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Selnecker, Positiones de proprietatibus Christi (VD16: S 5630)

Selnecker, Nikolaus (auf Titel)

POSITIONES
DE PROPRIETA=
TIBVS DVARVM NATV=
RARVM IN CHRISTO FILIO DEI
& Mariae virginis: & de commu=
nicatione idiomatum.
Nicolaus Selneccerus
M. D. LXVI.

Druck

Erscheinungsort
s.l.
Erscheinungsjahr
1566 (auf Titel)
Kommentar Druck
Ornament auf Titelblatt
Umfang und Format
24 Blatt 8°
VD 16-Nummer
S 5630
Bestandsnachweis HAB
919.167 Theol. (2)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Abendmahlslehre und Christologie
Kommentar
Mit diesem Druck steigt der junge Jenaer Theologieprofessor Nikolaus Selnecker 1566 ein in die aufgrund ihrer engen Verbindung mit der Abendmahlslehre besonders heftig geführte christologische Debatte um das Verständnis der Idiomenkommunikation. Wenn die Schrift Aussagen über die zweite Person der Trinität treffe, so rede sie fünf voneinander zu unterscheidenden Weisen: Sie rede 1. über die Naturen für sich betrachtet und weise ihnen ihre propria zu. Sie rede aber auch 2. über die Person in concreto durch die Idiomenkommunikation und spreche durch sie die Eigenschaften einer Natur auch der anderen zu um der hypostatischen Einheit willen. Selnecker nennt ein paar Beispiele für diese Rede: „Der Sohn Mariens ist allmächtig, Schöpfer, allgegenwärtig“, „Gott ist geboren, traurig, hat gelitten, ist gekreuzigt worden und gestorben.“, „Gott hat sich die Kirche erlöst durch sein Blut.“ 3. rede die Schrift zuweilen synekdochisch, indem sie einer Natur das zuweise, was der ganzen Person zukäme, wie „Der Same der Frau wird der Schlange den Kopf zertreten.“ oder die Rede von der Rechtfertigung durch die Gottheit Christi. Neben diesen drei Redeweisen spreche die Schrift 4. auch davon, was beiden Naturen auch in abstracto zukomme, wie „Christus lebt im Himmel.“ Und 5. würden Aussagen über das Werk Christi der Person zugeschrieben, so dass sie nicht mehr einer Natur für sich, sondern der ganzen Person Christi zu Eigen würden. Über die beiden ersten Modi sei jetzt ein großer Streit zwischen den Kirchen ausgebrochen. Aus diesem Grund möchte Selnecker ein paar Thesen über sie schreiben, um der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen. Nach einer kurzen assumptionschristologischen Grundlegung kommt Selnecker auf die Wesenseigentümlichkeiten (substantiales proprietates) zu sprechen, die in der Einigung unverletzt bestehen blieben. Der menschlichen Natur kämen so keine Eigenschaften der Gottheit in abstracto zu. Nach ihrer Auferstehung sei die menschliche Natur Christi verherrlicht worden, so dass sie jetzt über ewiges Leben verfüge, keiner Ernährung mehr bedürfe, nicht mehr sterben könne und von ständig bei Gott sei auf sichtbare Weise mit ihrem geistlichen Körper. Aufgrund der chalkedonischen Bestimmung der Unvermischtheit der beiden Naturen könne man nicht behaupten, dass die menschliche Natur die göttliche sei um umgekehrt, und dass der Idiomenaustausch in abstracto geschehe. Die menschliche Natur Christi in concreto sei zu unterscheiden von der menschlichen Natur in abstracto durch ihre Würde und Macht. Sie subsistiere im göttlichen und allmächtigen Subjekt. Nähme man eine Mitteilung der Allgegenwart an die menschliche Natur Christi in abstracto an, so würde dessen menschliche Natur aufgehoben und es bestünde nur noch eine, die göttliche Natur. Dies aber sei der bereits verdammte Irrtum des Eutyches. Die Idiomenkommunikatioin sei inhaltlich zu bestimmen als eine solche forma sermonis oder Redeweise, in der eine Eigenschaft, die exklusiv einer Natur zu Eigen sei, von der ganzen Person in concreto ausgesagt wird. So wie die beiden Naturen in der einen Person geeint seien, so kämen auch ihre Eigenschaften der einen Person in concreto zu, weil sie in einer Person miteinander geeint seien. Es sei aber nötig, von einer realen Idiomenkommunikation zu reden, damit der Mensch Christus nicht nur der Bezeichnung nach Gott heiße (wie die Arianer wollten) und damit der Gott Christus wahrhaft für unsere Sünden leide und nicht nur der Bezeichnung nach (wie die Nestorianer wollten). Die reale Idiomenkommunikation stelle eine konkrete Rede dar und vermische so die Naturen gerade nicht miteinander: Deus sei gestorben, divinitas nicht; homo sei allgegenwärtig, humanitas nicht. Die menschliche Natur sei also nicht für sich verändert, sondern sie habe aus Gnade Anteil an den ihr fremden Eigenschaften der Gottheit. Von dieser Mitteilung rede auch Mt 28,20. Selnecker hat so bereits 1566 mit seiner Rede von einer realen Idiomenkommunikation das Lager der strengen Melanchthonianer verlassen. Vier Jahre später sollte es in Anschluss an die Promotionsdisputation Selneckers in Wittenberg zu einer heftigen Auseinandersetzung um die Christologie der Wittenberger theologischen Fakultät kommen, an der auch Selnecker beteiligt war.

Zitierhinweis

Selnecker, Positiones de proprietatibus Christi, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ceb3712e-447e-4510-b528-82ce16faa43e>. (Zugriff am 28.05.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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