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Tossanus, Daniel d.Ä. (auch Toussain)

GND: 119393697

geb. 15.7.1541 in Mömpelgart/Montbeliard, gest. 10.1.1602 in Heidelberg, reformierter Theologe

Geb. als Sohn von Peter T., einem reformatorischen Prediger aus Lothringen, in der württembergischen Grafschaft Mömpelgart, studierte T. in Basel und Tübingen, dort finanziert durch ein Stipendium des württembergischen Grafen Georg. 1559 erwarb er den Grad eines Magister Artium und ging nach Paris und weiter nach Orleans, wo er Hebräisch lehrte und 1562 zum Prediger an der reformierten Gemeinde berufen wurde. Hier blieb er bis 1569, floh dann vor den Hugenotten­verfolgungen mit Teilen seiner Gemeinde nach Montargis und weiter nach Mömpelgart. Hier geriet er mit lutherischen Kollegen seines Vaters über die Ubiquitätslehre in Streit. 1571 konnte er nach Orleans zurückkehren und wurde im selben Jahr auf der Synode in La Rochelle in die Kommission zur Formulierung des Bekenntnisses gewählt, im Folgejahr präsidierte er der Synode in Sancerre. Der Bartholomäusnacht entkam er, floh nach Basel, wo ihn der Ruf als Hofprediger bei Friedrich III. nach Heidelberg erreichte. Hier stieß er, wie vor ihm schon Kaspar Olevian, auf erheblichen Widerstand bei der Einführung des reformierten Bekenntnisses in der Oberpfalz und besonders in Amberg. Nach dem Tod Friedrichs wurde T. von Ludwig VI. die Amtsausübung untersagt, er fand Aufnahme in Neustadt a. d. H. bei Pfalzgraf Johann Kasimir, der ihn zum Generalsuperintendenten ernannte. Nach Eröffnung des Casimiranums am 1.4.1578 erhielt auch T. eine Professur, blieb aber in seinem kirchlichen Amt und betreute die Gemeinde wallonischer Flüchtlinge. Nach dem Tod Kurfürst Ludwigs 1583 kehrte T. mit den Neustädter Professoren an die Universität Heidelberg zurück, wo es zu öffentlich ausgetragenen Konflikten mit den lutherischen Theologen kam. Auch eine Disputation unter Leitung von Johann Jakob Grynäus aus Basel brachte keine Beilegung. Daraufhin entließ Johann Kasimir die lutherischen Pastoren. 1584 kam es zu einer in Streitschriften ausgetragenen Polemik Jakob Andreäs und Lukas Osianders gegen die Disputation, in der T. und Grynäus scharf angegriffen wurden. In zahlreichen dogmatischen und polemischen Schriften vertrat T. als einer der profiliertesten reformierten Theologen seiner Zeit die reformierte Lehre gegenüber Lutheranern und Katholiken, aber auch Anhängern Schwenckfelds. Zudem veröffentlichte er biblische Kommentare, Predigten und erbauliche Schriften, auch in Französisch. Neben seiner Professur übte T. das Pfarramt an der Heiliggeistkirche in Heidelberg aus und war Mitglied des pfälzischen Kirchenrats; 1586 übernahm er zusätzlich noch das Amt des Superintendenten. Alle Ämter behielt er bis zu seinem Tod 1602.

ADB, BBKL

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 1279,216-220;III 925,281-291

Quellen

1574
Christliche Erinnerung von wegen jüngster Handlung; T 1686  (Autor)
Gründlicher notwendiger Beweis; T 1704  (Autor des Vorwortes, Autor)
Tossanus, Über Schwenckfeld; T 1699  (Autor des Vorwortes, Autor)
1575
Bürgermeister der Stadt Amsberg, Bekenntnis zur CA inv.; A 2174  (Gegner)
1577
Tossanus, Predigt vom Abendmahl; T 1687  (Autor)
1577
Trostschift an alle, die von den reinen Sakramenten angefochten werden; T 1741  (Autor)
1578
Cancerinus, Rettung der CA; K 2319  (Gegner)
Marbach, Widerlegung einer Trostschrift Tossani; M 901  (Gegner)
Osiander, Bericht über ein Buch des Tossanus; O 1181  (Gegner)

Zitierhinweis

Tossanus, Daniel d.Ä. (auch Toussain), in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d7d4332a-e593-4a6f-a2aa-4334013f87cf>. (Zugriff am 01.06.2020)

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