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Simler, Josias (auch Simmler)

GND: 11879728X

geb. 6. 11.1530 in Kappel, gest. 2.7.1576 in Zürich, ref. Prediger, Theologe und Historiker

Als Sohn des Kappeler Predigers Peter Simler, eines ehemaligen Mönchs, der durch Heinrich Bullinger für die Reformation gewonnen worden war, wuchs S. in Kappel auf, Bullinger war sein Taufpate. Er besuchte die von Huldrych Zwingli eingerichtete Lateinschule daselbst, kam 1544 nach Zürich in das Haus seines Paten und studierte dort sowie in Basel und Straßburg die Artes und Theologie. Schon 1519 beendete er sein Studium und arbeitete als Lehrer und Hilfsprediger in Zürich und umliegenden Orten. 1551 heiratete er eine Tochter Bullingers, in zweiter Ehe 1565 eine Tochter Rudolf Gwalthers. Ab 1552 wurde ihm die Professur für neutestamentliche Exegese am Carolinum übertragen; daneben war er bis 1557 Pfarrer in Zollikon, danach bis 1560 Diakon an St. Peter. 1553 reiste er als Begleiter Pietro Paolo Vergerios zum Abendmahlsgespräch nach Württemberg. 1560 wurde S. Nachfolger Theodor Biblianders und lehrte gemeinsam mit Pietro Martyr Vermigli Theologie. Als dieser 1562 starb, trat S. die alleinige Nachfolge an und übernahm die Professur für Neues Testament bis zu seinem frühen Tod. Die Mehrzahl seiner 26 gedruckten Werke besteht in theologischen Schriften. Er übersetzte Schriften Bullingers ins Lateinische, etwa die Schrift gegen die Täufer, das „Compendium Christianae Religionis“, die „Adhortatio ad ministros Verbi Dei“, die Schrift gegen Andreas Musculus „Ad septem accusationis capita responsio“. Zudem edierte er Werke Martyrs aus dem Nachlass und bereitete eine Gesamtausgabe vor, die aber nicht zustande kam. Auf Bitten der polnischen Protestanten verfasste er eine „Responsio ad Stancari librum de Trinitate et Mediatore Nostro“. Auch gegen die polnischen Antitrinitarier wie Szymon Budny und Bernardino Ochino schrieb er mehrere Werke zur Trinitätslehre. Gegen Musculus und Jakob Andreä vertrat er die Schweizer Christologie und Abendmahlslehre. Zudem verfasste er Biographien über Martyr, Gessner und Bullinger; letztere zugleich eine Geschichte der Zürcher Reformation. Neben den theologischen Schriften veröffentlichte er Werke zur Architektur, Astronomie, geographische Studien, eine erweiterte Neuausgabe von Gesners „Bibliotheca universalis“und eine historisch-politische Beschreibung der Schweiz, die bis weit ins 18. Jh. hinein als Standardwerk gedruckt wurde.

ADB, RE, RGG3, RGG4, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1186,270-280;II 1226,424-430;1227,103;III 855,282-284

Quellen

1567
Simler, Adversus Antitrinitarios; S 6498  (Autor)
1570
Simler, Scripta veterum latina de una persona et duabus naturis Jesu Christi; S 6506  (Autor)
1575
Vom Leben und Tod des ehrwürdigen und hochgelehrten Herrn Heinrich Bullingers; L 832  (Autor)

Zitierhinweis

Simler, Josias (auch Simmler), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d88c62f6-17be-4e61-84da-7fd4e8411cf3>. (Zugriff am 10.04.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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