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Abschied der Gesandten Augsburgischer Konfession zum Colloquio in Worms, Scriptum Collocutorum, dt. (VD16: S 5144)

Melanchthon, Philipp (aus Text oder Kolophon)

Abshiedt
Der gesandten Aug=
spurgischer Confession / zum Col=
loquio in Wormbs / welche so lang
allda verharret / biß die Wi=
dersacher / nicht haben wey=
ter darinn Procediern
wöllen / Anno:
M. D. L Vij.

Druck

Erscheinungsort
Frankfurt a. M. (erschlossen)
Drucker
Braubach, Peter (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1557 (auf Titel)
Umfang und Format
4 Bl. 4°
VD 16-Nummer
S 5144
Bestandsnachweis HAB
--
Weitere Exemplare
Mü SB 4ºH.ref.806(6; Mü SB 4ºH.ref.806(7; Wien NB 20.Dd.1148
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Wormser Gespräch
Kommentar
Schrift Melanchthons nach Abbruch des Wormser Religionsgesprächs, auf der letzten Seite A 4r datiert auf 1.12.1557 und unterzeichnet von den Vertretern der Augsburger Konfessionsverwandten ohne die Flacianer. Schon in der Überschrift betont Melanchthon, daß das Gespräch nicht weitergeführt werden konnte, weil die Widersacher nicht weitermachen wollten, und überspielt damit die Spaltung der protestantischen Seite. Obwohl eine freundliche Unterredung über klärungsbedürftige Fragen ohne Haß und Sophisterei wünschenswert wäre, hätten die Widersacher versucht, den Schein zu erwecken als hätten sie in allen Sachen recht, und selbst öffentliche Lügen und Abgötterei zu verteidigen. Man habe sich bemüht, auf dem Kolloquium wie es unter Gelehrten gebührt die Gründe der eigenen Lehre darzulegen, "bekantnuß zuthun", zu den Artikeln Stellung zu nehmen und das Gespräch nicht zu sabotieren. "Aber vnsere Widersacher haben mit geschwindigkeit ein trennung vnter vns gesucht, das sie ein schein hetten, das Colloquium abzuschneyden." Nachdem sie öffentlich erklärt hätten, daß sie das Gespräch nicht fortsetzen wollten, habe man schließlich eine Schrift überreicht, in der man bezeugt habe, daß "wir, die wir bey dem Colloquio verharret, inn der Lehre vnser Confession eintrechtig sind". Man habe sich zu den Schriften der Apostel und Propheten, den Symbolen und der CA bekannt und erklärt, diese Confessio auch nicht ändern zu wollen. Diese Erklärung habe man für nötig gehalten, damit "man nicht von vns felschlich außgebe, als wolten wir neue zwitracht vnd spaltungen anrichten." Deshalb erklären die Unterzeichner, "das wir alle, so vil vnser hie bliben sind zuuolführung des Colloquii, mit hertzen wünschen vnd begern, das vnsere Kirchen allenthalben fride vnd ruhe haben." Sie bekennen ihren Wunsch nach Ruhe und Eintracht in ihren Kirchen -- deutlich richten sich diese Passagen nicht an katholische Adressaten. Nur wenige Sätze nach dem ersten Bekenntnis zur Schrift und zur CA folgt nun eine weitere Erklärung, inhaltsgleich und mit fast identischen Formulierungen bis hin zur Verwerfung der Lehren, die "derselbigen Confession widerwertig sind." Noch einmal betonen sie: "das vnter vns, die wir yetzundt hie sind, in der Lehre vnser Confession keyn zwyspalt ist. Diese vnser einigkeit thun wir öffentlich yederman kund, damit inn vnsern Kirchen nicht durch vnwarhafftige bericht vnruhe erregt werde." -- Die offensichtliche Doppelung dieser Aussagen scheint auf eine unzureichende Redaktion des gedruckten Textes zurückzugehen, findet sich aber in dieser Form auch in den späteren Drucken. -- Die Autoren bitten Christus um Heilung der Wunden der Kirche. Sie appellieren an alle Menschen, die Wunden nicht zu vergrößern durch unnötiges Gezänk. Es habe immer "etlicher Leüt schwachheyt vnd fehle" gegeben und werde es immer geben. "Wenn sich nun die selbigen weysen lassen, soll man sich nicht als Feynde würgen, sondern man soll vnterscheid halten zwischen Burgern vnd Feynden, zwischen Gottsförchtigen, die vnterweysung annemen, vnd halßstarrigen verächtern, vnd soll gelindigkeit erzeigt werden gegen disen, welche gütiger vnd Christlicher vnterweysung nicht mutwilligklich widerstreben." Insgesamt berufen sie sich auf das Gebot, daß man die Kirche nicht durch unnötiges Gezänk zerstören solle (sie verweisen dazu auf Sach 9.) und rufen dazu auf "der armen Kirchen [zu] schonen, die besonder in disem schwachen, thörichten alter der Welt in sehr grosser angst vnd in grossem schmertzen ist. ... Dises sind wir, die wir hie beysammen sein, zuthun (durch Gottes gnad) willig Vnnd vnterwerfen vns dem vrteyl der Gelehrten vnd Gottsförchtigen in vnsern Kirchen. – Insgesamt erweckt die Schrift den Eindruck, mehr auf die innerprotestantische Öffentlichkeit als die katholische Seite abzuzielen. Wenigen Vorwürfen an die Katholiken über den Abbruch der Verhandlungen stehen ausführlichen Bekundungen der Eintracht gegenüber: der Eintracht derer, die das Kolloquium nicht vorher verlassen hatten.

Zitierhinweis

Abschied der Gesandten Augsburgischer Konfession zum Colloquio in Worms, Scriptum Collocutorum, dt., in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ad1495db-18b4-48dc-bf7a-bb0ab4ccd35f>. (Zugriff am 03.07.2020)

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