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Apologie des Flacius auf zwei unchristliche Schriften des Menius (VD16: F 1270)

Flacius, Matthias (auf Titel)

APOLOGIA M. Fl.
Jllyrici / auff zwo vnchristliche
Schrifften Justi Menij / Darinnen von den grewlichen
Verfelschungen der Adiaphoristerey vnd Maio=
risterey allerley nützlichs ange=
zeigt wird.
Gebessert.
D. Mart. Luther vber Genesin.
Diesen Jrrthumb glosiren sie mit einer listigen erklerung /
Denn sie sagen / Ob wir wol foddern die gute Werck als nötig
zur Seligkeit / so leren wir doch nicht / das man sich auff das
VERDJENST guter Werck verlassen sol. Dieser Teufel
ist listig gnug / Aber er richtet doch nichts mehr aus / denn das
er die Vnuerstendige / vnd die / so jrer vernunfft nachfolgen / be=
trieget. Merck Meni Lutheri vrteil vber dein Glöslin.
Jeremi. Cap. 18.
Aber sie sprechen / Kompt vnd lasst vns wider jn rathschlagen /
Denn die Priester können nicht jrren im Gesetze / Vnd die Weisen können
nicht feilen mit rathen / Vnd die Propheten können nicht vnrecht leren.
Kompt her / lasst vns jn mit der Zungen todtschlagen / vnd nichts geben
auff alle seine Rede. Aber HERR hab acht auff mich / vnd höre die
stim meiner Widersacher. Jsts recht etc.
Anno M. D. LVIII.

Gegner:
Menius, Justus (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Erfurt (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Dolgen, Merten von (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Umfang und Format
62 Bl. 4°
VD 16-Nummer
F 1270
Bestandsnachweis HAB
H 139 A (4). 4° Helmst.
Weitere Exemplare
500. 10 Theol. (6); U 146 (3)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit, Synergistischer Streit
Kommentar
In der Widmung an König Christian von Dänemark rekapituliert Flacius, mittlerweile Professor in Jena, zunächst die Streitigkeiten der letzten Jahre. Das Augsburger und Leipziger Interim, die Auseinandersetzungen um die Lehren Osianders und Schwenckfelds und der majoristische Streit hätten die Kirche im Laufe der letzten 10 Jahre schwer erschüttert. Major hätte 1556 in seiner Dispositio in Epistolam ad Romanos (M 2185) seine Irrlehre noch einmal erneuert und verschlimmert. Die Wittenberger Fakultät hätte in allen diesen Auseinandersetzungen auf das Schlimmste versagt. Gegen die Sakramentierer sei seit dem Tode Luthers keine einzige Schrift mehr veröffentlicht worden. Gegen Osiander hätten die Wittenberger viel zu spät erst literarisch Stellung bezogen. Gegen Schwenckfeld sei seinem Wissen nach überhaupt nichts veröffentlicht worden. Auch wenn die Wittenberger behaupteten, noch standhaft bei der CA geblieben zu sein, so weise doch ihr Verhalten in der Tat das Gegenteil aus. Weder die osiandrischen noch die adiaphoristischen, majoristischen und sakramentiererischen Irrtümer würden durch die Leucorea verdammt. In diesem Druck richtet sich Flacius gegen die zwei im Vorjahr gegen ihn veröffentlichten Schriften des Leipziger Theologen Justus Menius (M 4583, M 4573). Flacius schließt sein Vorwort mit der Bitte an den König von Dänemark, sich für die Erhaltung der Wahrheit einzusetzen. In der eigentlichen, umfangreichen Schrift orientiert sich Fl. vor allem an der Verantwortung (M 4583). Er rekapituliert den Verlauf der Kontroverse und weist mit Leichtigkeit in zwölf Punkten die Infragestellungen zurück, die Menius über seine Berufung erhoben hatte. Nicht ohne Stolz führt er seine Verdienste und das Lob z.B. der Hamburger Theologen auf und kehrt den Vorwurf gegen Menius. Auch weitere Vorwürfe, etwa daß er sich zum Papst aufwerfe oder undankbar gegen seine Lehrer sei, retourniert er knapp und trocken. Ein zweiter Teil der Schrift (ab F 2r) ist dem Versuch M.s gewidmet, die Adiaphoristerei und ihre Meister zu verteidigen. Hier verschärft F. den Tonfall spürbar, verwendet drei verschiedene Schriftgrößen und wiederholt eine Reihe seiner Argumente gegen die Adiaphora, wobei er auf M. Argumente eingeht und diese heftig zurückweist. Im dritten Teil (ab I 4r) handelt er von M.s Versuchen, den Vorwurf der "Majoristerei" zu entkräften. Unter Berufung auf Bücher, handschriftliche Texte und sogar Briefe M.s, die ihm vorlägen, wirft er M. grobe Unwahrheiten vor, bezichtigt ihn des Selbstwiderspruchs und zwölf Sophistereien, mit den M. seine Lehre zu beschönigen versuche. In diesem Teil der Schrift greift F. Menius mit aller Schärfe an. Er leitet über zu einer Erörterung, warum der Irrtum von der Notwendigkeit der Werke keinesfalls zu tolerieren sei (ab M 4v) in drei Gründen, wobei er M. vorhält, früher anders gelehrt zu haben. Der Schluß der Schrift widmet sich dem Kurtzen Beschaid (M 4573), mit dem M. auf den "Vortrab" F.s reagiert hatte. Hier fallen die Reaktionen auf Menius ausgesprochen schwach aus, F. behandelt die Schrift nur kursorisch und verweist auf eine bevorstehende Gegenschrift Amsdorfs (A 2345). Bis auf das Wortspiel, die Argumente des Beschaids seien zu bescheiden, ist dieser Teil der schwächste der Schrift und spürbar in Eile verfasst. Die letzte Seite ist gefüllt mit einem lateinischen Auszug eines der "Trewme Philippi" (F 1370), allerdings als "Pictura Hyenae versibus a Ph. Ratisponae Anno 1541 expressa" bezeichnet. Überhaupt fällt auf, daß F. in der ganzen Schrift Melanchthons (Vor-)Namen nie vollständig nennt.

Zitierhinweis

Apologie des Flacius auf zwei unchristliche Schriften des Menius, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/cf1ee680-a4c1-4bd0-9dc3-56106f83ec14>. (Zugriff am 02.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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