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Musculus, Wolfgang (Pseudonym: Eutychius Myo)

GND: 11948370X

geb. 8.9.1497 in Dieuze/Lothringen, gest. 30.8.1563 in Bern, Humanist und ref. Theologe

Geboren als Sohn eines Küfers, besuchte M. Schulen im Elsass und in Lothringen, unter anderem in Colmar und in Schlettstadt, wo er mit dem Humanismus in Berührung kam. Mit 15 Jahren trat er in das Benediktinerkloster Lixheim ein und setzte seine Studien der antiken Schriftsteller und der Musik, später auch der Theologie fort. 1518 kam er, wohl über Claudius Catiuncula, mit Schriften Luthers in Berührung und begann bald, in seinem Sinn zu predigen. 1527 verließ M. das Kloster, heiratete die Nichte seines Priors, Margaretha Barth, und ging nach Straßburg. Nach Tätigkeit als Handwerker wurde M. erst Hilfsprediger in Dorlisheim, später Diakon am Münster in Straßburg als Mitarbeiter von Matthias Zell. In dieser Zeit lernte er Hebräisch und studierte Theologie bei Martin Bucer und Wolfgang Capito. Von Straßburg aus führte er die Reformation in Dossenheim ein. 1531 ging M. nach Augsburg, wo er zuerst als Nachfolger von Urbanus Rhegius an Heilig Kreuz, ab 1537 am Dom schnell zum führenden Prediger der Stadt aufstieg und maßgeblich an der Einführung der Reformation und dem Aufbau des reformatorischen Kirchenwesens beteiligt war. Er nahm an den Gesprächen über die Wittenberger Konkordie sowie 1540/41 an den Religionsgesprächen in Worms und Regensburg teil und führte eine polemische Kontroverse mit Johannes Cochläus. 1548 verließ er aus Protest gegen die Annahme des Interims durch den Rat Augsburg und ging mit Frau und mittlerweile acht Kindern in die Schweiz, zuerst zu seinem Verleger Herwagen in Basel, später nach St. Gallen und Zürich. Die Einladung Thomas Cranmers, nach England zu kommen, schlug er aus. 1549 erhielt er den Ruf als Theologieprofessor nach Bern, wo er trotz vieler Berufungen an andere Universitäten und Wirkungsstätten bis zu seinem Tod blieb. Er verfasste zahlreiche Kommentare zu den biblischen Büchern, übersetzte Werke der griechischen Väter ins Lateinische, und veröffentlichte 1554/60 die Loci communes, wie bei Philipp Melanchthon und Heinrich Bullinger ein systematischer Aufriss der Dogmatik, die als Standardwerk der Berner reformierten Theologie zahlreiche Auflagen erlebten und ins Englische und Französische übersetzt wurden. Besonderheiten sind die darin vertretene doppelte Bundestheologie, die zwischen einem Noah-Bund Gottes mit der ganzen Schöpfung (foedus generale) und einem Abrahams-Bund (foeus speziale) mit den Erwählten unterscheidet. M. Abendmahlslehre war reformiert, er vertrat die doppelte Prädestination. Seine von Bucer beeinflusste Auffassung über das Verhältnis von Staat und Kirche (ein christliches Gemeinwesen hat eine von Gott geordnete Obrigkeit; nicht das Modell der urchristlichen Gemeinden, sondern das alttestamentliche Königtum ist hierfür das Vorbild) hat auf Thomas Erastus in der Pfalz eingewirkt und mittelbar im anglikanischen Staatskirchentum Anwendung gefunden (Erastianism).

ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 860,147-158;878,418-452;II 931,197-224;III 652,108-110;1041,75-78

Zitierhinweis

Musculus, Wolfgang (Pseudonym: Eutychius Myo), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f34d3c30-0719-4bda-aade-c85707f6cd1c>. (Zugriff am 13.12.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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