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Responsio ad virulentam scriptum Staphyli (VD16: M 7208)

Musculus, Andreas (auf Titel)

RESPONSIO
AD VIRVLENTAM AC MALE=
DICVM SCRIPTVM, EX MERIS CA=
lumnijs & mendacijs conflatum ,
Friderici Staphyli,
edita ab
ANDREA MVSCVLO.
ANNO 1558.
1. Ioan. 2.
E nobis egressi sunt, sed non erant ex nobis.
Nam si fuissent ex nobis, permanissent uitque no=
biscum &c.

Gegner:
Staphylus, Friedrich (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Frankfurt an der Oder (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Sciurus, Johannes (auch: Eichorn, Aichorn) (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Umfang und Format
18 Bl. 4°
VD 16-Nummer
M 7208
Bestandsnachweis HAB
312.11 Theol. (1)
Weitere Exemplare
G 110.4° Helmst. (2) unvollst. Ex.; 173.3 Quod. (5); 329.6 Theol. (32)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Abendmahlslehre und Christologie, Osiandrischer Streit, Allgemeiner Druck
Kommentar
Die Schrift besteht aus zwei gleich langen Teilen: einer Antwort an Staphylus als Reaktion auf seine Trimembris Epitome (S 8597/S 8601) und der Abhandlung "De adoranda unitione duarum naturarum Christi inseparabili, in unam personam" in 85 Thesen, in der Musculus sich mit der Naturenlehre Osianders auseinandersetzt (erste Ausgabe 1552, M 7117). In der Antwort erinnert M. seinen Kommilitonen St. an gemeinsam gehörte Vorlesungen bei Luther und Melanchthon. Aus dieser Zeit habe er noch sein Gesicht vor sich, doch sein wahres Wesen erkenne er jetzt aus St.s bösartigen Schriften. Nie habe er etwas derartig unsauberes gelesen. Er sagt ihm den Zorn Gottes und einen schlimmen Tod vorher, wie ihn die erleben, die wissend und willentlich die einmal erkannte Wahrheit verlassen. M. erinnert St. an die Zeit in Königsberg, wo er Melanchthon imitiert habe und bei Berufung von Osiander, der ihn an Gelehrsamkeit aber auch Unsauberkeit der Lehre übertroffen habe, vergeblich versucht habe, sich mit diesem zu messen. Da er mit Lob und Anerkennung die Aufmerksamkeit der Welt nicht habe auf sich lenken können, habe er sich an Herostrat ein Beispiel genommen und versucht, die von Idololatrie und päpstlichen Traditionen gereinigte Kirche Christi anzuzünden und zu zerstören, wofür ihn der Sohn vernichten möge, den er wissentlich verfolgt habe. Weil jedoch seine Fähigkeiten geringer seien als seine Bosheit, habe er sein Ziel nicht erreichen können. Musculus greift auf das übliche Vokabular der Beschimpfung der Schrift St.s als Lügen, Verleumdungen, Gezänk etc. zurück und schmückt seine Angriffe mit humanistischen Anspielungen auf Demokrit und Alexander und Zitaten aus Euripides und Hesiod. Er unterstellt St., alles aus Ruhmsucht unternommen zu haben, doch habe er nur wie Herostrat erreicht, in Schimpf und Schande unsterblich zu werden. In seiner Funktion als kaiserlicher Rat, deren er sich auf der Titelseite seiner Schrift rühme, denke er sicher tag und nacht darüber nach, wie man die nach Gottes Wort errichteten Kirchen im Herrschaftsgebiet des Kaisers wieder mit den Greueln des Antichrists infizieren könne. Doch Gott werde seine Ratschläge zunichte machen. Er glaube nicht, daß der Kaiser St. dafür in seinem Rat haben wolle, daß er die von ihm verlassene Lehre des Evangeliums bekämpfe, sondern daß er sich als tüchtiger Apostat erweise und mit soliden Argumenten aus der Schrift die päpstliche, zusammenstürzende Kirche stütze. Doch schon in der Vorrede seiner Schrift zeige er, daß er den Kampf mit den Lutherischen mit offenkundigen Lügen und