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Vergerio, Pietro Paolo

GND: 118768077

altgläubiger, später lutherischer Theologe. 1497/98 in Capodistria geboren, studierte V. bis 1521 in Padua, wo er 1518 zum Doktor der Jurisprudenz promoviert wurde. Nach praktischen Tätigkeiten in Verona, Padua und Venedig schlug er die kirchliche Laufbahn ein. Für die Jahre 1533–1535 wurde V. von Paul III. als päpstlicher Nuntius zu Ferdinand I. nach Deutschland geschickt. Bei einer Rundreise durch Deutschland kam es am 7. November 1535 zu einer Begegnung mit Luther. 1536 wurde V. Bischof von Modruš in Kroatien. Bei den Religionsgesprächen in Worms und Regensburg 1540/41 war er als französischer Delegierter vertreten und befürwortete dort ein allgemeines Konzil zur Lösung der konfessionellen Auseinandersetzungen. V. beschloss nach dem Scheitern der Religionsgespräche, sich durch ein eingehendes Studium auf die kommenden interkonfessionellen Gespräche vorzubereiten. Doch hatten in der Zwischenzeit die Intransigenten die Mehrheit innerhalb der römischen Kurie erworben. V. wurde durch Frà Bonaventura aus Zara am 13. Dezember 1544 wegen Ketzerei denunziert. Doch das Inquisitionsgericht von Venedig ließ ihn wieder frei, absolvierte ihn aber noch nicht im vollen Sinne. Der Kardinal von Santa Croce, Cervini, bediente sich dieses Mittels, um V. von der Teilnahme am Trienter Konzil abzuhalten. V. brach, tief enttäuscht von dieser Behandlung, mit der römischen Kirche. Am 3. Juli 1549 entsetzte die römische Kurie ihn seines Amtes. Doch war V. schon zwei Monate vorher aus Italien geflüchtet. Er reiste über Chur (Ende Mai 1549), Poschiavo und St. Gallen nach Basel, wo er im Dezember 1549 ankam. Im Januar 1550 nahm er den Ruf als Pfarrer in Vicosoprano an. 1553 nahm V. den Ruf des Herzogs Christoph von Württemberg als herzoglicher Rat an. In dieser Funktion nahm er Übersetzungstätigkeiten vor, führte Korrespondenzen und unternahm Reisen. So war er 1554 bei Sleidan in Straßburg, dem er wichtige und interessante Materialien für dessen Geschichtswerk lieferte, im Mai 1555 in Graubünden, um den Juristen Gribaldi für die Tübinger Fakultät zu gewinnen, 1556 und im Herbst 1559 in Polen, um die Entwicklung der evangelischen Kirche zu fördern und 1557 in Wien, um die evangelisierende Richtung Maximilians II. zu fördern. 1558 führte V. eine erfolglose Korrespondenz mit Elisabeth von England, um diese zum Abschluss eines Schutzbündnisses zwischen England und Württemberg zu gewinnen. In seiner Funktion als Württemberger Rat förderte V. die slowenische Bibelübersetzung des Primus Trubar. Im Frühjahr 1565 erkrankte V., starb am 4. Oktober und wurde in der Georgenkirche beerdigt.

RE 20, 546–550.

RGG 6, 1355.

Quellen

1548
Ein Sendbrief von dem Tode Pauli des Dritten. Epistola de morte Pauli Tertii, pontificis maximi <dt.>; V 667  (Autor)
1554
De vocabulo fidei et aliis quibusdam vocabulis explicatio ...; F 1526  (Widmungsempfänger)
1558
Dialogi Quatturo de libro Hosii; V 660  (Autor)

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Zitierhinweis

Vergerio, Pietro Paolo, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/dfd09336-d6ec-47b3-abbf-1626b9fc654e>. (Zugriff am 16.12.2018)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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