Bibliographie/Quellen

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Tafel der verkehrten Lehre (VD16: G 299)

Gallus, Johannes (auf Titel)

Tafel der verkerten /
vnd gleich vmbgekerten etlicher Le=
re / bey der wahren Christlichen Augsp. Conf.
Den Christen zur warnung / vnd zum
zeugnis der warheit / gegen freun=
den vnd feinden.
Durch Nic. Gallum.
Hosea. iiij.
Wiltu Jsrael ja huren / das sich doch Juda nur
nicht auch verschulde.
Gedruckt zu Regenspurg / durch
Heinrichen Geißler.
Jm Jar / M. D. Lx.

Gegner:
Melanchthon, Philipp (aus Text oder Kolophon) ; Major, Georg (aus Text oder Kolophon) ; Calvin, Johannes (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Regensburg (auf Titel)
Drucker
Geißler, Heinrich (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1560 (auf Titel)
Umfang und Format
8 Bl. 4°
VD 16-Nummer
G 299
Bestandsnachweis HAB
183.9 Theol. (14)
Weitere Exemplare
Di 176 (2); J 173. 4° Helmst. (9); C 229. 4° Helmst. (8); 183. 22 Theol. (8); 342. 2 Theol. (10)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Abendmahlslehre und Christologie, Adiaphoristischer Streit, Allgemeiner Druck, Synergistischer Streit, Synergistischer Streit
Kommentar
Auf A 1v ein Auszug aus Ez 33, 7-9 über die Warnung an die Gottlosen. Ab A 2r die Tafel der verkehrten Lehren, beginnend mit einem Abschnitt über den Freien Willen: Gegenübergestellt werden Melanchthons Definition aus der letzten Ausgabe der Loci, daß der Mensch sich durch die Kraft des Willens zur Gnade kehren könne. Dagegen stellt Gallus die Aussage, daß Luther in de servo arbitrio dieser Definition widersprochen und sie widerlegt habe, ohne weiteren Beleg, und konstatiert dann, daß Luther und Mel. darin gespalten seien. Dann wird die Übereinstimmung von Luther mit der ganzen Schrift, der CA, ASm "und alle trewe bestendige Lehrer derselben / vnd wir mit ihnen" behauptet. Unter der Randglosse "Widerwertige Meinung" folgt die Gegenüberstellung: Die applicatio ad gratiam sei pures Gnadenwerk Gottes ohne Zutun des freien Willen des Menschen, so wie das "meritum / verdienst der Seligkeit ein pur lauter frey gnadenwerck Gottes in Christo ist / on menschliches Vermögen fürsatz und zutun seins freyen willens". Dagegen wollten Mel. und seine Anhänger nach Vernunft und Philosophie "vnd merito congrui der Papisten", die applicatio sei auch am freien Willen gelegen mit Hilfe des Geistes "Gleich wie die Papisten wöllen / Das meritum condigni / verdienst des seligkeit / sey auch an des Menschen freyen willen gelegen / inn mit oder neben dem verdienst Christi." Der folgende Abschnitt "Von guten Wercken zur seligkeit" zitiert Majors berühmten drei Aussagen aus M 1996 und stellt ihnen Luthers Galaterkommentar und seine Disputation mit Major in der Ausgabe von 1553 (L 4442) entgegen, der die Aussage samt allen ihren Glossen verwerfe. Widerum folgt die Konstatierung, daß Luthers und Majors Ansichten noch heute einander entgegenstehen und er mit Schrift etc. übereinstimme "und wir mit jhnen: Das / wie die werck nicht nötig sind zur gerechtigkeit für Gott / einigerley weise / sie also auch zur seligkeit nicht nötig sind / wie nötig sie auch sonsten sind". Polemisch unterstellt die Gegenüberstellung Major eine Aussage, die dieser wolle, auch wenn er so nicht rede: "Dargegen will Maior / ob er wol selb nit reden darff: Gute Werck sind zur gerechtigkeit nötig / dadurch wir für Gott hie gerecht werden / Das sie dennoch zur seligkeit nötig sind / Vnd ob er die wort gleich auch nicht mehr füret / oder füren wil / Weil er aber damit zuuor nicht vnrecht wil gelehrt haben / vnd sie vermeint noch zuuerteidigen / so stickt was mehrers heimlich / oder vil mehr offentlich dahinter." Der Abendmahlsabschnitt stellt Luther und Calvin gegeneinander: Calvin wird mit seiner Defensio gegen Westphal (C 301) lateinisch zitiert und dann deutsch wiedergegeben, der Leib Christi werde im Abendmahl nach der Kraft und nicht nach dem Wesen gereicht. Dagegen steht Luthers Aussage in seinem letzen Bekenntnis: Daß des Herrn Brot im Abendmahl sei sein rechter