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Stössel, Johann

GND: 128586702

geb. 23.6.1524 in Kitzingen, gest. 18.3.1576 auf der Festung Senftenberg, luth. Theologe

Schon mit 15 Jahren begann St. sein Studium in Wittenberg, erwarb nach knapp zehn Jahren am 19.2.1549 den Magistergrad und wurde wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Interim von Johann Friedrich dem Mittleren als Hofprediger nach Weimar berufen. Gemeinsam mit Maximilian Mörlin, dem Hofprediger von Coburg, führte er die Reformation in Baden-Durlach ein, wobei er schon in die Kirchenordnung scharfe Verurteilungen von Katholiken, Zwinglianern und sogar Johannes Brenz als Osiandristen aufnehmen wollte. Beim Wormser Religionsgespräch trat er mit den übrigen ernestinischen Theologen wie Theodor Schnepf und Victorin Strigel den Philippisten scharf entgegen und gehörte zu den vorzeitig abreisenden Flacianern. Im selben Jahr wurde St. Superintendent in Heldburg. 1558 nahm er an der Formulierung des Weimarer Konfutationsbuchs teil. Zusammen mit Mörlin begleitete er Johann Friedrich d.M. bei dessen Reise 1560 zu Friedrich von der Pfalz, um diesen zum Festhalten am Luthertum zu bewegen, und führte dort mit Pierre Bouquin und Thomas Erastus eine Disputation über die Abendmahlslehre. Nach der Rückkehr aus Heidelberg nahmen Mörlin und St. in den eskalierenden Konflikten zwischen Strigel und Matthias Flacius und bei dem Ausschluss des Juristen Wesenbeck vom Patenamt für den Sohn Johannes Stigels teil. Auf dem Naumburger Kolloquium 1561 handelten sie noch im Sinne Flacius’, aber nachdem St. 1561 Superintendent in Jena wurde, den Jenenser Professoren das Predigen verboten wurde und St. als Beisitzer im Konsistorium als oberster Kirchenbehörde ernannt wurde, war der Bruch mit den Flacianern offenkundig. Als Flacius und Johannes Wigand gegen die Konsistorialordnung bei St. protestierten, erhob er am Hof Klage gegen sie und leitete so den Sturz der Flacianerpartei ein. St. übernahm eine theologische Professur und führte eine Visitation durch. Dabei trat erheblicher Widerspruch zahlreicher flacianischer Pastoren gegen Strigel und seine Declaratio zutage, der meist mit Entlassung der Pastoren beendet wurde, wenn diese die Unterschrift unter St.s Superdeclaratio zur Declaratio Strigelii, dem sog. Cothurnus, verweigerten. St. Vorgehen rief scharfe Angriffe der Mansfelder hervor, auf die er mit einer Apologia antwortete. Auch Strigel selbst war mit der Superdeclaratio nicht einverstanden und verließ Jena im Herbst 1563. Im Juli 1564 wurde St. mit Hilfe des aus Wittenberg gekommenen Paul Eber zum ersten Doct. theol. der Universität Jena promoviert. Als nach dem Sturz Johann Friedrichs d.M. 1566 sein Bruder Johann Wilhelm die vertriebenen flacianischen Pastoren zurückrief, mussten die Pastoren ihr Amt aufgeben, die die Superdeclaratio unterschrieben hatten. St. Stellung an der Universität wurde unhaltbar; er soll Jena heimlich verlassen haben. St. wurde zuerst Superintendent im kurfüstlichen Mühlhausen, bald darauf in Pirna, Kirchenrat und Beichtvater des Kurfürsten August. 1570 trat er auf dem Zerbster Kolloquium für das Corpus Doctrinae Philippicum ein. Am Lebensende wurde St. seine Unterstützung für die sog. Kryptocalvinisten zum Verhängnis: Nach einer Disputation im Januar 1574 mit dem Dresdener Hofprediger Georg Listhenius über die Abendmahlslehre geriet St. in Verdacht, wurde von Listhenius beim Kurfürsten angezeigt und, nachdem er sich nicht gut verteidigt hatte, inhaftiert. Er unterschrieb zwar eine Vorlage zur Abendmahlslehre, doch wurde er nun auch noch wegen anderer Vergehen angeklagt und in Festungshaft genommen. Weitere Bekenntnisse und auch die Fürsprache der Universität Jena bewirkten nichts. Nach eineinhalb Jahren Haft und einem erneuten Verhör starb er am 18. März 1576 in Haft.

ADB, RE; RGG3, RGG4

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1232,236-241;1232,246-247;II 1272,44-49

Quellen

1560
Propositiones de Coena Domini ad disputandum in Academia Heidelbergensi; M 5900  (Autor)
1561
Quae et quam sacrosancta iura Stosselius violaverit; Q 13  (Gegner)
Von der Enturlaubung Jllyrici und Wigandi; F 1548  (Gegner)
1563
Bericht etlicher Prädikanten über ihre Vertreibung aus Thüringen; W 734  (Gegner)
1564
Promotionsdisputation Stössels; E 46  (Autor, Promovend)
1564
Apologia opposita sophisticis; S 9219  (Autor)
1565
Ad apologiam Stosselii apologia; M 5862  (Gegner)
Prediger aus Mansfeld, Responsio ad apologiam Stosselii; R 1194  (Gegner)
Westphal, Annotationes in Iohannis Stosselii modum agendi; W 2261  (Gegner)
1566
Thüringer Antwort auf die Apologie Stössels; R 1192  (Gegner)
1567
Schlüsselburg/ Schirmer, Bekenntnis; S 2926  (Gegner)
1573
Torgauer Artikel; ZV 9323  (Gegner)
Torgauer Artikel; ZV 9322  (Gegner)
Torgauer Artikel; ZV 16250  (Gegner)
Torgauer Artikel, lat.; K 2825  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2823  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2822  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2824  (Gegner)
Torgauer Artikel; K 2821  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2820  (Gegner)
1574
Torgauer Artikel; K 2819  (Gegner)

Zitierhinweis

Stössel, Johann, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b643e5a9-4762-40d4-a0cb-aee582fdb002>. (Zugriff am 10.04.2020)

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