auch gegen seinen Landesherren, weshalb er schon nach drei Jahren entlassen wurde. 1544 wurde er vom Rat zum Prediger an St. Johannis in Göttingen berufen. Zugleich lehrte er an der Lateinschule und veröffentlichte einen Katechismus. Wegen seines öffentlichen Widerstands gegen das Interim musste er Göttingen verlassen und fand Aufnahme in Preußen. Er traf 1550 in Königsberg ein und erhielt die Stelle des Predigers am Dom. Nur wenig später brachen die Streitigkeiten um die Rechtfertigungslehre Andreas Osianders aus. Anfangs nahm Mörlin eine vermittelnde Rolle ein, doch seit dem Frühjahr 1551 trat er Osiander auf der Kanzel des Doms scharf entgegen und veröffentlichte Schriften gegen ihn. Dabei vertrat er die Auffassung von der Einwohnung Christi im Gläubigen nach göttlicher und menschlicher Natur. Nachdem Mörlin auch Herzog Albrecht, der sich im Streit auf Osianders Seite gestellt hatte, öffentlich kritisiert und die Gemeinde zum Ungehorsam gegen den Eingriff des Herzogs in Glaubensfragen aufgefordert hatte, wurde er am 14.2.1553 entlassen und ging nach Braunschweig. Dort veröffentlichte er eine Geschichte des osiandrischen Streits. Gemeinsam mit Martin Chemnitz bestimmte er in den folgenden 14 Jahren das Braunschweigische Kirchenwesen, formulierte ein Corpus Doctrinae für die Landeskirche und beteiligte sich an den theologischen Streitigkeiten. Er versuchte 1557 – vergeblich – zwischen Matthias Flacius und Philipp Melanchthon zu vermitteln, nahm am Wormser Religionsgespräch teil, wo er die Flacianer und Weimarer Theologen unterstützte, stellte sich aber später in der Erbsündenfrage gegen Flacius. Gegen den Frankfurter Rezess (1558) und die Beschlüsse des Naumburger Fürstentags 1561 formulierte er auf dem Lüneburger Städtekonvent 1561 die Position des norddeutschen Luthertums in der „Erklerung aus Gottes Wort“. Zudem betrieb er die Verurteilung Albert Hardenbergs auf dem niedersächsischen Kreistag. 1567 wurde er, kurz vor dem Tod Herzog Albrechts, auf Wunsch der Stände nach Preußen zurückberufen und im Herbst zum Bischof von Samland ernannt. Gemeinsam mit Chemnitz erarbeitete er die neue Lehrgrundlage der preußischen Kirche (Corpus doctrinae prutenicum: CA, AC und Schmalk. Art., erläutert mit einer Repetitio), auf die alle Prediger verpflichtet wurden. Dreizehn Tage vor seinem Tod bezog er in der Vorrede zur „Treuherzigen Warnung“ noch gegen den Wittenberger Kryptocalvinismus Stellung.

ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 852,209-213;II 904,248-256;III 638,13-14;1040,150-155

