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Schnepf, Erhard

GND: 12466833X

lutherischer Theologe. Geboren am 1. November 1495 in Heilbronn, trat S. nach Studium in Erfurt und Heidelberg 1520 in Weinsberg die erste Predigerstelle an. Im Kontext der österreichischen Maßnahmen, das Wormser Edikt durchzuführen, wurde S. bereits 1522 wieder vertrieben und fand Zuflucht bei Dietrich von Gemmingen im Kraichgau. 1523/4 trat er die Predigerstelle in der Reichsstadt Wimpfen an. 1525 unterschrieb er das Syngramma Suevicum, das Brenz gegen das symbolische Abendmahlsverständnis Oekolampads verfasst hatte. Ab 1526 war S. als Pfarrer im nassauischen Weilburg tätig und bereitete dort der Reformation den Boden. 1528 wurde er als lutherisches Gegengewicht zu Lambert von Avignon als Professor der Theologie an die Universität Marburg berufen. Als Hofprediger Philipps von Hessen begleitete S. den Landgrafen 1529 nach Speyer und 1530 nach Augsburg. Nach der Rückkehr des Herzogs Ulrich nach Württemberg berief dieser den Oberdeutschen Ambros Blarer und S. zu Reformatoren in Württemberg. Da S. sich nur unter der Bedingung bereit erklärte zu kommen, dass Blarer seiner Abendmahlslehre zustimmen sollte, wurde am 2. August 1534 die erste evangelische Konkordie auf der Grundlage eines lutherischen Kompromissvorschlags auf dem Marburger Religionsgespräch zwischen den beiden Theologen geschlossen, derzufolge eine substanz- und wesenhafte Präsenz Christi im Abendmahl definiert wurde. Am 10. September 1537 erlitt S. in der Auseinandersetzung um die Bilder eine Niederlage gegen Blarer, der deren Abschaffung erfolgreich vertreten hatte. In den Jahren 1540/41 vertrat S. Württemberg auf den Religionsgesprächen in Hagenau, Worms und Regensburg. Am 1. Februar 1544 wurde S. zum Professor der Theologie in Tübingen ernannt und lehrte dort vor allem die hebräische Sprache. Am 29. Februar 1544 wurde S. zum Doktor der Theologie promoviert und übernahm am 7. Mai die Superattendenz über das theologische Stift. Seine Opposition gegen das Interim trug ihm 1548 die Entlassung ein. Am 22. Juli 1549 trat S. die Stelle als Lehrer der hebräischen Sprache und Superintendent in Jena an und bekämpfte in dieser Funktion die Rechtfertigungslehre des Andreas Osiander sowie die calvinistische Abendmahlslehre. In die Auseinandersetzung zwischen von Amsdorf und Menius über die Frage, ob gute Werke nützlich zur Seligkeit seien, wie von Georg Major behauptet, trat S. mäßigend ein. Er zog zwar zusammen mit seinen ernestinischen Kollegen unter Protest aus dem Wormser Religionsgespräch aus, distanzierte sich aber später von diesem Verhalten. Er war ein Gegner der Zuspitzungen von flacianischer Seite und nahm so nur widerstrebend teil an der Ausarbeitung des sächsischen Konfutationsbuches, durch das die Spannungen zwischen Flacius und Strigel beigelegt werden sollten, verstarb jedoch vor Abschluss am 1. November 1558 in Jena.

TRE 30, 233–235

RE 17, 670–674

Quellen

1551
Censurae der fürstlich sächsischen Theologen auf das Bekenntnis Osianders; ZV 10866  (Autor)
1554
Propositiones de Justificatione et de bonis operibus; S 3321  (Autor)
1555
Confessio de Eucharistia; S 3314  (Autor)
1560
Confessio Wirtembergica; W 4476  (Autor)
1574
Schnepff, Refutatio Maiorismi; S 3322  (Autor)
1576
Schnepff, Propositiones de peccato originis; ZV 13974  (Autor)
1576
Schnepff, De eucharistia; S 3316  (Autor)
Schnepff, Disputatio de unione personali; S 3295  (Autor)
1579
Bekentnis Vom heiligen Abendmahl Christi; S 3317  (Autor)

Weitere Informationen (Externe Angebote)

Zitierhinweis

Schnepf, Erhard, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d3e0c45f-41e3-4521-81c3-9a6efb43d489>. (Zugriff am 16.12.2018)

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