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Pflug, Julius von

GND: 118714082

geb. 1499 in Eytra bei Leipzig, gest. 3.9.1564 Zeitz, Dr. iur. utr., kath. Bischof von Naumburg-Zeitz, Kirchenpolitiker, Humanist und Reformkatholik

Geboren als Sohn eines adeligen Kanzleibeamten und späteren Kanzlers, erhielt P. schon früh eine hervorragende Ausbildung und wurde mit 11 Jahren an der Universität Leipzig immatrikuliert. Versehen mit einträglichen Pfründen an den Domkapiteln der Bistümer Mainz, Merseburg und Meißen war ihm ein intensives Studium möglich. Besondere Prägung erfuhr P. bis zu dessen frühen Tod durch Petrus Mosellanus, durch dessen Verbindungen er auch in Kontakt mit Philipp Melanchthon und Erasmus von Rotterdam trat. Ab 1517 setzte er seine Studien der Rechte in Bologna fort, vertiefte seine Sprachkenntnisse durch einen Studienaufenthalt bei Lazarus Bonamicus in Padua und erwarb in Bologna den Grad eines Dr. iur. utr. 1521 kehrte er aus Italien zurück, wurde im Folgejahr Dompropst in Zeitz und bald darauf herzoglicher Rat in den Diensten Georgs von Sachsen. Als Beisitzer am sächsischen Gerichtshof in Leipzig setzte er seine Studien fort und reiste erneut nach Italien. Er nahm am Augsburger Reichstag und am Leipziger Religionsgespräch 1534 teil, wo er erstmals Melanchthon gegenüberstand; mit ihm kam es in den folgenden Jahren immer wieder zu Begegnungen, Verhandlungen und Ausgleichsbemühungen. Als nach dem Tod Georgs auch im albertinischen Sachsen die Reformation eingeführt wurde, verließ P. Zeitz und zog sich auf seine Domkurie nach Mainz zurück. Seine Versuche, den vollständigen Übergang des Territoriums zur protestantischen Seite durch ein reformkatholisches Programm (u.a. durch Zugestehung von Laienkelch/Priesterehe) zu verhindern, scheiterten, was auch sein Verhältnis zu Melanchthon abkühlen ließ. Als 1541 der Bischof von Naumburg überraschend starb, wählte das Domkapitel, das sich dem Vordringen der Reformation beharrlich widersetzt hatte, am 20.1.1541 umgehend P. zum neuen Bischof. Dieser jedoch zögerte. Als die päpstliche Bestätigung schließlich am 6.12.1542 eintraf, hatte der Ernestiner Kurfürst Johann Friedrich den Naumburger Stadtrat zur Anerkennung eines evangelischen Bischofs gebracht; am 20.1542 ordinierte Luther seinen langjährigen Weggefährten Nikolaus von Amsdorf als neuen Bischof. Dessen reformatorische Maßnahmen stießen allerdings auf den Widerstand von Domkapitel, Adel und Stiftshauptmann. Nach dem Sieg des Kaisers im Schmalkaldischen Krieg musste Amsdorf Naumburg verlassen; am 24.6.1547 trat P. das Amt an, das er bis zu seinem Tod behielt, wobei er in Zeitz residierte.

P. agierte als einer der wichtigsten katholischen Vermittlungstheologen auf den Religionsgesprächen in Hagenau, Worms und Regensburg, arbeitete am sog. Regensburger Buch mit, wobei die prägende Rolle Johannes Gropper vorbehalten blieb. Entwürfe von P. gingen auch in die Entstehung des Augsburger Interims ein; an der Schlussredaktion für den letztlich veröffentlichten Kompromissvorschlag vom 15.5.1548 hatte er mit Johann Agricola gearbeitet.

Nachdem er an der ersten Sitzungsperiode des Trienter Konzils wegen des Krieges nicht teilgenommen hatte, reiste P. im November 1551 zur zweiten Periode nach Trient, kehrte aber nach wenigen Woche zurück, als der Seitenwechsel Moritz’ von Sachsen bekannt wurde. Nach der Niederlage des Kaisers waren die Bemühungen um Rekatholisierung seines Bistums endgültig hinfällig; 1553 wurde ein evangelisches Konsistorium in Zeitz eingesetzt; der Naumburger Dom wurde Simultankirche. Auch als es nach dem Augsburger Religionsfrieden noch einmal, 1557 in Worms, zu einem Religionsgespräch kam, war P. Vorsitzender der katholischen Seite, zu der auch Michael Helding und Petrus Canisius gehörten. Das Gespräch scheiterte jedoch an der unterschiedlichen Bewertung der Tradition als Offenbarungsquelle, wobei die offene Spaltung des lutherischen Lagers den Anlass bot, die Gespräche zu unterbrechen. Die Hoffnung, durch Bestellung eines Koadjutors sein Bistum für die katholische Kirche zu erhalten, zerschlug sich; nach P.s Tod wurde eine lutherische Administration eingesetzt. P. war einer der bedeutendsten Theologen auf katholischer Seite, die sich auf humanistischer Grundlage um die Reform der Kirche und die Verhinderung der Kirchenspaltung bemühten, damit aber an den politischen Gegebenheiten scheiterten.

ADB, NDB, RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 613,349;953,245-249;II 1003,59-72;III 701,310-311

Quellen

1552
Christliche Erinnerung und Ermahnung; N 185  (Autor)
1553
Antwort des Flacius auf die Vermahnung des Bischofs Julius; F 1275  (Gegner)
1554
[Ohne Titel]; V 547  (Autor)
1556
Antwort auf das vergifftete Buch des Bischofs zu Naumburg; P 4050  (Gegner)
Von der Kirchen; P 4048  (Gegner)
1561
Christliche Ermahnung an die Untertanen des Naumburgischen Stiffts; N 186  (Autor)
Vom Preis der heiligen Schrift; P 4047  (Gegner)
Wider die unchristliche Ermahnung Pflugs; S 7733  (Gegner)

Weitere Informationen (Externe Angebote)

Zitierhinweis

Pflug, Julius von, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c878fa88-b2d4-4714-b489-0af5e5276490>. (Zugriff am 22.11.2017)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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