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Christiana Admonitio de vitando Adiaphoristarum contagio (VD16: F 1297)

Flacius, Matthias (aus Text oder Kolophon)

CHRISTI=
ANA ADMONITIO
MATTHIAE FLACII ILLY-
rici de uitando impij Adiaphorista-
rum fermenti contagio, secun=
dum regulam Christi de
admonendo fratre
peccante insti-
tuta.
Matth: 18.
Si peccauerit frater tuus in te (multo
uero magis, si contra ueram pietatem & Ec-
clesiam) uade & argue eum inter te & ipsum
solum. Si te audierit lucratus es fratrem tuu(m).
Sin uero te no(n) audierit, adhibe tecum adhuc
unu(m) aut duos, ut in ore duorum aut triu(m) testi
um confutat omne uerbum. Quod si
Ecclesiam non audierit, sit tibi
uelut Ethnicus &
Publica-
nus.
1550.

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Lotter, Michael (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1550 (auf Titel)
Umfang und Format
12 Bl. 8°
VD 16-Nummer
F 1297
Bestandsnachweis HAB
Yv 361 8° Helmst. (10)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
In direkter Anrede wendet sich Flacius an den ernsthaft um die Erkenntnis der wahren Religion bemühten christlichen Leser und beginnt sofort mit dem Thema, der Verwerfung und Exkommunikation derjenigen, die durch Einhaltung von Zeremonien, wertlose Philosphie oder auf andere falsche Weisen das Evangelium korrumpieren. Mit Beispielen aus dem AT (Saul, Josaphat) belegt er, daß es auch an Gelehrsamkeit Herausragende oder von Gott erleuchtete treffen könne. Die Exkom. sei eine Mahnung an alle, sich vor Ansteckung zu hüten. Über die drei Arten von Exk. wolle er hier nichts weiter sagen. Doch mit der einst im Papsttum eingesetzten Exk. lasse sich, evangelisch verwendet, vielem Übel entgegentreten. So habe Luther Agricola gemieden, und als ihn Bugenhagen und Melanchthon um Versöhnung baten, gesagt: "Mein Herz ist ganz tot gegen ihn, und nach meinem Tod wird er euch schön bescheißen." Wenn die anderen Agricola ähnlich behandelt hätten, müßte man sich jetzt nicht mir den Beiden Seuchen Interim und Adiaphora herumschlagen. Es wäre das Beste, wenn sich die Kirche von Beginn an vor solchen hütete, vor allem angesichts der sich ausbreitenden Seuche, die jetzt auch in den Nordländern grassiere. Deshalb führe er auch diesen Kampf gegen die Adiaphoristen: nicht aus eigener Begierde oder Einsicht, sondern aus Gehorsam gegen den Befehl Christi, die für Heiden und Zöllner zu halten, die nach privater und öffentlicher Ermahnung keine Buße tun. Deshalb wolle er alle ermahnen, sich vor den Adiaphoristen zu hüten. Er habe sie oft, nicht nur privat, sondern auch öffentlich ermahnt (wobei er auf seine Apologia F 1264 verweist). Doch sie seien in ihrer Unbußfertigkeit geblieben und würde die adiaphoristischen Veränderungen gegen ihr Gewissen weiter betreiben und dem Papsttum das Fenster öffnen. Deshalb erkläre er jetzt, daß sie unbußfertig und deshal für Heiden und Zöllner zu halten seien. Man dürfe mit ihnen keinen familiären oder freundschaftlichen Umgang mehr haben. Den, der anders handele, erkläre er für angesteckt mit ihrer Krankheit. Er werde jetzt sicher Bedenken zu hören bekommen und Vorwürfe, daß er aus persönlichen Motiven handele, aber ihm seien gerechte Gründe und die Regel Christi wichtiger als epikuräische Urteile der Menschen. Ihm werde sicher auch vorgeworfen, daß er eine Aufgabe an sich reiße, die der Kirche zukomme. Auch ihm wäre es lieber, wenn die Kirche wie früher einen gemeinsamen Beschluß fasse. Er reiße aber nicht das Amt an sich, sondern ermahne nur die Frommen aus Sorge um die Erhaltung der wahren Religion. Diese Ermahnung komme auch jedem einzelnen Christen zu. Er ermahne nicht wegen seines Amtes, zumal er nicht Privatmann sei, sondern in Funktion. Er unterstütze die Auffassung, daß bei der Exk. nicht die Forderungen der Menschen, sondern Gottes zu beachten seien. So sollten die Gläubigen sich nicht fragen, ob die Adiaphoristen von der Kirche, sondern ob sie von Gott exkommuniziert seien. Wer dann die Sache richtig betrachte, werde sehen, daß die Adiaphoristen auch von der Kirche exk. seien, denn wenn alle Frommen und Einsichtigen in dieser Kontroverse sie hassen, sei deutlich, daß sie als exkommuniziert angesehen würden. Zudem seien sie schon längst vom Heiligen Geist exk., weil sie sich ganz öffentlich mit der Babylonischen Hure eingelassen hätten. Er sei sich sicher, mit seinem Schriften hinreichend bewiesen zu haben, daß die Ad. Gott erzürnt hätten. Dazu nennt er einige Beispiele und antwortet dann auf die Frage, wer denn die Adiaphoristen seien: Alle, die zu Änderungen in unserer Lehre raten, in Adiaphora oder im Interim. Dies lasse sich nicht bestreiten. Mit zahlreichen Beispielen und rhetorischem Aufwand belegt Flacius weiter seine Sache und malt das Bild der sich ausbreitenden Krankheit aus.Immer wieder warnt er davor, daß die A. die Kriche einschläfern wollten, und ruft zur Buße auf. Zusammenfassend mahnt er, daß alle, die Gottes Zorn entgehen wollten, sich von den Adiaphoristen fernhalten sollten und daß, was er von den Ad. gesagt habe, umso mehr von den Interimisten gelte: Diese seien überführte Apostaten und nichts besser als Türken und Mahometisten. Hier nimmt er eine deutliche Differenzierung zwischen Interimisten und Adiaphoristen vor.

Zitierhinweis

Christiana Admonitio de vitando Adiaphoristarum contagio, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ac3c6f18-c6e9-4cd7-ae42-5881096c6232>. (Zugriff am 06.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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