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Vermigli, Pietro Martire

GND: 118768123

geb. 8.9.1499 in Venedig, gest. 12.11.1562 in Zürich, ref. Theologe

Geboren als Sohn eines wohlhabenden Schuhmachers in Venedig, trat V. mit 15 Jahren in das Augustiner-Chorherrenkloster San Bartolomeo bei Fiesole ein und nahm 1518 den Namen des Märtyrers Peter von Verona an. Im selben Jahr wechselte er in das Kloster San Giovanni di Verdara, dessen Bibliothek gute Studienmöglichkeiten bot, und begann ein Studium an der Universität in Padua, in dem er sich der aristotelischen Philosophie, aber auch der augustinischen und thomistischen Theologie widmete. 1525 erwarb er den Doktorgrad und wurde zum Priester geweiht. Anschließend predigte er in verschiedenen Klöstern des Ordens und lernte in Bologna bei einem jüdischen Gelehrten Hebräisch. In Rom kam er 1536/37 in Kontakt mit dem reformorientierten Kardinal Gasparo Contarini, als Prior eines Klosters in Neapel 1537–40 mit Juan de Valdes. Ein erstes Predigtverbot wegen der öffentlich vertretenen Ablehnung der Fegefeuerlehre konnten römische Fürsprecher 1541 in die Versetzung nach Lucca umwandeln, wo V. mit Girolamo Zanchi und Immanuel Tremmelius zusammenarbeitete. Einer Vorladung vor das Ordenskapitel in Genua wegen eines erneuten Irrlehrevorwurfs leistete er keine Folge, sondern ging über Florenz, wo er sich mit dem ebenfalls vor der Inquisition fliehenden Bernardino Ochino zusammenschloss, in die Schweiz. In Basel erreichte ihn im Herbst 1542 der Ruf Martin Bucers, an der Straßburger Akademie die Professur für Altes Testament zu übernehmen. Nach fünf Jahren Lehrtätigkeit folgte V. Ende 1547 der Einladung Thomas Cranmers auf eine Professur in Oxfords, weil die Lage in Straßburg nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg unsicher geworden war. Hier vertrat er seine Abendmahlslehre in einer öffentlichen Disputation und beteiligte sich an den Reformbemühungen Cranmers sowie den Vorarbeiten zur Revision des Book of Common Prayer von 1552. Als nach dem Tod König Edwards VI. in England unter Königin Mary eine blutige Rekatholisierung einsetzte, sich die Lage im Reich nach dem Passauer Vertrag dagegen wieder entspannt hatte, kehrte V. zurück auf seine Professur in Straßburg. Hier kam es wegen der von ihm in voller Konsequenz vertretenen Lehre von der doppelten Prädestination zu Auseinandersetzungen mit dem Lutheraner Johannes Marbach, weshalb V. 1556 nach Zürich wechselte, wo er wiederum eine Professur für Altes Testament übernahm. Gemeinsam mit Theodor Beza nahm V. 1561 am Religionsgespräch in Poissy teil.

V. ist der vielleicht bedeutendste der italienischen Glaubensflüchtlinge (wie Ochino, Vergerio, Zanchi u.a.), die nach meist humanistischen Anfängen in Italien zu reformatorischen Positionen gelangten und deshalb ihre Heimat verlassen mussten. Er hinterließ ein umfangreiches Werk mit biblischen Kommentaren, Streitschriften, besonders zur Abendmahlslehre und zur Prädestination, und dogmatischen Erörterungen, die postum in einer Zusammenstellung als Loci communes zu einem der einflussreichsten Lehrbücher der reformierten Orthodoxie wurden.

RE, RGG3, RGG4, TRE, BBKL, LThK

Archivio Biografico Italiano (ABI): I 625,294-303; 784,30; 986,421-441; II S 86,88

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): II 1337,4-5

Jüdisches Biographisches Archiv (JBA): II 366,232

Quellen

1561
Dialogus de utraque in Christo natura; V 833  (Autor)
1561
De Trinitate & Mediatore Domino nostro; --  (Gegner)
De maiestate Christi ad dextram Dei patris, et de vera praesentia Corporis et Sanguinis eius in Coena, dt.; B 7787  (Gegner)
De maiestate Domini nostri; B 7783  (Gegner)
1562
Ein Gespräch über die beiden Naturen Christi; V 837  (Autor)
1563
Brenz, De maiestate Domini nostri; B 7784  (Gegner)
1574
Vermigli, Dialogus de utraque in Christo natura; V 836  (Autor)
1575
Hamelmann, Sententia Gregorii Nysseni de Corpore filii Dei; G 3104  (Gegner)
1579
Heshusen, Propositiones de Deo; H 3116  (Gegner)

Weitere Informationen (Externe Angebote)

Zitierhinweis

Vermigli, Pietro Martire, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f66e76b0-dcc2-438f-aade-960243ae79e0>. (Zugriff am 20.01.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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