Bibliographie/Quellen

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Responsio de libro professorum Wittenbergensium data ecclesiae ... <dt.> (VD16: G 290)

Gallus, Johannes (auf Titel)

Antwort /
Von dem bösen zorni=
gen Buch der Professorn zu Wittem=
berg / an die liebe Kirche / das sie vrteile vnd ver=
siehe / Was vnd wieuil sie dise sachen in
gemein / vnnd einen jeden Christen
in sonderheit angehen.
Durch Nic. Gallum.
Matth. xxiiij.
Wo ein Aß ist da samlen sich die Adler.
Syrach xxvij.
Die Vögel gesellen sich zu ihres gleichen /
Also helt sich die Warheit zu denen / die jr
gehorchen.
Gedruckt zu Regenspurg / durch
Heinrichen Geißler.
Anno / M. D. Ljx.

Gegner:
Theolgische Fakultät Wittenberg (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Regensburg (auf Titel)
Drucker
Geißler, Heinrich (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1559 (auf Titel)
Umfang und Format
12 Blatt 4°
VD 16-Nummer
G 290
Bestandsnachweis HAB
C 229.4° Helmst. (7)
Weitere Exemplare
183.22 Theol. (5); 500.10 Theol. (2)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1559 ließ der gnesiolutherische Theologe Nicolaus Gallus in der Regensburger Offizin Heinrich Geißlers einen gegen die Wittenberger Theologen seiner Zeit gerichteten Traktat in Druck gehen, in welchem er auf sehr streitbare Weise auf Publikationen antwortete, die zuvor durch die Wittenberger Professoren während der Jahre 1558 und 1559 veröffentlicht worden waren. Insbesondere hatte Gallus hierbei die beiden Wittenberger Schriften „Antwort der Schloasticorum zu Wittemberg. Auff die jtzt vnd vor offt widerholten gifftigen, falschen vnd erlogenen lesterungen Flacij“ aus dem Jahre 1558 sowie den „Gründlichen und wahrhafftigen Bericht“ von 1559 vor Augen, welche beide die vermittelnde Wittenberger Position in der Frage der Adiaphora, d.h. der nicht bekenntnis- und heilsrelevanten, ethisch wertneutralen „Mitteldinge“, verteidigten und sich zudem dezidiert gegen die schroffen Positionen des Matthias Flacius Illyricus wendeten; wobei der direkte Auslöser für die scharfe Schrift des Gallus wohl der „Gründliche und wahrhafftige Bericht“ gewesen sein dürfte. Als kompromissloser Gegner sowohl des Augsburger als auch des so genannten „Leipziger Interims“ unterstützte Gallus die Positionen des Flacius gegenüber dem hinsichtlich der Frage der Adiaphora kompromissbereiten Theologenkreis um Philipp Melanchthon und Johannes Pfeffinger, der bereit war, mit der altgläubigen Partei im Reich bzw. mit der albertinisch-säschsischen Führungsschicht im Rahmen von Zugeständnissen, die Adiaphora betreffend, zu kooperieren, um somit den Universitätsstandort Wittenberg zu sichern und den Erfolg der Reformation per se innerhalb der wettinischen Lande nicht zu gefährden. Gallus und Flacius erblickten in einer solchen durch Ausgleichsversuche geprägten Haltung jedoch einen Verrat am Evangelium, ja am Geist der lutherischen Reformation und der Confessio Augustana von 1530 an und für sich und griffen in immer neuen Pamphleten die von ihnen als „Adiaphoristen“ bezeichneten Anhänger Melanchthons scharf an. In diesen religionspolitischen Kontext gehört auch der vorliegende Gallus-Druck von 1559. Gallus wendet sich gleich zu Beginn seiner Schrift entschieden gegen den zunächst von altgläubiger Seite unternommenen später aber seiner Ansicht nach durch die „Wittenberger Adiaphoristen“ unterstützten Versuch, dem jeweiligen Gläubigen freigestellte Mitteldinge als angeblich heilsrelevant obligatorisch in Gottesdienst und religiöses Leben einführen zu wollen. Die Mitteldinge, deren Praktizierung die Wittenberger verteidigten, seien dieselben, welche 1548 mit dem Interim auf kaiserliches Betreiben hin hatten eingeführt werden sollen. In Wirklichkeit führe eine solches, für sämtliche Gläubigen verbindlichen Beharren auf der Einführung derartiger Adiaphora direkt in die Abgötterei, da durch solches Handeln die reine Lehre von Evangelium, Glaube und Gnade verwässert würde. Den Wittenberger Theologen wird vorgeworfen, durch die vermeintlich obligatorische Einforderung der Adiaphora die sächsische Kirche in Sünde und Verwirrung gestürzt zu haben. Die Wittenberger machten sich, so Gallus, durch ihr Entgegenkommen in der Frage der Adiaphora zu Handlangern der altgläubigen Kirchenpolitik, was er als „Bäpstlerei“ bezeichnet. Letztlich unterschiede sich die Haltung der Melanchthoniten nur noch geringfügig von derjenigen der durch Gallus als „Papisten“ bezeichneten Altgläubigen. Der theologische Inhalt der Wittenberger Beiträge laufe sowohl dem Geiste Luthers als auch den Glaubensartikeln der Confessio Augustana direkt zuwider. Dass Gallus als Lesergruppen dieses Traktats breitere Schichten innerhalb des evangelischen Publikums im deutschsprachigen Raum vor Augen hatte, zeigt sich bereits dadurch, dass er diese Schrift in der Volkssprache publizieren ließ.

Zitierhinweis

Responsio de libro professorum Wittenbergensium data ecclesiae ... <dt.>, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/bddbcc08-bb9e-40ca-9598-cf83e4b15634>. (Zugriff am 25.08.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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