Bibliographie/Quellen

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Appendix libelli adversus Interim (VD16: --)

Calvin, Johannes (aus Text oder Kolophon)

APPENDIX LIBELLI AD-
VERSVS INTERIM A-
DVLTERO-GERMANVM,
IN QVA REFVTAT IO-
ANNES CALVINVS CEN
SVRAM QVANDAM TY-
POGRAPHI IGNOTI DE
PARVVLORVM SANCTI-
FICATIONE, ET MVLIE-
BRI BAPTISMO.

Druck

Erscheinungsort
Genf (erschlossen)
Drucker
Gérard, Jean (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1550 (aus Text oder Kolophon)
Kommentar Druck
Text beginnt direkt auf Titelseite mit Holzschnittinitiale über drei Zeilen.
Umfang und Format
22 Bl. 8°
VD 16-Nummer
--
Bestandsnachweis HAB
S 99.8° Helmst. (2)
Weitere Exemplare
1166.2 Theol. (2); T 819.8° Helmst. (6)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Widerstand gegen das Augsburger Interim
Kommentar
Dieser 1550 in Genf gedruckte Traktat erscheint formal als Anhang zu den im Vorjahr ebenfalls dort erschienen drei Ausgaben des Calvin-Drucks „Interim Adultero-Germanum“, welcher zudem 1549 noch einen Raubdruck bei Michael Lotter in Magdeburg nach sich zog. Mit diesem Werk wandte sich Calvin damals explizit gegen die Sakramentsauffassung und Rechtfertigungslehre des Textes des Augsburger Interims von 1548, ging jedoch auch auf religionspolitische Fragen wie den Frieden innerhalb der christlichen Welt oder die Legitimität des kaiserlichen Religionsedikts per se ein; wobei er dem Interim theologische Rechtsmäßigkeit absprach. Noch 1549 ging ebenfalls in Genf die französischsprachige Übersetzung dieses anti-interimistischen Werkes unter dem Titel „L’ interim, c’ est à dire provision faicte sur les differens de la religion en quelques villes & pais d’ Allemagne. Avec la vraye facon de réformer l’ Eglise chrestienne, et appointer les differens qui sont en icelle“ in Druck. Der ein Jahr später gedruckte Anhang zu diesem Interim-Kommentar wandte sich nun der Problematik der Taufe und des Taufverständnisses zu und schnitt seinerseits die Fragen nach Rechtfertigungslehre, liturgischen Praktiken oder grundsätzlicher Berechtigung des Interims nicht erneut an, da diese Themen bereits innerhalb des Drucks von 1549 verhandelt worden waren. Im Rahmen des vorliegenden, lateinischsprachigen „Appendix“ wendet sich Calvin einerseits gegen anabaptistische Taufvorstellungen, geht jedoch auch auf altgläubige Positionen bezüglich der Kindertaufe ein. Er führt zunächst aus, dass die Taufe symbolisch die gnädige Annahme des Menschen durch Gott widerspiegele und darin das Heilshandeln Gottes am Menschen sichtbar werde. Hierzu sei jedoch keine menschliche Vorleistung von Nöten, wie seine anabaptistischen Gegner behaupteten, welche die Kindertaufe ablehnten und auf einer auf freier Entscheidung des mündigen Menschen beruhenden Erwachsenentaufe bestünden. Calvin rückt diese Anabaptisten in die Nähe pelagianischer Irrlehren. Der Mensch werde aber – durch die Taufhandlung versinnbildlicht – bei Gott aus Gnade angenommen, unabhängig davon, ob er sich bewusst für die Taufe entscheide oder als Kleinkind getauft werde. Das bereits mit der Taufe einsetzende Heilswirken Gottes am Menschen werde zudem im späteren Leben durch die Vergegenwärtigung der Taufe durch den Gläubigen bestätigt und in der Taufhandlung als Zeichen der Gnade Gottes versinnbildlicht. Zum Spenden der Taufe sei weder eine priesterliche Ordination – entgegen der von Calvin den altgläubigen Gegnern vorgeworfenen Position – notwendig, noch müssten z.B. Frauen oder Mütter zu Hause die Taufe als symbolische Handlung spenden, wenn beispielsweise durch den bevorstehenden Tod eines Kindes zu befürchten sei, dass dieses ohne die durch einen Geistlichen gespendete Taufe sterben müsse. Auf solche „Nottaufen“ komme es soteriologisch nicht an, denn die symbolisch zu verstehende Taufe sei keine obligatorische Voraussetzung für die Erlangung der göttlichen Gnade an sich, wenn es sich z.B. um ein religiös noch unmündiges Kleinkind handele. Dass Calvin diesen Druck in lateinischer Sprache herausgab, verdeutlicht, dass er hierbei ein theologisch gebildetes, akademisches Lesepublikum vor Augen hatte.

Zitierhinweis

Appendix libelli adversus Interim, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/fe0db009-16cc-4c6f-8de8-258b1b32aaa2>. (Zugriff am 02.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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