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Placotomus, Johannes (auch Brettschneider, Bredtschneider)

GND: 12446808X

geb. 1514 in Murstadt, gest. 1577 in Danzig, Mediziner

P. studierte, vermutlich ab den frühen 30er Jahren, in Wittenberg, wobei er durch den Kontakt mit Philipp Melanchthon geprägt wurde. 1540 erwarb er den Doktorgrad in Medizin, blieb danach noch drei Jahre in Wittenberg und trat Ende 1543 die medizinische Professur an der neugegründeten Albertina in Königsberg an, blieb aber mit Melanchthon in Briefkontakt. Als Andreas Osiander 1548 nach Königsberg kam und von Herzog Albrecht mit einer Professur an der Albertina versehen wurde, war P. Rektor der Universität und protestierte förmlich gegen den Eingriff in die Unabhängigkeit der Universität sowie gegen die Berufung eines Professors ohne akademischen Grad. Bei den bald ausbrechenden osiandrischen Streitigkeiten bezog P. schon früh die Partei der Gegner Osianders um Matthias Lauterwald, Peter Hegemon und Johannes Briesmann, wobei die Gründe für die Parteinahme offenbar gleichermaßen die theologischen Streitfragen wie die Konflikte innerhalb der Universität um Stellen, Gehälter und Einfluss betrafen. Noch vor der Kontroverse um die Rechtfertigungslehre soll P. an polemischen Schriften gegen Osiander beteiligt gewesen sein. Bei einem offenen Streit, der zwischen Johannes Aurifaber und P. im Senat der Universität im Dezember 1549 ausbrach, wurde ein Gerichtsverfahren angestrengt. Als P. im Januar 1550 beim Herzog mit seiner Resignation drohte, nahm dieser den Rücktritt an. Ps. Rückzieher nützte ihm nichts mehr: er verlor seine Professur an Aurifaber und wurde bald darauf, wegen seiner Parteinahme gegen Osiander, aber vor allem wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten während seines Rektorats, des Landes verwiesen, zumal er trotz Verbots Schriften gegen Osiander veröffentlicht hatte. Die Härte des Vorgehens Herzog Albrechts lässt vermuten, dass P. wohl hauptsächlich aus persönlichen Motiven mit Osiander im Streit lag – dessen theologische Gegner fanden mehr Milde beim Herzog. Umgekehrt intervenierte Osiander massiv gegen P. beim Herzog: Er könne mit einem solchen Menschen nicht länger leben. P. fand eine Anstellung als Stadtphysicus in Danzig. Von Danzig aus veröffentlichte er weiterhin Streitschriften, die sich nun auch auf die theologischen Aussagen Osianders bezogen, und frischte den Briefwechsel mit Melanchthon auf. Die Differenzen mit O. lassen sich wohl nicht auf allein persönliche Motive zurückführen, sondern hatten auch einen theologischen Kern. Er veröffentlichte zudem zahlreiche medizinische und pharmazeutische Schriften, wurde Leibarzt des litauischen Großfürsten Nikolaus Radziwiłł „Czarny/der Schwarze“ und beeinflusste mit mehreren Schriften auch das Schulwesen in Danzig und Elbing.

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 962,297-300;II 1011,285-286;III 706,425

Quellen

1551
De incarnatione conclusiones quaedam; B 8035  (Autor)

Zitierhinweis

Placotomus, Johannes (auch Brettschneider, Bredtschneider), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f72119d4-563a-43d5-bbe1-d17e5e7032bf>. (Zugriff am 10.04.2020)

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