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Pezel, Christoph

GND: 116139374

philippistischer Theologe. Geboren am 5. März 1539 in Plauen im Vogtland, besuchte P. zunächst die dortige Lateinschule. 1554, im Alter von 15 Jahren, immatrikulierte P. sich an der Universität Jena, an der er in den Theologen Erhard SCHNEPF und Victorin STRIGEL sowie dem Dichter-Philologen Johannes STIGEL seine wichtigsten Lehrer fand. Als 1557 Matthias Flacius Illyricus als Professor nach Jena berufen wurde und die neu gegründete herzoglich-sächsische Universität Jena einen streng an der Theologie Luthers orientierten Schwerpunkt gegen das durch Melanchthon geprägte, kursächsische Wittenberg setzte, empfahl Stigel den jungen Pezel an den Praeceptor nach Wittenberg, wo er sich allerdings nur wenige Monate aufhielt und schon von daher nicht als Melanchthon-Schüler bezeichnet werden kann. Von 1557–1562 wirkte er als Lehrer in Plauen und war anschließend bis 1564 an der Schule von Annaberg tätig. 1564 kehrte er zurück nach Wittenberg, um sein Studium nun, von einem kurfürstlichen Stipendium unterstützt, fortzusetzen. 1567 wurde er Professor an der philosophischen Fakultät der Leucorea und am 23.10.1569 wurde er durch Paul EBER zum Nachfolger Paul CRELLs als Prediger an der Schlosskirche ordiniert. Am 14. Dezember 1569 wurde P. in die theologische Fakultät der Universität Wittenberg aufgenommen. Am 11. Mai 1570 erfolgte zusammen mit Caspar CRUCIGER d.J., Heinrich MOLLER, Friedrich WIDEBRAM, Johannes BUGENHAGEN d.J. und Nikolaus SELNECKER die Promotion des philippistischen Theologen zum Doktor der Theologie. Anfang 1571 brachte er im Namen der Wittenberger theologischen Fakultät einen von ihm verfassten neuen Katechismus in lateinischer Sprache heraus, der eine heftige Kontroverse um die darin enthaltenen christologischen und abendmahlstheologischen Aussagen in Gang setzte. Seine Haltung trug ihm Ende 1574 die Absetzung von seinen Ämtern ein, da er nicht bereit war, die als Definition des kursächsischen Bekenntnisstandes konzipierten „Torgauer Artikel“ zu unterschreiben. P. ging zunächst nach Zeitz, ehe er im November 1576 aus Kursachsen ausgewiesen wurde. Den Winter 1576/77 verbrachte P. mit seiner Familie in Eger in Böhmen, bevor er dem Ruf des Grafen JOHANN VI. d.Ä. von Nassau-Dillenburg zur Einrichtung einer Hohen Schule in Siegen folgte. Im März 1578 nahm P. an der Synode der aus Heidelberg vertriebenen Theologen in Neustadt a.d. Haardt teil. Während dieser Zeit vollzog P. den Schritt vom Philippismus hin zur calvinistischen Theologie. Im Mai 1578 verfasste er eine „Erklerungsschrift der verenderung etzlicher Kirchen-Ceremonien in der graveschafft Nassau-Catzenelenbogen“, auf deren Basis ein calvinistisches Bekenntnis in Gestalt des Scriptum propositum in Synodo Dillenburgensi verfasst und auf der Generalsynode vom 8.–10. Juli 1578 angenommen wurde. P. wurde zum entschiedenen Gegner des lutherischen Konkordienwerkes und bewirkte die Ablehnung der FC in Nassau und durch einen Besuch im September 1577 bei Wilhelm IV. von Hessen-Kassel auch in dessen Territorium. Am 2. November 1578 wurde P. als neuer Prediger in Herborn eingeführt. Als 1579 die Bitte an P. herangetragen wurde, als Pastor an St. Martini in Bremen tätig zu werden, wurde ihm die Annahme dieser Stelle von dem Grafen von Nassau-Dillenburg nicht gestattet. Dagegen erhielt er 1580 die Erlaubnis, zusammen mit dem ebenfalls sich in Nassau aufhaltenden Heinrich Moller für einige Monate nach Bremen zu reisen, um dort zur Beilegung der konfessionellen Streitigkeiten innerhalb der Bremer Pfarrerschaft beizutragen. Im Frühjahr 1581 wechselte Pezel auf die Predigerstelle an St. Ansgar in Bremen und wurde dort zum Wortführer der Opposition gegen das lutherische Konkordienwerk. Mit seinem 1582 verfassten „Bremer Katechismus“ führte er das Brotbrechen beim Abendmahl ein. Der Taufexorzismus wurde abgeschafft und alle Bilder aus den Kirchen entfernt. Ab 1584 versah Pezel zugleich den Dienst an der Liebfrauenkirche in Bremen. Im selben Jahr begann er mit der Lehrtätigkeit als Professor für Theologie, Ethik und Geschichte am neu gegründeten Gymnasium illustre. 1595 schließlich führte Pezel den „Consensus ministerii Bremensis ecclesiae“ als streng calvinistische Bekenntnisgrundlage ein. Er starb am 25. Februar 1604. Die bereits in den Streitigkeiten um Abendmahlslehre und Christologie in Kursachsen vorbereite polemische Abgrenzung gegen das sich später im Konkordienwerk konsolidierende Luthertum ist kennzeichnend für sein Wirken.

RE2 (1883), 551–554

ADB 25, 575–577

Richard Wetzel, Christoph Pezel, in: Heinz Scheible (Hg.), Melanchthon in seinen Schülern, 465–566.

Quellen

1567
Schlüsselburg/ Schirmer, Bekenntnis; S 2926  (Gegner)
1568
Oratio proponens commonefactionem et consolationem accomodatam his temporibus <dt.>; ZV 2097  (Übersetzer)
1569
Wittenberger Promotionsthesen vom Mai 1570 (lat.); P 5069  (Promovend)
1570
Pezel, Apologia de definitione Evangelii; P 2087  (Autor)
Pezel, Apologia de definitione Evangelii; P 2088  (Autor)
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1553  (Autor)
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1552  (Autor)
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1551  (Autor)
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1555  (Autor)
1571
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1554  (Autor)
1571
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1557  (Autor)
1572
Pezel, Wittenberger Katechismus; C 1556  (Autor)
1573
Torgauer Artikel; ZV 9323  (Gegner)
Torgauer Artikel; ZV 9322  (Gegner)
Torgauer Artikel; ZV 16250  (Gegner)
Torgauer Artikel, lat.; K 2825  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2823  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2822  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2824  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2821  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2820  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2819  (Gegner)
1574
Scriptum publice in Academia Vvitebergensi propositum; S 5154  (Gegner)
1577
Pezel, Dillenburger Predigten vom Abendmahl; P 2094  (Autor)

Zitierhinweis

Pezel, Christoph, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ad0dbbd0-059c-4375-b8f8-5afebf85040c>. (Zugriff am 10.04.2020)

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