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Auf das Ausschreiben der zwei Universitäten Leipzig und Wittenberg (VD16: F 1274)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Auff das ausschreiben
der zweien Vniuersiteten / vnd die Inuecti=
uam Scholasticorum / Antwort M. Fla. Jllyrici /
darin die Adiaphoristen aus jren eigen Schrifften
vnd zeugnissen / jrer grewlichen Bulerey mit der
Babylonischen Bestien vber=
wiesen werden.
Apoca. XIIII.
Vnd ein ander Engel folget nach / der Sprach / Sie ist ge=
fallen / Sie ist gefallen / Babylon die grosse Stad / Denn sie
hat mit dem wein jrer Hurerey getrencket alle Heiden.
Vnd der dritte Engel folgete diesem nach / vnd sprach mit
grosser stimme / So jemand das Thier anbetet / vnd sein Bil=
de / vnd nimpt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine
Hand / Der wird von dem wein des zorns Gottes trincken / der
eingeschencket / vnd lauter ist in seines zorns Kelch / vnd wird
gequelet werden mit fewr vnd schwefel für den heili=
gen Engeln / vnd für dem Lamb. Vnd der Rauch
jrer Qual wird auffsteigen von ewigkeit
zu ewigkeit etc.
Gedruckt zu Jhena / Durch
Thomas Rewart.
Anno M. D. LVIII.

Druck

Erscheinungsort
Jena (auf Titel)
Drucker
Rebart, Thomas (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Umfang und Format
40 Bl. 4°
VD 16-Nummer
F 1274
Bestandsnachweis HAB
329. 6 Theol. (27)
Weitere Exemplare
H 139 B (9).4° Helmst; 183.22 Theol. (3)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1558 antwortete Matthias Flacius Illyricus mit einer scharfen Streitschrift auf die im selben Jahr von den theologischen Fakultäten der Universitäten Wittenberg und Leipzig publizierte „Ausschreibung und Ermahnung der Universitäten zu Wittenberg und Leipzig“ (VD 16: W 3707), die bei Georg Rhau in Wittenberg in Druck gegangen war. Beide Beiträge gehören in den Kontext des adiaphoristischen Streits, der durch die unterschiedlichen Positionen der gnesiolutherischen Theologen um Matthias Flacius, Nikolaus Gallus und Nikolaus von Amsdorf auf der einen und dem bezüglich der Frage der Adiaphora kompromissbereiten Professorenkreis um Philipp Melanchthon, Johannes Pfeffinger und Georg Major auf der anderen Seite geprägt war. Mit der „Ausschreibung und Ermahnung“ erhoben die Wittenberger und Leipziger Theologen schwere Vorwürfe gegen Flacius, den sie beschuldigten, seit Jahren durch verschiedene Pamphlete die Wittenberger Theologen und ihre Lehren geschmäht und durch viele falsche und theologisch schlecht begründete Argumente attackiert zu haben. Im Kern verdichten sich die Wittenberger Vorhaltungen gegenüber Flacius zu dem Vorwurf, innerhalb der evangelischen Christenheit spalterisch tätig zu sein und Ansichten zu verbreiten, die den an der Lehre der Apostel orientierten Standpunkten der rechtgläubigen Wittenberger Professoren zuwider liefen; sie wichen damit insgesamt vom Evangelium und wahrem Christentum ab. Zu diesen Vorwürfen nahm Flacius durch den vorliegenden Druck während der zweiten Jahreshälfte 1558 Stellung, den er noch im gleichen Jahr bei Thomas Rewart in Jena erscheinen ließ. Flacius begründet seine Verteidigungsschrift wie folgt: Man werfe ihm von Wittenberger Seite vor, er habe die richtige Lehre vom Evangelium verfälscht, weiche von der Wahrheit ab und lasse sich mit dem Antichristen ein. Der Text der beiden Wittenberger Fakultäten lasse jedoch unverkennbar die Handschrift adiaphoristischer Theologen erkennen, die durch ihre Auslegungen und Publikationen die Herzen und Sinne christlicher Gläubiger vernebelten, wodurch er, Flacius, sich nunmehr veranlasst sehe, erneut richtig stellend zu antworten. Vielmehr stecke der Satan selbst hinter derartigen Schriften der Adiaphoristen, wie Flacius seine Gegner um Melanchthon, Pfeffinger und Major bezeichnet, denn die Festschreibung der Adiaphora als für sämtliche Christen obligatorische Bestandteile von Liturgie und religiösem Leben diene einzig und allein der antichristlichen Verwässerung der reinen Lehre und arbeite letztlich direkt den Feinden der wahren Kirche Jesu Christi in die Hände. Hierbei dürften Anspielungen auf die angeblichen Verbindungen zwischen den kompromissbereiten Theologen um Melanchthon und altgläubigen Akteuren im Reich – man denke an die kaiserliche Führungsschicht um Ferdinand I. – durchaus mitgespielt haben. Vielmehr verbreiteten die Wittenberger und Leipziger Theologen Lügen und Verleumdungen gegen ihn, Flacius, und scheuten sich nicht, in Gestalt der durch das Augsburger bzw. Leipziger Interim festgeschriebenen Adiaphora unbiblische, d.h. nicht schriftgemäße Zeremonien und Praktiken in die christliche Kirche einführen bzw. revitalisieren zu wollen. Flacius nennt auch direkt einzelne an der Streitkultur beteiligte Persönlichkeiten: Nikolaus von Amsdorf sieht er auf seiner eigenen Seite stehend, während er insbesondere Georg Major als „grimmigen Gegner“ ansieht. Der eigentliche Kern der Debatte dreht sich auch in diesem Druck um die Grundsatzfrage des adiaphoristischen Streitkreises: Inwieweit ist eine mehr oder minder für alle obligatorische Festschreibung per se eigentlich freigestellter und ethisch-soteriologisch „wertneutraler“ Mitteldinge (Adiaphora) innerhalb einer christlichen Gemeinschaft vertretbar, ohne dass dadurch die Schriftbezogenheit und Rechtgläubigkeit dieser Glaubensgemeinschaft im Sinne der evangelischen Lehre und reformatorischen Grundausrichtung in Mitleidenschaft gezogen wird? Hierbei waren die Positionen der Gnesiolutheraner auf der einen und der kompromissoffenen Theologen um Melanchthon auf der anderen Seite offenbar grundsätzlich nicht mit einander vereinbar, was sich in dem regen Austausch teils stark polemischer und mit persönlichen Angriffen gespickter Streitschriften in den Jahren 1548 bis 1558 niederschlägt.

Zitierhinweis

Auf das Ausschreiben der zwei Universitäten Leipzig und Wittenberg, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a8b8d065-ace2-46e2-a949-aacfbbdc3f4e>. (Zugriff am 06.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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