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Peucer, Caspar

GND: 118790676

Mediziner, Astronom und Mathematiker. Geboren am 6. Januar 1525 in Bautzen, besuchte P. zunächst die neue Bautzener Ratsschule, bevor er an die Goldberger Schule unter Leitung Valentin Friedlands von Trotzendorf wechselte. 1540 kam P. nach Wittenberg und fand auf Empfehlung seines einstigen Lehrers hin freundliche Aufnahme im Hause Melanchthons. Nach Abschluss des Pädagogium, in dem er seine Sprachkenntnisse vervollkommnen konnte, immatrikuliert sich P. im Sommersemester 1543 an der Artistenfakultät. Während dieses Studiums konzentrierte er sich vor allem auf die Mathematik, die er bei Rheticus, Milich und Reinhold erlernte. Am 1. September 1545 schloss P. sein Artistenstudium mit dem Magistergrad ab. Als aufgrund des Schmalkaldischen Krieges 1546 der Lehrbetrieb an der Leucorea eingestellt wurde, ging P. nach Frankfurt/Oder und nahm dort das Studium der Medizin auf. 1548 kehrte er zurück nach Wittenberg und wurde dort in die Artistenfakultät aufgenommen. Am 2. Juni 1550 heiratete P. die Melanchthon-Tochter Magdalena (1531–1576). 1554 nahm er die Professorentätigkeit in Mathematik und Astronomie auf und wurde im Januar 1560 zum Doktor der Medizin promoviert. Im Sommersemester 1560 und 1568 war P. Rektor der Universität; achtmal hatte er das Amt des Dekans der Medizinischen Fakultät inne. Als sein Schwiegervater am 19. April 1560 starb, wurde die Wahrung des Erbes Melanchthons zu seiner Hauptaufgabe P.s. 1561 gab er das Corpus Doctrinae Philippicum als theologisches Vermächtnis Melanchthons heraus. Von 1562 bis 1564 gab er die gesammelten Werke seines Schwiegervaters in den Druck. Die historische Vorlesung Melanchthons über das Chronicon Carionis setzte P. fort. Ab 1563 unterhielt P. regelmäßigen Kontakt zum kursächsischen Hof. 1566 wurde er durch Kaiser Maximilian II. in den erblichen Adelsstand erhoben. Als es um den Jahreswechsel 1567/68 zu kritischen Anfragen an das christologisch-abendmahlstheologische Konzept P.s, Pezels und Crucigers durch die beiden Studenten Conrad Schlüsselburg und Albert Schirmer kam, reagierte die Universität mit Relegation der beiden Kritiker. 1570 wurde P. zum Leibarzt des Kurfürsten und Berater für Schul- und Universitätsangelegenheiten ernannt. Die Nähe zum kursächsischen Hof fand ihren Ausdruck auch in der Übertragung des Patenamtes für Prinz Adolf an P. im Jahr 1571. Im selben Jahr war P. an der Veröffentlichung des neuen Wittenberger Katechismus durch die theologische Fakultät beteiligt. Diese Publikation stieß ebenso wie die Wittenberger „Grundfest“, die im selben Jahr als Verteidigung des Wittenberger Katechismus in den Druck ging, auf Widerspruch anderer lutherischer Territorien, die Kursachsen mit dem Vorwurf, es heimlich mit den Calvinisten zu halten, konfrontierten. Als 1574 dem Kurfürsten ein Brief P.s in die Hände fiel, in dem dieser darauf verwies, dass die Wahrheit auch in Frankreich und den Niederlanden nicht habe aufgehalten werden können, interpretierte Kurfürst August dies als Hochverrat an seinem Hofe, assoziierte er mit diesen beiden Territorien doch vor allem Aufstand und Totschlag (Bartholomäusnacht in Paris, 1572). P. wurde zunächst zusammen mit seiner Familie im Schloss Rochlitz inhaftiert. 1576 wurden seine Haftbedingungen verschärft und P. in Einzelhaft auf der Pleißenburg in Leipzig genommen. Dort blieb er bis zum 8. Februar 1586, als ihn der Kurfürst unter der Auflage, nichts gegen Kursachsen oder seine Person zu veröffentlichen, nach Anhalt gehen ließ. Kurfürstin Anna war am 3. Januar 1586 gestorben, August hatte die Tochter Joachim Ernsts von Anhalt geehelicht und dem Bitten seines neuen Schwiegervaters, P. freizulassen, nachgegeben. P. wurde herzoglicher Rat und Leibarzt der anhaltinischen Herzöge in Dessau. Er starb am 2. September 1602.

RGG4 6, 1183.

RE3 15, 228–231

Uwe Koch (Hrsg.), Zwischen Katheder, Thron und Kerker. Leben und Werk des Humanisten Caspar Peucer 1525–1602. Ausstellung 25. September–31. Dezember 2002, Bautzen 2002

Hans-Peter Hasse/Günther Wartenberg, Caspar Peucer (1525–1602). Wissenschaft, Glaube und Politik im konfessionellen Zeitalter, Leipzig 2004

Quellen

1558
Kurze Antwort des Flacius auf die Schrift der Adiaphoristen vom Evangelium; F 1435  (Gegner)
1567
Schlüsselburg/ Schirmer, Bekenntnis; S 2926  (Gegner)
1573
Torgauer Artikel; ZV 9323  (Gegner)
Torgauer Artikel; ZV 9322  (Gegner)
Torgauer Artikel; ZV 16250  (Gegner)
Torgauer Artikel, lat.; K 2825  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2823  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2822  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2824  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2821  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2820  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2819  (Gegner)

Zitierhinweis

Peucer, Caspar, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/fd9080ad-2c97-4a8c-aa24-e8ff4b031765>. (Zugriff am 25.05.2020)

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