Bibliographie/Quellen

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Vera, gravis et constans refutatio (VD16: S 3804)

Wittenberger Theologen (auf Titel)

VERA, GRAVIS ET
CONSTANS
REFVTATIO
FRIVOLAE, STOLIDAE,
FALSAE ET VERE FLACCIDAE RE=
sponsionis Flaccij Illyrici, quam Titulo Neces=
sariae defensionis opposuit Epistolae
Scholasticorum VViteber=
gensium.
Scripta à Scholasticis VVitebergensibus
Epistolae forma ad ipsum
Flacium.
Adiecta est &
PRIMA EPISTOLA SCHOLASTI=
corum VVitebergensium, Et frigida
futilis ac scurrilis,
Flaccij
DEFENSIO.
VVITEBERGAE
M. D. LVIII.

Gegner:
Flacius, Matthias (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Drucker
Georg Rhau Erben (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Umfang und Format
16 Bl. 4°
VD 16-Nummer
S 3804
Bestandsnachweis HAB
H 139a.4° Helmst. (8)
Weitere Exemplare
S 211. 4° Helmst. (19); 151.28 Theol. (3); 184.27 Theol. (5); 182.1 Quod. (14); 151.28 Theol. (3)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Allgemeiner Druck
Kommentar
Zwei Schreiben der anonym bleibenden Wittenberger Scholastici gegen Flacius, dessen Reaktion, die "Necessaria Defensio" (F 1453) auf den Bll. B 1r - B 4v komplett abgedruckt wird. In der Anrede an die Leser bezeichnen sich die Autoren als Wittenberger Scholastici, die Flacius über Paulus und Aristoteles lesen gehört hätten, der jetzt mit seinen Schriften sich an das Volk heranschmeiße und in seiner kürzlich gegen Menius veröffentlichen Apologia (F 1272) versuche, die Gunst des großen Haufens durch seine boshafte Zunge zu gewinnen. -- Zu Beginn der Schrift steht eine über zwei Seiten ausgebreitete Parabel über einen Disput zwischen Schwalben und Schwänen, bei der die Schwalben fragen, warum die Schwäne sich ans Flußufer zurückziehen, anstatt wie sie in Häusern und Palästen ein Publikum zu suchen. Die Schwäne, deren Identifikation mit den Wittenbergern bald deutlich wird, antworten, sie sängen abseits der großen Menge für die, denen die Musik wahrhaft etwas bedeute. Nicht nur schöne Stimmen, sondern auch die Anpassung an die Lehre der Harmonie unterschieden sie von denjenigen, die sich in jede öffentliche Versammlung eindrängten und mit ihrem Geschrei die Ohren abstumpften. Die Unerfahrenen würden wohl Pauken und Trompeten der Kithara vorziehen. Ihre Lehrer dagegen säßen in Schulen fern von der Menge der Menschen und würden mit ihren wahren Gesängen diejenigen erfreuen, die an der wahren Lehre interessiert seien. Unvermittelt verläßt die Schrift die Parabel und beklagt die Verführung zahlreicher Kirchen durch Flacius. Dieser habe kürzlich in einer Schrift behauptet, in Wittenberg über die paulinischen Briefe, Aristoteles und anderes mehr gelesen zu haben. Dagegen stellen die Autoren ihre Schilderung: Sie, wenn auch nur wenige, seien seine Zuhörer gewesen. