Bibliographie/Quellen

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Tafel oder Richtschnur (VD16: W 2881)

Wigand, Johannes (auf Titel)

Tafel oder Richtschnur:
jrrige meinung in der Christlichen Kir=
chen recht zu vrteilen / Allen Chri=
sten bey verlust der Göttlichen
warheit nötig zu
wissen.
Johannes Wigand.

Gegner:
Osiander, Andreas (aus Text oder Kolophon) ; Major, Georg (aus Text oder Kolophon) ; Schwenckfeld von Ossig, Caspar (aus Text oder Kolophon) ; Zwingli, Huldrych (aus Text oder Kolophon) ; Adiaphoristen (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Kirchner, Timotheus (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (erschlossen)
Umfang und Format
4 Bl. 4°
VD 16-Nummer
W 2881
Bestandsnachweis HAB
500.10 Theol. (4)
Weitere Exemplare
125. 21 Quod. (17); Yv 1620.8º Helmst.; H 139A.4º Helmst. (18); Yv 1807.8º Helmst.; Di 176 (7); 280.9 Theol. (5); 283.27 Theol. (1)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Allgemeiner Druck
Kommentar
Als Richtschnur, nach der irrige Meinungen in der Kirche zu beurteilen seien, formuliert Wigand ein Bekenntnis derjenigen, die "der Euangelischen Lere zugethan": Man nehme an und bekenne die Schrift der Propheten und Apostel, das Apostolicum, Athanasicum und Nicaenum und die CA ("und wollen ewig, da helffe vns Gott zu, nicht daruon abweichen"). Man verdamme alle Lehre, die mit der CA nicht übereinstimme. Diese Regel hätten auch die Evangelischen Beteiligten in Worms in ihrem Abschied (S 5144) formuliert. Diese Regel sei recht, richtig und gewiß, da die CA aus dem göttlichen Wort herfließe, wie ausreichend belegt sei. Stand diese Regel unter der Überschrift "Maior Syllogismi", so ist der folgende Abschnitt zum "Brauch der Regel" gleich mit drei weiteren Überschriften versehen: "TO KRINOMENON. Minor. Applicatio." Eine Richtschnur sei nur etwas wert, wenn sie auch angewandt werde. Ihre Anwendung bestehe darin, die gegenwärtigen Lehren und den Streit darüber nach dieser Richtschnur zu beurteilen, also die Artikel, die im Druck verbreitet und in der Kirche ausgesät werden, auf ihre Übereinstimmung zu prüfen. Dazu habe jeder Christ Macht, Recht und Befehl und auch fordere es sein Gewissen. "Vnd ist in Gottes Namen die applicierung vnd brauch der Regel dieser": Die Lehre und Praxis der Papisten sei wider die Schrift, den Katechismus und die CA, "welches wir Euangelischen klar aus der Schrifft bewiesen haben vnd noch teglich beweisen." Die Abendmahlslehre der Zwinglianer, die Brot und Wein nur als Zeichen betrachteten, sei gegen Gottes Wort, nämlich die Einsetzungsworte, "Da saget er nicht von zeichen oder bedeutungen", und gegen CA und AC 10. Dort werde nicht nur de affectu aut virtute geredet, sondern auch von der Realpräsenz. Daß das die Meinung der CA gewesen sei, bezeuge auch Luther in seinen Schriften, in denen er eine Widerlegung der "Zwingler" als ein teures Pfand hinterlassen habe. Auch Melanchthon habe immer mit Luther diese Lehre erklärt, zuletzt "in seinem Examine" (Examen ordinandorum M 3924, 1554). Die Lehre Schwenckfelds, daß der Glaube nicht durch das Wort "als einen todten buchstaben" gegeben werde, sei – zu schweigen von seinen anderen Lehren – gegen Gottes Wort (Jes 45, Röm 10). Der Glaube komme aus der Predigt, die Predigt aus dem Wort Gottes, und so sei Sch. wider die CA. Die Lehre der Antinomer, man solle die Christen nicht das Gesetz, sondern nur das Evangelium lehren, und man dürfe frei sündigen ohne Verlust der Seligkeit sei