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Confessio Wittebergensium de libero arbitrio (VD16: C 4824)

Praetorius, Abdias (auf Titel) , Flacius, Matthias (auf Titel) , Theologen (auf Titel)

CONFES=
SIO ET SENTENTIA VVI=
TEBERGENSIVM DE LIBERO
arbitrio, cuidam Electori,
Anno M. D. LXI.
exhibita.
VNA CVM VTILIBVS
Scholijs M. Fl. Illyrici,
& Zacha: Prae=
torij.
M. D. LXI.

Herausgeber:
Flacius, Matthias (erschlossen)

Druck

Erscheinungsort
Leipzig (erschlossen)
Drucker
Bapst, Valentin (erschlossen)
Erscheinungsjahr
1561 (auf Titel)
Kommentar Druck
Blümchen auf Titelblatt
Umfang und Format
15 Blatt 8°
VD 16-Nummer
C 4824
Bestandsnachweis HAB
1003.5 Theol. (5)
Edition
Edition geplant
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Synergistischer Streit
Kommentar
Mit diesem Druck präsentiert Flacius die Stellungnahme der Wittenberger Fakultät zur Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens, die sie im Januar 1561 ihrem Kurfürsten vorgelegt hatten, versehen mit eigenen kommentierenden Scholien und einer Stellungnahme des Theologen Zacharias Praetorius. Die Wittenberger beginnen ihr Gutachten mit der Bestimmung der Hauptfrage, die darin bestehe, zu bestimmen, auf welche Weise die Bekehrung des Sünders vor Gott geschehe. Dem hält Flacius die Frage, was der natürliche freie Wille an der Bekehrung mitwirke, als Bestimmung des Streitgegenstandes entgegen. Nach Wittenberger Ansicht besteht die Hauptthese des Illyriers darin, dass der Mensch passiv bekehrt werde wie ein Baumstamm, nichts dabei mitwirke und sich widerstrebend und Gott feindlich verhalte. Dieser Wittenberger These widerspricht Flacius, indem er darauf hinweist, dass er niemals behauptet habe, dass der Mensch nichts bei seiner Bekehrung tue. Vielmehr höre der Mensch und sei geistig beteiligt. Doch helfe er nichts zu seiner Bekehrung bei. Die Begründung der Thesen des Flacius ist nach Wittenberger Lesart der Syllogismus, dass die Natur von Gott abgefallen sei, der fleischliche Sinn als Feindschaft gegen Gott zu definieren sei und der Mensch darum durch Gottes Gnade und Handeln bekehrt werden müsse. Dem hält Flacius die Betonung der Alleinwirksamkeit Gottes in der Bekehrung des Menschen entgegen, die jede Mitwirkung (synergia) des Menschen ausschließe. Nach Wittenberger Sicht behauptet Flacius, dass die Position, der Mensch wirke bei seiner Bekehrung mit, den menschlichen Stolz, Sicherheit oder die Verzweiflung fördere, dabei sei doch gerade die flacianische Position in dieser Richtung zu verstehen, könne doch keiner nach dieser Ansicht zum Glauben kommen, wenn er nicht widerstrebend dazu gezwungen werde. Dem hält Flacius entgegen, er habe nie behauptet, dass der widerstrebende Mensch bekehrt werde, sondern lediglich, dass er mit seinem fleischlichen freien Willen dem Werk Gottes widerstrebe. Gemäß dem geschenkten guten Wollen oder gemäß dem Funken des Glaubens stimme er seiner Bekehrung zu. Der Wittenberger Leugnung, die Kräfte, Würdigkeit und Verdienste des freien Willens zu vertreten, widerspricht Flacius energisch, sei doch genau dies der Streitgegenstand. Auch die Wittenberger Grundthese, dass die Verheißung der Gnade und der Sündenvergebung universal und auf alle Menschen bezogen sei wie das universale Mandat, dass alle Menschen der Verheißung glauben sollen und dass darum eine unbewegliche Ordnung bestehe, dass Gott auf keine andere Weise wirksam sei als durch die Stimme des gelesenen, gehörten, verstandenen und im Glauben angenommenen Evangeliums, hält Flacius entgegen, dass es ein Trugschluss sei, dass von einem Mandat ein Können folge. Die Wittenberger Behauptung, dass der Mensch dieser Verheißung, Mandat und göttlichen Ordnung gehorchen können müsse, wollend und ohne Zwang, dass die Zurückweisung des Wortes auf den menschlichen Willen und die Zustimmung auf die Wirksamkeit Gottes zurückzuführen sei, lehnt Flacius so konsequenter Weise ab. Es bestehe ein Widerspruch zwischen der Wittenberger Behauptung, der Mensch müsse der Verheißung Gottes entsprechen können müssen und der Behauptung, dass nicht der Mensch, sondern Gott die Bekehrung bewirke. Der ganze Glaube sei zu bestimmen als ein Geschenk Gottes. Der Glaube ist ein Verstehen des Wortes und die Zustimmung dazu. Also sei auch das Denken, Zustimmen, Wollen oder Können ein reines Geschenk Gottes und nicht auf die Mitwirkung des Menschen oder seinen freien Willen zurückzuführen. Niemals habe er davon geredet, dass der Mensch zur Bekehrung mit Gewalt durch Gott gezwungen werde. Die Bekehrung geschehe unter der Beteiligung des menschlichen Willens, der von Gott gezogen werde und das Geschenk der Annahme und des guten Wollens passiv entgegennehme. Auch Praetorius stimmt der flacianischen Benennung des Menschen als Klotz in der Bekehrung zu. Diese Bezeichnung sei adäquat, um die Passivität des Menschen in seiner Bekehrung zu beschreiben. Der Mensch verhalte sich jedoch in der Bekehrung wie ein Mensch. Doch sei in ihm nichts als Feindschaft gegen Gott zu finden und er könne die geistlichen Dinge nicht verstehen. Wer von Gott abgefallen sei, könne sich nicht aus eigenen Kräften wieder zur Gnade hinwenden, weil er ein Feind Gottes sei, der nichts beitragen könne zu seiner Bekehrung. Die ganze Natur des Menschen sei von Gott abgefallen und könne sich so nicht von sich aus wieder zu Gott hinwenden, weil die Bekehrung eine Neuschöpfung der Natur des Menschen bedeute.

Zitierhinweis

Confessio Wittebergensium de libero arbitrio, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/a7daaa42-9bd6-4c36-9165-6fafb5604d1e>. (Zugriff am 27.11.2021)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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