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Poullain, Valerand

GND: 116264586

reformierter Theologe. Um 1520 in Burgund geboren, wurde P. Schüler des Humanisten Mathurin CORDIER und kam in dessen Kreisen vermutlich zum ersten Mal mit reformatorischem Gedankengut in Berührung. Er studierte an der scholastisch geprägten Universität Löwen und wurde 1540 zum Priester geweiht. Von Karl V. wurde er für eine Pfründe an den Bischof von Namur empfohlen. Ab 6. Oktober 1543 hielt sich P. in Straßburg bei Martin BUCER auf und nahm von dort aus Kontakt auf zu FAREL und CALVIN. Vermittelt von BUCER trat er Ende Mai 1544 eine Erzieherstelle beim Grafen Heinrich von Nieder-Isenburg an. Ab September 1544 stand P. im Dienst der französischen Fremdengemeinde in Straßburg, in deren Auftrag er mehrere Reisen an den Niederrhein, nach Flandern und England unternahm. Während dieser Zeit arbeitete er an einem Traktat über das Abendmahl, der 1547 erschien. Er lehnt sich darin an die Vermittlungstheologie BUCERs an, was zu Spannungen mit CALVIN führen sollte, die erst 1549 beseitigt werden konnten. Durch die Einführung des Interims wurde P. 1548 dazu gezwungen, Straßburg zu verlassen. Er ging zusammen mit BUCER nach England, wo er zunächst verschiedene Aufträge annahm, bevor er dann 1552 Superintendent der wallonischen Flüchtlingsgemeinde Glastonbury in Sommerset wurde, für die er bald eine Kirchenordnung verfasste. Die Thronbesteigung der altgläubigen Königin MARY führte jedoch bereits 1553 zur Auflösung der Gemeinde. P. ging zunächst nach Antwerpen, wo er die dortigen Evangelischen durch den zweiten Abendmahlsstreit zwischen CALVIN und WESTPHAL gespalten vorfand. Anfang März 1554 ging er nach Frankfurt am Main, wo er im Auftrag der wallonischen Gemeinde eine Bittschrift um Aufnahme in der Stadt an den Rat richtete. Die Gemeinde erhielt am 18. März 1554 die Aufenthaltserlaubnis und siedelte aus Glastonbury nach Frankfurt über. Doch kam es bald darauf zum Konflikt mit den Frankfurter Predigern über die Abendmahlsfrage. Obwohl CALVIN und A LASCO vermittelnd für die Frankfurter Flüchtlingsgemeinde eintraten, gab P. sein Amt schließlich auf und widmete sich seiner Streitschrift „Antidotus“, die CALVINs Abendmahlslehre gegen WESTPHAL und den Frankfurter Pfarrer Hartmann BEYER verteidigte. Vor April 1558 starb er in Frankfurt. Genaueres über seinen Tod ist nicht bekannt.

RGG4 6, 1523f

BBKL 7, 871–873

Quellen

1554
Apologia adversus Pollani; W 2263  (Gegner)
1556
Antidotus adversus Westphalem; P 4517  (Autor)

Zitierhinweis

Poullain, Valerand, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c5656e39-cf1f-4964-b848-462cd242e5f3>. (Zugriff am 25.08.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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