Gottes Wort (Röm 3, Röm 7, Lk 24) und CA zuwider. Die Lehre der Osiandristen, "als sollte nicht das Blut verdienst vnd volkomener gehorsam Jesu Christi vnser gerechtigkeit sein" sei wider Gottes Wort (Röm 5, Röm 8) und CA und AC 4 (imputatio iustitiae). Während Schwenckfeld und die Antinomer jeweils mit wenige Zeilen abgehandelt werden, erfährt Osiander ausführlichere Würdigung: Nach langen Zitaten aus Schrift und CA erfolgt noch der Hinweis, daß auch die Universität Wittenberg und Melanchthon in gedruckten Schriften, die Nürnberger, Magdeburger, Hansestädter und die Preußen nach O.s Tod seine Lehre verdammt hätten, aber es gebe immer noch etliche Prediger, die dort diesem Irrtum anhingen. Die Lehre der Adiaphoristen "als köndte man sich wol in der Lere oder ja nur in Caeremonien mit den Papisten vergleichen, damit sie vns nicht verfolgen, vnd je neher dem Bapst je besser es sey." sei wider Gottes Wort (I Kor 10; I Thess 5; II Kor 6; Jes 52; Apk 18) und gegen die CA, "welche setzet die Lere vorher, darnach die Caeremonien, vnd stehet aldar nicht das man sich mit den Papisten vereinigen möge, weil sie die reine Lere anfechten vnd verfolgen". Es sei die Regel Luthers und der CA-Verwandten gewesen, "man solle sich mit den Papisten in den Ceremonien nicht ehe vergleichen, sie weren denn zuuor in der lehr mit vns eins." Die Lehre der Majoristen – hier gibt W. die drei bekannten Aussagen zur Qualifizierung wieder – stehe Gottes Wort (Eph 2, Röm 4, Apg 4 und 10, Tit 4) entgegen, zudem CA 4. Zitiert wird dann allerdings ausführlich AC 4, und dann gefolgert, daß die CA nicht wie die Majoristen lehre, sondern das Vertrauen auf eigene Werke verdamme. "Wenn es aber vnmüglich ist one gute werck selig zu werden, wie Maior schreibet, so mus man warlich auch fast vnsere gute werck in der sachen der seligkeit für Gottes gericht stehen vnd sehen. Solches heisset die Augspurgische bekentnis gar in einen hauffen gerissen." Darüber hinaus würden solche Propositionen auch von den Papisten, den Löwener Sophisten und dem Interim vertreten, während Luther sie verdammt habe – wofür ein langes Zitat aus der Freiheitsschrift (WA 7, 28, 19-26) angeführt wird. Auch die Hansestädte, die Eisenacher Synode, die Mansfelder, Nordhäuser und andere mehr hätten Majors Aussagen verdammt; Melanchthon habe verhindert, daß der Sermon von Paulis Bekehrung, "welcher das lange Comment genennet wird", in Wittenberg gedruckt werde. Majors Lehre tilge auch die Unterschiedung von Gesetz und Evangelium und mache die Gewissen von ihrer Seligkeit ungewiß."Man schleppet wol die rede auff die werck, aber die werck sind früchte des glaubens. Derwegen sol man die werck nicht in die seligkeit einmengen, vnd ist nicht ein geringer betrug sagen, man werde one werck selig, Vnd bald darauff: Gute werck sind nötig zur seligkeit, das es vnmüglich, one dieselbern selig zu werden. Denn was im foddersten gebawet ist, das wird im folgenden wider eingerissen". Diese Anwendung der Regel, schließt Wigand, habe er "keinem zu verdries", sondern nur um den Einfältigen damit zu dienen aufgezeigt. "Den von öffentlichen schwebenden vnd schadhafftigen jrthümen solten ja billich die gewissen zu vnterrichten alle trewe Lerer klaren bericht thun."

Zitierhinweis

Tafel oder Richtschnur, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f7c3f267-51ae-4c76-a0c9-1216788aa605>. (Zugriff am 14.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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