Verleumdungen führen werde. Man werde auf diese aber nicht eingehen, denn es sei offensichtlich, daß sie nicht auf die evangelischen, sondern die papistischen Kirchen zuträfen, die voll seien von Idolomanien und antichristlichen Greueln. Soviel zur allgemeinen Vorrede, zur Schrift (deren Titel er nicht nennt) wolle er sich nur wenig äußern, denn schon die oberflächliche Lektüre habe ihn erschreckt. Musculus weist die zehn Praedicamenta als offenkundige Verleumdungen zurück, die man einfach verachten könne. Auch die zehn Metaphysicis, aus der AC gesammelt, zeigten, wie Staphylus von höllischen Furien getrieben die wahre Lehre wissend und willentlich verfolge. Den Vorwurf, die Lutherischen würden Luther zu einem apollinischen Orakel erhoben haben, läßt er ebenfalls nicht gelten: Luthers Worte würden so in Ehren gehalten, nicht weil er sie gesagt habe, sondern weil sie mit den Propheten und Aposteln übereinstimmten; Man fliehe nicht seinetwegen die menschlichen Traditionen, sondern weil er ihre Abweichung vom Wort Gottes erwiesen habe. Zum zweiten Teil des Buches mit seinen zehn Antilogien konstatiert M. etwas mitleidig, diese hätte auch ein weniger erfahrener Kalumniator leicht sammeln können. Er fragt St., in dem er den Geist Julian Apostatas wirksam sieht, warum er nicht diese Antilogien in den Konzilsdekreten und dem Kanonischen Recht gesucht habe. Im dritten Teil des Buches versuche er, durch Betrug und List die evangelische Lehre zu verseuchen. Er gebe zu, daß es unter denen, die eine wahre und reine Lehre vertreten, Meinungsverschiedenheiten in einigen Dogmen gebe, so wie es schon bei den Kirchenvätern gewesen sei. Auch bestreite man nicht, daß Streit aufgekommen sei wie schon unter den Aposteln. Man bedauere auch heftig, daß einige von ihnen ausgegangen seien und daß die Kirche nicht in einem besseren Zustand sei. Das sei auch St. wohlbekannt. Darum frage er ihn, warum er wage, gegen sein Gewissen die Lehre des Evangeliums mit dem Makel der Zwietracht zu beschmutzen aufgrund von wenigen boshaft zusammengesuchten Sätzen und Meinungen von Fanatikern. Das hätte er auch mit mehr Ertrag und weniger Aufwand anhand der Streitigkeiten päpstlicher Doktoren haben können, anstatt mit List und Betrug ihre Lehre zu untergraben. Um nicht mehr Zeit zu verlieren, wendet sich Musculus nun dem Punkt zu, daß St. ihn auch erwähnt habe und ihm unterstelle, aus den Sentenzen Luthers öffentlich zu lehren, daß die Gottheit in Christus gelitten habe und gestorben sei. Damit verbinde er zwei offenbare Lügen: Zum einen sei Luther nie dieser Auffassung gewesen, was er mit einem 1553 auf deutsch herausgegebenen Buch aus Luthers Schriften (L 3478) belegt habe. Auch gebe es den von Staphylus unterstellten Brief nicht, weder in den Werken Luthers noch in seinen eigenen Schriften. Zum anderen belege die Wittenberger Universität, daß er so nicht gelehrt habe und lehre, die 1552 über diese Kontroverse gegutachtet habe. Auch die Frankfurter Universität würde St. der Lüge überführen. Um es allen Wohlmeinenden zu belegen, mit welchen Lügen er ihn diffamiere, fügt M. seine Confession von der Einheit der Naturen in Christus bei. Mit weiteren Verwünschungen gegen Staphylus endet die Einleitung. [Inhaltsbeschreibung der Thesen "De unitione" bei M 7117].

Zitierhinweis

Responsio ad virulentam scriptum Staphyli, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b7694c90-df18-46a7-aab4-ebb96362235e>. (Zugriff am 03.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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