Quellen

1550
Daß unser lieber Herr Jesus Christuns durch den Glauben in allen wahren Christen wohne; O 1000  (Gegner)
1551
Epistolae quaedam ad Osiandrum; M 5873  (Autor, Gegner, Autor des Vorwortes)
1551
Gründlicher wahrhaftiger Bericht von der Rechtfertigung des Glaubens wider Osiandri lehr; V 561  (Autor des Vorwortes, Autor)
Iudicium der Kirchen zu Wittenberg über unser Buch gegen Osiander; M 5880  (Autor, Herausgeber)
Osiander, Schmeckbier; O 1094  (Gegner)
Osiander, Sendbrief von der unchristlichen Predigt Mörlins; O 1105  (Gegner)
Wider den erlogenen Titel auf D. Mörlins Buch; O 1127  (Gegner)
Wider den erlogenen Titel auf D. Mörlins Buch; O 1127  (Gegner)
Wider die tiefgesuchten und scharfgespitzten, aber doch nichtigen Ursachen Osianders; O 1498  (Widmungsempfänger)
1552
Iudicium de libro nostro contra Osiandrum; M 5881  (Autor des Vorwortes, Herausgeber)
1553
Historia welcher Gestalt sich die osiandrische Schwärmerei erhoben hat; M 5879  (Autor, Autor des Vorwortes)
1554
Irrtum des Osiander; M 5865  (Autor)
Treue Warnung und Trost an die Kirchen in Preussen; M 5886  (Autor)
1555
Ein Sendbrief Mörlins an den Vogel; M 5885  (Autor)
1556
Gespräch eines amen Sünders mit Moses und Christus; V 2085  (Gegner)
Widerlegung der unbegründeten Antwort Mörlins; V 2107  (Gegner)
1557
Antwort auf Matthäus Vogels Buch; ZV 11072  (Autor, Autor des Vorwortes)
1557
Antwort Vogels auf Mörlins Apologie; V 2083  (Gegner)
Apologie; M 5863  (Autor)
1558
Wider die Antwort Vogels; M 5892  (Autor)
1559
Antwort auf den Bericht und Ratschlag Melanchthons; M 5864  (Autor)
Kurze Anzeigung aus der Heiligen Schrift; W 3500  (Autor des Vorwortes)
1560
Anatome propositionum Hardenbergii de coena; C 2148  (Autor)
Disputationes de coena domini & de communicatione idiomatum.; M 5869  (Autor)
Erklärung aus Gottes Wort auf dem Tag zu Lüneburg; Lüneburger Artikel; M 5874  (Autor)
Erklärung aus Gottes Wort auf dem Tag zu Lüneburg; Lüneburger Artikel; M 5875  (Autor)
Fundamenta sanae doctrinae de vera et sbstantiali praesentia, exhibitione et sumtione corporis et sanguinis in coena. [deutsch]; C 2211  (Autor des Vorwortes)
Fundamenta sanae doctrinae de vera et substantiali praesentia, exhibitione et sumtione corporis et sanguinis Domini in coena [deutsch]; C 2212  (Autor des Vorwortes)
Propositiones de Coena Domini ad disputandum in Academia Heidelbergensi; M 5900  (Autor)
1561
Erklärung aus Gottes Wort auf dem Tag zu Lüneburg; Lüneburger Artikel; M 5877  (Autor)
Verantwortung der Prefation; M 5887  (Autor)
1562
Erklärung aus Gottes Wort auf dem Tag zu Lüneburg; Lüneburger Artikel; ZV 20910  (Autor)
1564
Antwort auf Marbachs und Mörlins Schriften; U 298  (Gegner)
Mörlin, Wider die Landlügen der Heidelberger Theologen; M 5895  (Autor)
Von dem Beruf der Prediger; M 5889  (Autor)
1565
Ad apologiam Stosselii apologia; M 5862  (Autor)
Mörlin, pro tertio usu legis; M 5872  (Autor)
1566
Mörlin, disputatio contra praesentiam operum in actu iustificationis; M 5868  (Autor)
1567
Repetitio corporis doctrinae; P 4795  (Autor)
Repetitio corporis doctrinae; P 4794  (Autor)
1569
Disputatio contra novam corruptelam; M 5867  (Autor)
Mörlin, De imagine Dei in homine; ZV 21687  (Autor)
Mörlin, De imagine Dei in homine; ZV 11076  (Autor)
Propositiones oppositae praestigiis Morlini; C 5775  (Gegner)
1570
Wittenberg, De praecipuis horum temporum controversiis; W 3749  (Herausgeber, Gegner)
1570
De peccato originis contra Manichaeorum delirium; P 1093  (Autor)
Disputatio de Communicatione Idiomatum; ZV 11073  (Autor)
Mörlin, Disputatio de communicatione idiomatum; M 5871; W 2273  (Autor)
Treuherzige Warnung wider den neuen calvinischen Katechismus; C 2222  (Autor des Vorwortes, Herausgeber)
1574
Heshusen, Warnung vor Gemeinschaft mit Calvinisten; H 3145  (Autor)
Verantwortung Mörlini gegen die Wittenberger Grundfest; K 567  (Autor)

Zitierhinweis

Mörlin, Joachim, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/bae4a808-179c-421c-8f4c-c84a334aa05a>. (Zugriff am 22.11.2019)

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