Bibliographie/Quellen

Zur Übersicht

2065 Quellen in dieser Liste. Sie sehen die Quelle 108.

Sententia ... Lutheri ... de Adiaphoris (VD16: L 3469)

Luther, Martin

SENTEN=
TIA REVERENDI VI=
ri D. M. Luth. Sanctae memoriae
de Adiaphoris ex scriptis illi=
us collecta per M. Ioachi=
mum VVestpha=
lum, Pasto=
rem in Ecclesia Hambur.
3. Regum. 18.
Vsque quo claudicatis in duas partes ? Si
Dominus est Deus, sequimini eum,
Si autem Baal, sequimini
illum.

Herausgeber:
Westphal, Joachim (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Lotter, Michael (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1549 (auf Titel)
Umfang und Format
30 Bl. 8°
VD 16-Nummer
L 3469
Bestandsnachweis HAB
G 303.8° Helmst. (10)
Weitere Exemplare
Yv 538 8° Helmst. (4); G 42a.8º Helmst. (2)
Digitalisat
Verknüpfung zu Volltextdigitalisat - Externes Angebot

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1549 ließ der aus Hamburg stammende Interimsgegner Joachim Westphal bei Michael Lotter in Magdeburg eine lateinischsprachige Kompilation von Lutherzitaten zur Problematik der Adiaphora in Druck gehen, der er einen eigenen Prolog voranstellte. Westphal hatte um 1530 bei Luther und Melanchthon in Wittenberg Theologie studiert und nach mehrjährigem Studienaufenthalt in Erfurt, Straßburg, Heidelberg und Tübingen 1541 eine Stelle als Pfarrer an St. Katharinen, einer der fünf Hauptkirchen Hamburgs, angetreten. Während der theologischen Debatten, die sich nach der Publikation des Augsburger Interims 1548 entzündeten, stellte sich Westphal entschieden gegen das kaiserliche Religionsedikt und seine Befürworter, zugleich kritisierte er in der Folge auch die Leipziger Artikel. Der vorliegende Druck gehört in die Sphäre des Streites über die Adiaphora (die nicht grundsätzlich bekenntnisrelevanten, frei gestellten Mitteldinge), wobei Westphal mit der erneuten Herausgabe verschiedener Auszüge aus unterschiedlichen Lutherschriften einerseits beabsichtigte, dem akademisch gebildeten Lesepublikum Luthers Einstellung zur Frage der Adiaphora zugänglich zu machen, andererseits aber auch die eigene theologische Position bezüglich der Adiaphora zu legitimieren. Bei den von Westphal erneut herausgegebenen Passagen aus Texten Luthers handelt es sich um Auszüge aus Briefen, Disputationen, exegetischen Kommentaren und apologetischen Schriften des Wittenberger Reformators, ergänzt durch ebenfalls selektiv ausgewählte Zitate aus den Schriften des Johannes Brenz und Philipp Melanchthons. All diese Extrakte führte Westphal im Rahmen des Drucks von 1549 zu einem chronologisch systematisierten, kompilatorischen Überblickswerk zusammen. Dem Hamburger Pfarrer zufolge nahmen die mit Herzog Moritz von Sachsen kooperierenden Theologen Luther zu Unrecht als Kronzeugen für ihre kompromissbereite Haltung in der Frage der Adiaphora in Anspruch. Die Lutherschriften liefern ihm zufolge das argumentative Werkzeug für die Unterscheidung zwischen der reinen Lehre Christi und des Evangeliums einerseits und den Irrlehren des Antichrists andererseits, letztlich also für die Abwehr von religiösen Irrtümern und antichristlichen Bestrebungen. Die Berufung auf Luthers Haltung hinsichtlich der Adiaphora ist für Westphal nur unter derjenigen Prämisse statthaft, dass zugleich die evangelische Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben und Gnade theologisch unverfälscht erhalten bleibe und dass der angeblichen Heilsrelevanz kirchlicher, letztlich altgläubiger, Traditionen eine deutliche Absage erteilt werde. Westphal zufolge darf die in den Anfängen der reformatorischen Bewegung von Luther mit Rücksicht auf die Gewissen der „Schwachen“ eingeräumte Toleranz in den Fragen der Mitteldinge nicht mit dem im Interim offenkundig werdenden Versuch Karls V. verwechselt werden, biblisch nicht begründbare religiöse Praktiken unter Androhung von Zwang als für sämtliche Christen vermeintlich heilsrelevant den evangelischen Gemeinden aufzuerlegen. Westphals Schrift zielt einerseits also deutlich gegen die kaiserliche Religionspolitik und altgläubige Positionen hinsichtlich der Adiaphora, wendet sich aber auch gegen eine Verwässerung der reinen Lehre mit Blick auf die Adiaphora durch unter angeblich legitimierendem Verweis auf frühere Lutherschriften zu Stande gekommene Zugeständnisse aus dem evangelischen Lager.

Zitierhinweis

Sententia ... Lutheri ... de Adiaphoris, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a9db825b-6e4a-4e7f-9da2-390f6890b908>. (Zugriff am 16.12.2018)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

Zur Übersicht