Bibliographie/Quellen

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Ausschreibung und Ermahung der Universitäten zu Wittenberg und Leipzig (VD16: W 3707)

Theologische Fakultäten der Universitäten Wittenberg und Leipzig

Ausschreiben vnd
Ermanung der beider
Vniuersiteten
Zu Wittemberg vnd Leiptzig an
alle Christliche Stende
ausgangen.
Wittemberg.
Anno M. D. LVIII.

Gegner:
Flacius, Matthias (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Drucker
Rhau, Georg (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Kommentar Druck
Rechteckiges Ornament auf Titelblatt
Umfang und Format
11 Bl. 4°
VD 16-Nummer
W 3707
Bestandsnachweis HAB
H 139B (6). 4° Helmst.
Weitere Exemplare
442.10 Theol. (8); 442.10 Theol. (6)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Mit diesem Schreiben kündigen die Universitäten Leipzig und Wittenberg (ohne Titelnennung) ihre große Verteidigungsschrift "Ex actis synodicis" (VD 16 W 3725/27) und damit erklärtermaßen eine veränderte Haltung in der publizistischen Kontroverse zum Adiaphoristischen Streit an. In gewundenen, quasiherrschaftlichen Formulierungen -- der erste Satz erstreckt sich bis zur dritten Seite -- erklären die Universitäten an alle christlichen Stände den Verlauf der Kontroverse: Flacius habe seit mehreren Jahren durch etliche seiner Schriften, die er teils und Pseudonymen, teils (nachdem es ihm gelegen kam) unter eigenem Namen habe ausgehen lassen, die Theologen der Universitäten Wittenberg und Leipzig und darüberhinaus die Kirchen und Schulen des Landes öffentlich angegriffen und sie mit mancherlei unerfindlichen Vorwürfen verleumdet. Deshalb habe er die Theologen mit allerlei Schmähungen und Lästerungen überzogen und derart übertrieben angegriffen, wie es vorher noch nie geschehen ist, wie man F.s und seines Anhangs Schriften entnehmen könne. Weil sie aber ihres Wissen F. keinen Anlaß zu diesem feindseligen Verhalten gegeben hätten, so hätten sie nicht damit rechnen können, daß F. sich jenseits aller Vernunft derart vergessen könnte, daß er nicht nur die Theologen, sondern auch die Hochschulen und Kirchen mit so offenkundiger Unwahrheit anklagen könnte, als wäre man der Dinge schuldig, die er ihnen vorwirft, ohne sie beweisen zu können. Er verfälsche und verdamme ihre Lehre, die sie doch nicht anders als nach den Schriften der Apostel und Propheten führten, wie auch aus ihren öffentlichen Schriften zu sehen. Man hätte auch nicht damit gerechnet, daß F. auf seine unbegründeten Vorwürfe Zustimmung finden würde, zumal man in solchen hochwichtigen Sachen nicht aufs Hörensagen vertrauen, sondern sich selbst aus sicheren Quellen ein Urteil bilden muß, damit man nicht an unschuldigen Leuten oder der göttlichen Wahrheit selbst schuldig wird. Deshalb habe man es bislang auch unterlassen, auf die unbegründeten Vorwürfe und falschen Bezichtigungen zu antworten, weil man gemeint habe, daß die Wahrheit offenbar sei und jeder ihre Unschuld erkennen könne. Allerdings sei nicht zu allem geschwiegen worden, sondern in einigen Fragen wahrhaftiger und beständiger Bericht getan worden, mit dem Flacius und andere hätten zufrieden sein sollen, wenn es ihnen um die Förderung der Wahrheit gegangen wäre. Auf Lästergezänk habe man sich aus verschiedenen Gründen aber nicht einlassen wollen: Weil man meinte und noch meine, daß F.s offenbare Unwahrheit keiner Widerlegung bedürfe, sondern durch die Wahrheit von selbst überwunden werde, wie es Tausende hohen und niedrigen Standes in ihren Landen täglich erleben würden, während die außerhalb Sachsens aus ihren allgemeinen Schriften erkennen könnten, daß alle Vorwürfe F.s unbegründet seien. Zweitens habe man sich nicht auf Gezänck einlassen wollen, weil es F. nicht um die Wahrheit und Erhaltung der Kirchen gehe, sondern um etwas anderes, auch wenn man nicht wisse, was. Durch solches Gezänk werde dem Evangelium und der Kirche mehr Schaden als Nutzen zugefügt. Was F. angehe, lasse man einen jeden selber urteilen. Wenn es F. um die Wahrheit gegangen wäre, hätte er nach Wittenberg kommen sollen und seine Kritik dort in einer Disputation vorbringen sollen. Es wäre nicht nötig gewesen, die Wittenberger vor anderen, die über die Dinge keinen Bericht haben, mit Unwahrheit zu beschuldigen und damit viele Kirchen zu stören. Daraus, daß F. anders gehandelt habe, seien seine Motive deutlich, es gehe ihm nur darum, die Kirchen und Schulen des Landes anrüchig zu machen. Weil man aber sehe und höre, daß das eigene Schweigen, dazu führe, das F.s Geschrei größeres Ansehen bekomme, und er behaupte, recht zu haben, weil er keine Antwort bekomme, sehe man sich gezwungen, der Verleumdung die eigene Rechtfertigung gegenüberzustellen und öffentlich zu machen. Und zwar nicht auf dem Niveau des Lästergezänk F.s und seines Anhangs. Vielmehr wolle man den Verlauf der Handlungen und die Bedenken aus Originalen, die gottlob vorhanden seien, dokumentieren und belegen, daß es ihnen immer nur um das Gedeihen von Kirche und Regiment gegangen sei. Die Dokumente würden belegen, daß F. sie ohne Grund angegriffen habe, "aus lauterm gifftigem / boshafftigem neid". Daher ergehe ihre Bitte an alle frommen Christen, F. und seinem Anhang keinen Glauben zu schenken und seine Schriften als reine Unwahrheit anzusehen, die sie auch seien. Zweitens bitte man, das Urteil erst zu fällen, wenn sie beide Seiten gehört hätten, zumal es um die Wahrheit des Evangeliums und Heil und Seligkeit gehe. Drittens bitte man, die Lehre nicht aus dem Zusammenhang gerissen, wie F. es tue, sondern in ihrer Summe und richtigen Reihenfolge zu betrachten und Urteile darüber bei den betroffenen Kirchen und Schulen einzuholen. Letztens bitte man, bei allen Angaben F.s genau zu prüfen, wie es sich mit der Sache wirklich verhalte und wie sie zu beurteilen sei. Dies alles mache man nicht um des eigenen Namens willen, sondern vor allem wegen der Wahrheit des Evangeliums. Man wolle anzeigen, daß man von allen Sachen Bericht tun werde.

Zitierhinweis

Ausschreibung und Ermahung der Universitäten zu Wittenberg und Leipzig, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a7104837-cac4-4750-9fe8-9691b953578a>. (Zugriff am 10.04.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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