Bibliographie/Quellen

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Bericht gegen den Vortrag von Friedrich Staphylus (VD16: R 3040)

Rörer, Thomas (auch Rorer, Roerer) (auf Titel)

Bericht /
Auff den Vortrab
Friderici Staphyli / inn welchem ein
jeder Christ gründlich sehen kan / das
Er Staphylus denselben seinen Vortrab / wi=
der GOTT vnd sein Wort / auch alle Kirchen
der Christlichen Augspurgischen Confession /
mit grawsamen / öffentlichen / vnerhörten
Lügen und Lesterungen / ver=
menget hat.
Mit vil schönen Sprüchen vn(d) Exem
peln aus Heiliger Göttlicher Schrifft be=
weret. Gestellet / Durch
Thoman Rhörer / Pfarherrn zu
Renhartzhofen.
1. Thimoth. 1.
Etliche haben am Glauben Schiffbruch erlitten /
vndter welchen ist Hymoneus / Alexander / (vnd jtzt
Staphylus) welche ich hab dem Sathan gegeben /
das sie gezüchtiget werden / nit mehr zulestern.
ANNO, M. D. LXII.

Gegner:
Staphylus, Friedrich (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Regensburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Geißler, Heinrich (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1562 (auf Titel)
Umfang und Format
72 Bl. 4°
VD 16-Nummer
R 3040
Bestandsnachweis HAB
194. 22 Theol. (3)
Weitere Exemplare
106.1 Quod. (1)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Antikatholisch
Kommentar
Er trete gegen den hochgelehrten Staphylus an als ein David gegen Goliath, doch habe er sich mit einem Schleuderstein bewaffnet, der von den Bauleuten verworfen nun zum Eckstein geworden sei, stark genug um Gottes Feinde zu zerschmettern. Er wolle den Vortrab St.s (S ) aus Gottes Wort angreifen, um zu zeigen, daß die Religion der CA friedsam, wahrhaft und in der Schrift gegründet sei, auch wenn er einräume, daß es zu Spaltungen untereinander gekommen sei. R. weist die Angriffe St.s auf Andreae zurück und widerspricht dem Vorwurf, die Lutherischen wären für Türken, Bauernaufstände und allen Jammer verantwortlich. "So sihet man in vnser Schrfften vnd Predigten / das wir nicht allzugern zur Nothwer / gschweigen zur Auffruhr vnd Blutvergiessen geraten haben / Man besehe nur der von Magdeburg vilfeltig außschreiben / Anno im 1548.49. vnd 50. offentlich außgangen / wie sie alle Stände bitten vnnd flehen / das man sie deß laydigen Interims halben nicht solte vberziehen / noch zur billigen vnnd notgedrangten gegenwehr / verursachen / sonder vil mehr vergönnen / bey der ein mal erkanter Warheit zuuerharren." R. verteidigt Luther gegen den Vorwurf, zu Ungehorsam geraten zu haben, und grenzt ihn dabei von Müntzer ab. Inhaltliche Argumente wechseln in der Schrift mit persönlichen Invektiven (Kain, Judas, Julian Apostata etc.) und Verhöhnungen, etwa, daß in St.s Haus in Ingolstadt der Geist der Konkubine Johann Ecks umgehe. Ausführlicher setzt sich R., wie vor ihm schon Andreae, mit der Forderung von St. auseinander, den Laien nicht die Lektüre der vollständigen Bibel zu gestatten. Gegen St.s Berufung auf den katholischen Glauben stellt R. den Anspruch, selbst den eigentlich katholischen Glauben zu vertreten. Besonders umfangreich sind R.s Antworten auf den Vorwurf des Streits innerhalb der Lutheraner. St. denke, nun habe er sie erwischt könne sie damit bei den hohen und niederen Ständen verhaßt machen. Doch sei der Streit noch kein Grund, alle Streitenden zu verdammen, sondern nur den Irrtum als solchen, etwa den Zwinglis, Schwenckfelds, die Meinung der Täufer und der letzte Ratschlag Melanchthons gegen die Realpräsenz. Aber darum sei noch nicht verdammt, was andere oder sie selbst von dieser Materie schriftgemäß geschrieben hätten. Das gleiche gelte in anderen Punkten für die Lehren