natürlicher Leib, den der Gottlose ebenso mündlich empfängt wie die Heiligen. Also seien Luther und Calvin weit geschieden Die folgende "Widerwertige meinung" stellt mit der obigen Formel der Übereinstimmung die manducatio realis, oralis und impiorum fest, Christus werde empfangen, wie er in mit und unter Brot und Wein selber wesentlich ist, nicht allein, wie er oben im Himmel ist. Calvin wolle das Gegenteil nach Maßgabe der Vernunft und zwischen Luther und Zwingli vermitteln: Christus werde allein geistlich, mit der Seele, allein vom Gläubigen empfangen, wie er oben allein im Himmel zur rechten des Vaters sitzt und herab wirkt; der wahre Leib werde nicht empfangen. "Haben etliche darauff die verdammung des Jrrthums imm x. Artickel der Augspurgischen Confession / nach erklerung der Apologia / hinweg gethan / den text auch damit wissentlich verfelscht." Der vierte Artikel widmet sich den Adiaphora und beruft sich auf die „Expositio synodica“ der Wittenberger Professoren (W 3725), worin vertreten werde, daß um Friede und Einigkeit willen "(das Creutz Christi zumeiden)" den Feinden des Evangeliums in Adiaphoris nachzugeben sei, wobei mit Adiaphora Lehre und Zeremonien erfasst seien, die nicht ausdrücklich gegen die Schrift seien. Dagegen habe Luther im Galaterkommentar geschrieben, und schon 1530 und 1537 bis hin zum Interim habe es die Haltung gegeben, wenn die Papisten das Evangelium annähmen, solle man ihnen in unnötigen Dingen aus Liebe nachgeben, aber da sie es verdammen und verfolgen, könne man ihnen weder in Lehre noch in Zeremonien nachgeben, denn das stünde gegen Glauben und Bekenntnis und würde den Wiederbeginn des Papsttums bedeuten. Aus dieser Auflistung zieht Gallus nun den Beschluß: Damit sei klar gezeigt, wie die genannten Autoren und ihre Anhänger der CA entgegenstünden und unter deren Namen sie in das Gegenteil verkehrten. Obwohl dies unmöglich zu leugnen und eine offenbare Sache sei, würden es einige Leugnen, andere nicht wahrhaben wollen und wiesen die Kritik zurück. So werde in den Kritikern die wahre CA verfolgt. Die Autoren seien den Mahnern "darüber vil feinder worden / denn allen Papisten und Rottengeistern" während gleichzeitig die Papisten den Mahnern feindlicher seien. Denn: "Den Papisten dienen sie mit dem freyen willen / Mit den guten wercken zur seligkeit / Mit dem weichen in Adiaphoris / alles noch aus vnd nach dem Augspurgischen Jnterim." In einem Nebensatz greift Gallus seine Gegner auch als Antinomer an, vertagt diesen Punkt aber. Den Sakramentierern habe man im Abendmahl nachgegeben, wo Papisten und Schwärmer mehr Beständigkeit zeigen würden als sie. Durch diesen Verrat werde die CA ausgehöhlt, bis nur noch der Name bleibe. Vor Gott könne diese Lehre in der Not nicht bestehen, die sich nur halb auf ihn, halb aber auf menschliche Vernunft gründe. "Für den menschen wirds auch die lenge so nit mit vns bestehen / Welche / do sie nur der vernunfft brauchen / vnd die nachkommene hernach gebrauchen werden / das abweichen von der ersten waren Augspurgischen Confession / aus den Lehren vnd händeln nur klar verstehen / vnd etwa gar zu starck beweisen werden." Dem zuvorzukommen habe er Thesen und Antithesen gegenübergestellt, um die Verfälscher zur Umkehr zu bewegen und den anderen die arglistige Verfälschung vor Augen zu führen. Sarkastisch fügt er an: „Den Papisten stelle ichs auch mit für / Ob sie vns vielleicht so gnedig sein wollten / vnd liebhabend der warheit / das sie allein der historien nach / auch vnterschied hielten der ersten waren Augsp. Conf. vnd verfelschung derselben.“ Sollte aber alles nichts nützen und sollten die Verfälscher halsstarrig bleiben, dann müsse man Gottes Zorn über die Deutschen erwarten, denen sein Wort entzogen werde, weil sie nicht an der Wahrheit festgehalten hätten.

Zitierhinweis

Tafel der verkehrten Lehre, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f869e7b0-4052-4f42-b94d-2ab2334d747d>. (Zugriff am 19.08.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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