Bibliographie/Quellen

Zur Übersicht

2065 Quellen in dieser Liste. Sie sehen die Quelle 862.

Admonitiones de adiaphorsticis corruptelis (VD16: W 2702)

Wigand, Johannes (auf Titel) , Judex, Matthäus (auch Richter) (auf Titel)

De ADIAPHO=
RISTICIS CORRVPTE=
LIS, IN MAGNO LIBRO ACTO=
rum, Interimisticorum, sub conficto titulo pro=
fessorum Vuitebergensium aedito,
repetitis,
ADMONITIONES
M. Iohannis Vuigandi &
M. Matthaei Iudicis
Apologiae uice scriptae.
M.D. LIX.

Gegner:
Theologische Fakultät Wittenberg (erschlossen)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Kirchner, Timotheus (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1559 (auf Titel)
Kommentar Druck
Großes Ornament über der Jahreszahl. Ex. 257 Quod. mit handschriftlicher Widmung von Wigand.
Umfang und Format
20 Bl. 4°
VD 16-Nummer
W 2702
Bestandsnachweis HAB
257 Quod. (11)
Weitere Exemplare
184.27 Theol. (11)
Digitalisat
Verknüpfung zu Volltextdigitalisat - Externes Angebot

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Reaktion von Wigand und Judex auf die Schrift De Actis Synodicis der Wittenberger (W 3725) vom vorangehenden Jahr. Im syllogistischen Stil werden auf der ersten Seite Propositiones über die Summa Controversiae mit den sog. Pseudoadiaphoristen gegeneinandergesetzt und bewiesen. Anschließend folgt eine Apologie von Wigand und Judex. Sie verwahren sich gegen die Vorwürfe und Verfälschungen der Wahrheit, die offen im Druck gegen sie erhoben worden seien. Es sei kein Adiaphoron, wenn Lehrer der Kirche mit falschen Vorwürfen, Dissimulation und Verschweigen reagierten, denn es gehe um die wichtigsten Dinge der Kirche. Man sei in dem jüngsten, ohne genaue Namensangabe illegitim veröffentlichten Buch vielfach als Apostaten neben anderen offen angegriffen worden. Deshalb wolle man hier Bekenntnis ablegen vor Gott und seiner Kirche und ihm das Urteil überlassen. Man wolle nicht die Autorität von Personen infragestellen, sondern sie durch die Entfernung der bösen Lehren sichern und nicht Akademien verfolgen, sondern von Korruptelen befreien, damit die Lehre blühe und die Kirchen nicht verstören, sondern glücklicher machen. Zwei Punkten müssen man vor allem wiedersprechen: Der Behauptung, daß keine Corruptelen bei den Interimistischen und Pseudoadiaphoristischen Handlungen vorgefallen seien, und zweitens der Aussage, daß die kritisierten Corruptelen eigentlich keine Corruptelen gewesen seien. Anschließend gehen die Autoren anhand der Artikelgliederung der Wittenberger Schrift vor und zeigen die Corruptelen im Detail auf. Sie greifen einzelne Aussagen auf, belegen, wer sie tatsächlich verwendet habe und anschließend, warum die Corruptelen seien. Im Artikel über die Rechtfertigung etwa am Wort "praecipue", das sie als Verfälschung des sola fide kritisieren. Das Festhalten an paulinischen Aussagen sei gerade im Konflikt mit den Papisten entscheidend gewesen und zweideutige Wörter seien unbedingt zu vermeiden, zumal die Papisten solche Formulierungen zur Verteidigung ihrer Fehler nutzen würden. Weiterhin halten sie den Artikel von der Notwendigkeit guter Werke zum Heil oder zur Gerechtigkeit für eine Corruptele. Sie verweisen dabei mit Seitenangabe auf das Vorkommen dieser Propositio in den Actis Adiaphoristicis und führen auch alte Zitate Majors dafür an. Es sei durchaus kein Adiaphoron, zweideutige Artikel in der Sprache des Antichrists zu formulieren, und schlimmer noch, diese öffentlich zu verteidigen. Die Autoren verurteilen unter Verweis auf Luther jede Verwendung dieser "periculosa et perinciosa paradoxa", denn die schlimmen Folgen wären nicht einzudämmen. Beim Artikel von der Rechtfertigung seien Corruptelen oder die Möglichkeit dazu schon angelegt, wenn man auf die Partikel "sola" verzichten wolle, vor allem im Gespräch mit den Papisten. Weiterhin verurteilen die Autoren den Artikel der "imputatio meritit et oboedientia Christi" in der Rechtfertigungslehre, den Major und ein gewisser Osiandrist vertreten hätten, was ebenfalls eine Corruptele sei oder dazu führen könne. Im Artikel vom Evangelium verurteilen sie die Vermischung von der Predigt des Evangeliums und der Bußpredigt, ohne jedoch einen Vertreter dieser Lehre namentlich zu nennen. Im Artikel von der Kirche kritisieren die Autoren die Anerkennung des Primats des Papstes, sebst wenn dieser die wahre Lehre übernähme. Sie verurteilen die Rolle des Papstes als politischer Herrscher und den Anspruch auf Oberhoheit über andere Bischöfe. Zudem