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Rudinger, Esrom

GND: 117598690

Philologe und Philosoph. Am 19. Mai 1523 in Bamberg geboren, immatrikulierte sich R. 1535 in Leipzig zum Studium der Philosophie und Philologie, das er 1539 mit dem Grad eines Baccalaureus abschloss. Er wurde zunächst Hauslehrer der Söhne des Joachim CAMERARIUS, bevor er 1545 den Grad eines Magisters erlangte. Von Oktober 1546 bis Ende September 1547 übernahm R. eine Dozententätigkeit an der Universität Leipzig. Für ein Jahr ging er als Lehrer an die Fürstenschule Schulpforta, bevor er im September 1548 seine alte Dozententätigkeit in Leipzig wieder aufnahm und Anna, die Tochter des JoachimCAMERARIUS, heiratete. 1549 wurde R. auf Empfehlung MELANCHTHONs hin zum Rektor der Zwickauer Schule ernannt und blieb in diesem Amt bis September 1557. Der andauernde Konflikt mit dem lutherischen Pfarrer von Zwickau, Johannes PETREIUS, führte dazu, dass R. Zwickau verließ und ab 1557 als Professor für Physik an der Universität Wittenberg tätig wurde. Neben Vorlesungen über Physik wendete sich R. in diesem Amt auch der Ethik und den lateinischen Schriftstellern zu. 1570 wurde er zum Professor für griechische Literatur ernannt. 1559 und 1570 übernahm R. das Dekanat der philosophischen Fakultät; 1562 wurde er Rektor der Universität. In der Debatte um den Wittenberger Katechismus von 1571 bezog R. in seiner Disputatio grammatica Stellung gegen SELNECKER, der die passive Übersetzung von Act 3,21 kritisiert hatte. Für den Physiker R. ist Christi menschliche Natur nach ihrer Himmelfahrt in dem topographisch bestimmbaren Raum des Himmels zu suchen und deshalb nicht mehr auf Erden präsent. Im Juni 1574 zum Torgauer Verhör bestellt, weigerte er sich darum folgerichtig, die anticalvinistischen Torgauer Artikel zu unterschreiben und floh, einer kursächsischen Strafe vorbeugend, im September nach Berlin. R. wurde Rektor der Adelsschule der böhmisch-mährischen Brüder in Eibenschitz im Znaimer Kreis. Nachdem die Gegenreformation mehrmals versucht hatte, R. aus seiner Stellung zu beseitigen, zog er 1588 zu seiner Schwester nach Nürnberg, wo er am 2. Dezember 1590 verstarb.

RGG4 7, 662

RE3 17, 191–193

Quellen

1570
Rudinger, Disputatio grammatica; ZV 14331  (Autor)
Rudinger, Disputatio grammatica; S 5519  (Autor)
Selnecker, Antwort auf die Disputatio grammatica Rudingers; R 3479  (Gegner)
Selnecker, Antwort auf die Disputatio grammatica Rudingers; R 3479  (Gegner)
1571
Selnecker, Exegema; Commonefactio; Disputatio Grammatica; Hypomnemata; De modo explorandi Sacramentarios; ZV 14333  (Gegner)

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Zitierhinweis

Rudinger, Esrom, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ae2ff0c9-0fc8-48d4-a913-fb33097398b6>. (Zugriff am 24.03.2019)

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