der Majoristen, Osiandristen, Adiaphoristen oder Freiwillisten(!). Zum Beleg führt R. zahlreiche biblische Beispiele an, daß ein einzelner Streit nicht zur Verwerfung der ganzen Lehre führe. Zugleich plädiert er dafür, die innerlutherischen Streitigkeiten, auch wenn viele ihrer überdrüssig seien, nicht einfach zu verbieten, denn damit würden auch die Vertreter der Wahrheit unterdrückt. Luther werde von Staphylus zu Unrecht dafür getadelt, zu scharf gewesen zu sein, vielmehr sei es nötig, scharf für die Wahrheit zu streiten und die Widerspenstigen zu ermahnen. Wenn Osiander und Major auf die Ermahnung gehört hätten, wäre vielleicht nicht soviel Ärgernis entstanden. Außerdem habe Streit an sich durchaus auch seine Berechtigung und dürfe zudem nicht von einem kritisiert werden, der zu einer Kirche abgefallen sei, die selber seit fünf Jahrhunderten die wahre Kirche verlassen habe. Weitere Abschnitte widmen sich der Sakramentslehre, dem Ehestand und der Priesterehe, wo R. als Mönch, der geheiratet hat, autobiographischen Passagen einflicht. Auf die Vorhersage St.s, die lutherische Lehre werde untergehen, weil die Lutherischen uneins seien, antwortet R.: wenn nicht die Papisten und der Antichrist entgegen stünden, hätte sich die Lehre auch schon in Italien, Spanien, Böhmen, Bayern etc. ausgebreitet. Andere Länder wie Dänemark und England seien zum Teil wieder verloren gegangen. Wenn die Selbstzerstörung der Lutherischen bevorstehe, warum würden sie dann von der Inquisition so verfolgt? Viel mehr müsse sich St. um den Bestand des Papsttums sorgen. Dem Vorwurf, daß die CA vom unbeständigen Melanchthon verfaßt sei, begegnet R. nicht etwa mit einer Ehrenrettung für M., sondern mit dem Verweis, daß auvch die Autoren der biblischen Bücher fehlbar gewesen seien, was aber am Wahrheitsgehalt der Schriften nichts ändere. (Im übrigen hätten die Papisten M. zu seiner Nachgiebigkeit gebracht.) Selbst wenn St., der auch ein unbeständiger sei, ein richtiges Buch schreibe, bleibe es dies um der darin enthaltenen Warheit willen. Im Fortgang der Schrift setzt sich R. u.a. mit der katholischen Schriftauslegung, den Wundern und Zeichen, der Heiligenverehrung, den Vigilien, den geistlichen Orden, der Priesterschaft und der Berufung auf die Väter aus einander. Mit beißendem Sarkasmus verurteilt er die Zustände im Papsttum und argumentiert mit zahlreichen Beispielen aus der ganzen Schrift, aber auch mit eigenen Erfahrungen. Weitere Vorwürfe St.s über die Unordnung in den lutherischen Kirchen, die auf Luthers Lehre zurückzuführen sei, kontert R. mit der Unordnung in der päpstlichen Kirche, die er auch als cakolische bezeichnet. Er weist auch die Forderung zurück, die Lutherischen sollten die Absonderung beenden und sich wieder der allgemeinen Kirche anschließen. Es hänge nicht am Namen, und auf päpstlicher Seite gebe es ebenso die Franziskaner, Benediktiner und Jesu Wider. Die Bezeichnung lutherisch stamme von einem Papst und sei als Scheltwort gemeint gewesen. Man wisse wohl, daß man na 1Kor 3 nicht an Luther glaube, sonder er ein Diener sei, durch den man gläubig geworden sei. Deswegen sei der Name unnötig. Abschließend schreibt R., es seien noch mehr Punkte in St.s Vortrab zu kritisieren, aber er warte auf einen Nachtrab. Der Leser solle nach Gottes Wort erwägen, inwiefern St. von der rechten Lehre abgefallen sei.

Zitierhinweis

Bericht gegen den Vortrag von Friedrich Staphylus, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/bc04937a-828f-47f6-b1a7-37cf432ac9b2>. (Zugriff am 13.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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