habe Luther den Papst als den Antichrist identifiziert. Wenn er anfangs auch an eine mögliche Bekehrung des Papsts zur wahren Lehre geglaubt habe, so habe er später seine Meinung geändert. So bleibe es eine Corruptele, den Primat des Bischofs von Rom in der wahren Kirche beizubehalten. Zum Artikel von den Adiaphora bedienen sich die Autoren einer umfangreichen syllogistischen Argumentation, von der sie sagen, sie sei direkt aus dem Werk der Gegner übernommen, bestehend aus dem Obersatz, "wer in den Adiaphora nachgibt aber die notwendigen Dinge bewahrt, sündigt nicht", und dem Untersatz "Die angeblichen Adiaphoristen haben bei den Adiaphora nachgegeben, aber die Substanz der Religion bewahrt" und der conclusio "ergo non peccarunt nec argui debent." Dazu erklären die Autoren, daß der Obersatz der Präzisierung bedürfe mit der Formel von Flacius, daß es in Zeiten der Verfolgung und des Bekennens durchaus verboten sei, Konzessionen oder Veränderungen in an sich freien Dingen vorzunehmen, und belegen diese Aussage ausführlich aus der Schrift. Sie fordern die Gegner auf, sie zu wiederlegen. Zudem bestreiten sie ihren Gegnern den Untersatz, sie hätten bei den Adiaphora die Hauptartikel der Lehre nicht in Frage gestellt, sondern nur Änderungen Mitteldingen zugestanden. Vielmehr habe Luther weder die Notwendigkeit der guten Werke zum Heil gelehrt, noch eine Versöhnung mit dem Papst für möglich gehalten. In diesen Punkten hätten die Adiaphoristen sehr wohl ihre Lehre geändert, und sogar in Punkten nachgegeben, wo es nicht nötig gewesen wäre, etwa in der Frage der Bischöfe oder bei der Ölung. Auch die Regelungen zum Taufritus mit Salz und Salbung "in conclusione Lipsica" werden von den Autoren scharf kritisiert. Sich in unnützen Bräuchen dem Papsttum anzupassen, sei durchaus kein Adiaphoron. Ähnliches gelte für den lateinischen Gesang im Kanon Missae, die Elevation und die Kaseln und Alben. Es sei ein Unterschied, ob diese "remoto scandalo" noch in Gebrauch seien, oder dem Papst zuliebe wieder eingeführt würden. So seien auch die Stundengesänge, die weder Sänger noch Hörer verstehen könnten, Mißbräuche, deren Kosten in Schulen besser investiert wären, wie auch die Ausgaben für die Kanonikerkollegien. Weitere Klagen gelten dem Salböl, den Seelmessen, dem Fronleichnamsfest und dem Fasten. Wenn es als politische Sanktion beabsichtigt sei, sollten die Magistrate den Fleischverkauf an bestimmten Tagen verbieten; zu bestimmen wer was zuhause isst, sei abgöttisch. All diese Regelungen seien keine Adiaphora, sondern dazu angetan, die Kirchen zu entehren und ihre Ordnung zu stören. Also hätten die Adiaphoristen nicht, wie sie behaupten, in kleinen und unwichtigen Dingen nachgegeben. Auch der Untersatz sei in allen Teilen widerlegt. Die Autoren ziehen somit ihren eigenen Schluß, daß das ganze syllogistische Gebäude der Adiaphoristen zusammengebrochen sei und stellen ihre eigenen Satz dagegen: Wer im Fall von Zwang, Skandal oder in casu confessionis auch nur in Kleinigkeiten sich dem offenbaren Antichrist annähert, sündigt an Gott und der Kirche. Dies sei von den Adiaphoristen getan worden. Also hätten sie gesündigt und müßten dies nicht verteidigen, sondern korrigieren. Ihre in den Actis vorgebrachten Entschuldigung seien alle nicht stichhaltig und beriefen sich zu Unrecht auf Luther. Auch seien ihre Vorwürfe gegen Flacius und andere Gegner lügenhaft. Es müßte ein Katalog ihrer sophistischen Argumente veröffentlicht werden. Über die Autoren der Wittenberger Schrift könnten Wigand und Judex wenig sagen, da sie sich hinter der allgemeinen Bezeichnung Wittenberger Professoren versteckten, obwohl sicher nicht alle Professoren die Schrift vorher gesehen und approbiert hätten. Es sei allgemeine Meinung, daß Eber der Architekt sei, doch glaube man das nicht. Vielmehr würden Gehalt und Stil der Schrift für verschiedene Autoren sprechen. Den Autoren wäre es lieber, sich nicht mit einem Niemand auseinandersetzen, sondern mit offenem Visier kämpfen zu können. Die Schrift schließt mit drei Seiten von "beispielhaften scharfsinnigen Argumenten, die von den Adiaphoristen in ihrer Schrift vorgebracht werden"; diese werden in syllogistischer Manier mit sarkastischen Conclusiones diskutiert.

Zitierhinweis

Admonitiones de adiaphorsticis corruptelis, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c7f987a6-58b3-49ac-9c27-7759db632c73>. (Zugriff am 23.09.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

Zur Übersicht