Bibliographie/Quellen

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Symphonie der Lehre Christi und des Papstes (VD16: F 1291)

Flacius, Matthias (auf Titel)

Symphonia
der Lehr oder Religion
CHristi vnd des
Bapsts.
M. F. I.
Das im newen testament / das Op=
fer fur die Sünde auffhören sol / Jer. 31.
Heb. 10.
Das ist das Testament / das ich jnen
machen wil nach diesen tagen / spricht der
Herr / Ich wil mein gesetz in jhr hertz ge=
ben / vnd in jhre sinne wil ich es schreiben
vnd jhrer Sünde / vnd jhrer vngerechtig=
keit wil ich nicht mehr gedencken / Wo a=
ber veegebung der sunde ist / da ist nicht
mehr Opffer fur die Sünde.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (erschlossen)
Drucker
Lotter, Michael (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1550 (erschlossen)
Umfang und Format
8 Bl. 8°
VD 16-Nummer
F 1291
Bestandsnachweis HAB
815.19 Theol. (3)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Antikatholisch, Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1550 ließ Matthias Flacius Illyricus bei Michael Lotter in Magdeburg eine antikatholische Streitschrift in Druck gehen, im Rahmen derer er durch die Gegenüberstellung verschiedener theologischer Aussagen, die er jeweils Christus und dem Papsttum zuschreibt, den Nachweis der Unvereinbarkeit der päpstlichen Lehre mit dem Evangelium offen zu legen beabsichtigte. Die vermeintliche Unhaltbarkeit altgläubiger Positionen versuchte Flacius auf diese Weise dem deutschsprachigen, theologisch interessierten Lesepublikum zugänglich zu machen. Ohne weitere Vorrede beginnt der Druck sogleich mit einer Textpassage, die Christi Lehre zugeschrieben wird, worauf die angebliche Gegenrede des Papstes folgt, der gleichsam eine für sämtliche Päpste stellvertretend stehende Chriffre darstellt. Im Wechselspiel folgen bis zum Ende des Textes jeweils die angeblichen Beiträge Christi und des Papsttums auf einander, wobei deutlich erkennbar ist, dass Flacius punktuell auch Elemente der paulinischen Theologie oder der reformatorischen Auslegung des Neuen Testaments unmittelbar als von Christus ausgesprochen ansieht. Durch die direkte Gegenüberstellung von Aussagen und Lehrsetzen der evangelischen, direkt auf Christus selbst zurückgeführten, Lehre einerseits und der durch unbiblische Argumentation, Anmaßung von Machtansprüchen und Verstöße gegen das Wort Gottes geprägten Auffassung der altgläubigen Seite andererseits, werden die Unterschiede zwischen beiden Ansätzen und die daraus unweigerlich dem Leser gegenüber offen zu Tage tretende Illegitimität des Papsttums drastisch hervorgehoben. So wirft Flacius – als eigentlicher Autor der Christus zugeschriebenen Passagen – dem Papsttum vor, Christus nicht als sanftmütigen Retter, sondern als zornigen Richter darzustellen, um den Gläubigen Angst vor Gott einzuflößen und auf diese Weise mit Hilfe liturgischer und religiöser Beeinflussung irdisch-materielle Macht über das Kirchenvolk zu erlangen. Das Papsttum verstehe den heilsgeschichtlich bedeutsamen Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium nicht, da es davon ausgehe, dass das Gesetz die Gläubigen zur Ableistung guter Werke animiere. Die Päpste ignorierten vielmehr den soteriologischen Zweck des Dekalogs, nämlich den Menschen die Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit aufzuzeigen und sie daraus resultierend zu der Notwendigkeit zu führen, auf die Gnade Gottes in Christo angewiesen zu sein. Somit verstellten die Päpste den Gläubigen den Weg zum Heil. Während Christus nur den Glauben an seine Worte und das mit ihm in Verbindung stehende Heilsgeschehen fordere, trügen die Päpste Flacius zufolge unbiblische Bräuche wie die Verehrung von Heiligen, das Beharren auf der vermeintlichen Wirksamkeit der apostolischen Sukzession oder den eigenen Anspruch, unfehlbares Oberhaupt der Christenheit zu sein, in die Kirche hinein. Hinzu treten die Vorwürfe, das Papsttum und die Kurie enthielten den Gläubigen das Abendmahl in beiderlei Gestalt vor oder begünstigen Hurerei und Ehebruch durch Beharren auf den (unbiblischen) Zölibat. Insgesamt illustriert dieser Text den grundsätzlichen reformatorischen Einwand, die Päpste hätten durch weltliche Hinzufügungen und menschliche Satzungen das Wort Gottes verfälscht, sowohl in der Gegenwart des 16. Jahrhunderts als auch im Rahmen der kirchengeschichtlichen Vergangenheit.

Zitierhinweis

Symphonie der Lehre Christi und des Papstes, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d36dfb52-6d9f-436f-8b9c-3d78d8f89466>. (Zugriff am 07.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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