Bibliographie/Quellen

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Ohne Titel (VD16: A 2336)

Amsdorf (Amsdorff), Nikolaus (auf Titel)

Das die Propositio
(Gute werck sind zur Seligkeit
schedlich) ein rechte ware Christ=
liche Propositio sey / durch die
heiligen Paulum vnd Lu=
therum gelert vnd
gepredi=
get.
Niclas von Amsßdorff.
PSALM: XIIII.
Omnes declinauerunt simul inutiles facti sunt, non
est faciens bonum, nec unus quidem.
M. D. LIX.

Gegner:
Major, Georg (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Kirchner, Timotheus (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1559 (auf Titel)
Umfang und Format
9 Bl.
VD 16-Nummer
A 2336
Bestandsnachweis HAB
329.6 Theol. (33)
Weitere Exemplare
488.5 Theol. (2)
Edition
Edition geplant
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Synergistischer Streit
Kommentar
Amsdorf verwahrt sich in schriftlicher Form gegen die Kritik an seiner Aussage von der Schädlichkeit der Werke zur Seligkeit, für die er auch unter den Gegnern Majors keine Zustimmung gefunden hatte. Er stellt zu Beginn seine Schrift in den Zusammenhang der Geschichte der Reformation: Seit 39 Jahren versuche der Teufel, die reine Lehre zu unterdrücken. Nachdem nun die Proposition "Gute Werke sind vonnöten zur Seligkeit" von ihm lange Jahre bekämpft worden sei und darüber Eintracht erreicht worden sei, "daß gute werck zur seligkeit nicht von nöten weren / vnd doch einem Christenzu einem newen leben gleichwohl von nöten sind / als des Glaubens früchte / zeichen vnd zeugen", und er schon die Hoffnung gehabt habe, daß der Zwiespalt darüber ausgeglichen sei, habe der Teufel aufs neue angefangen: "nemlich / das er etliche aus den vnsern erregt / das diese Propositio (gute werck sind schedlich zur seligkeit) mir zuuerdries / vnd Georg Maior zu ehren und gefallen verdammen / dadprch die Heidnische vnd Papistische Propositio (Gute werck sind nötig zur seligkeit) wider erfür komme und erhalten werde." Es sei offenbar, daß Paulus und Luther die Propositio (schädlich) vielfach geschrieben und gelehrt und die andere verdammt hätten. Seine Gegner würden Major höher achten als Paulus und Luther, weshalb sie ihn und seine Proposition (schädlich) verdammen würden. Er wolle nun zusehen, wie es ihnen gelinge, Paulus und Luther um Majors Willen zu verdammen. In seiner anschließenden Argumentation, in der er Kernsätze parolenartig immer aufs neue wiederholt, führt er folgende Punkte an: Gott habe alles menschliche Tun, auch die Früchte des Glaubens, unter die Sünde beschlossen; angenehm seien ihm die Werke nur aus Gnade um Christus willen; an ihnen selbst seien sie verdammt und schädlich zur Seligkeit. Diese Lehre sei der Vernunft und Weisheit der Welt ein Ärgernis. Alle, die in Religionssachen lehrten, was der Vernunft gemäß ist, seien Ketzer und würden die Nötigkeit der Werke lehren und deswegen seine Proposition ablehnen. Doch da die Schrift deutlich sage, daß die Werke schädlich zur Seligkeit seien, müsse man die Juristen und Sophisten fahren lassen. Amsdorf beruft sich auf Rm 3, "Sie sind alle Sünder und mangeln des Ruhms" und schließt daraus, "Sind sie Sünder, so sind auch alle jre werck für Gott Sünde / vnd schedlich zu Seligkeit", das Pauluszitat fortschreibend. Auch Luther habe an vielen Stellen in seinen Schriften diese Proposition vertreten und auch Paulus und Christus selbst "welche eben den sinn vnd die meinung / wiewol mit anderen worten gelert und geschrieben haben." Mehrfach wiederholt Amsdorf die Ablehnung der "Hochgelarten auffgeblasen Geister" und die Aussage, daß alle Menschen Sünder und damit ihre Werke zur Seligkeit schädlich seien. Doch könne diese Aussage nicht auf die Früchte des Glaubens, sondern nur auf die Werke, mit denen der Mensch seine Seligkeit verdienen wolle, verstanden werden. Seine vorherige Aussage korrigierend, fährt Amsdorf fort, recht besehen seien auch die Früchte des Glaubens vor Gottes Gericht von Art und Natur Sünde und wären damit schädlich, wenn Gott sie sich nicht gefallen ließe. Gegen den Einwand, die Früchte des Glaubens seien weder nötig noch schädlich, wirft A. seinen Opponenten vor, nicht zu wissen, was Contraria immediata seien: Früchte des Glaubens seien zur Seligkeit nicht vonnöten, aber gehören doch zum Glauben, der die Seligkeit erlangt, als Zeichen und Zeugen des Glaubens. Die beiden Propositionen "nötig zur Seligkeit" und "schädlich zur Seligkeit" seien contraria immediata. Mittlere Werke gebe es nicht. Wenn gute Werke nicht nötig seien, seien sie schädlich und umgekehrt. Nochmals beruft sich A. auf Paulus und Luther und fragt "Wer wolt doch umb Meister Klügelings willen / von Paulus und Luthero weichen?" Nach zwei weiteren Seiten, auf denen er diese Aussagen paraphrasiert, setzt sich A. mit dem Vorwurf auseinander, seine Proposition "solt Epicurer machen", den er aber zurückweist, denn die Aussage, daß gute Werke nütz und not zu einem christlichen Leben als Früchte des Glaubens seien, werde nicht aufgegeben. "Vnd diese gerechtigkeit oder seligkeit / wir nicht durch die werck ... erhalten / sondern die werck werden durch den Glauben erhalten." Abschließend erfolgt noch einmal ein Angriff auf Georg Major und alle, die ihn nicht verurteilen wollen: Wenn Major behaupte, er könne seine Propositio verteidigen, dann folge daraus, daß er sie für wahr halte, sie aber mit Schweigen bedecken wolle -- ob das für einen Prediger angemessen sei, möge jeder selbst urteilen. Zudem werfe Major ihm und seiner Kirche vor, sie seien Antinomer, verböten gute Werke und lehrten "Turcicam barbariem". Solche furchtbaren Schmähungen müsse er erdulden, und doch würden "sie" Major beispringen und Amsdorfs Propositio verdammen, die doch Paulus und Luther gelehrt hätten, das sei der Adiaphoristische Geist. -- Deutlich spricht aus Amsdorfs Schrift die Verbitterung darüber, daß er auch von einigen seiner Mitstreiter keine Unterstützung für seine dichotomische Sicht fand.

Zitierhinweis

[Ohne Titel], in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f16d93da-85f9-4332-8611-f20fb1e7f7f6>. (Zugriff am 22.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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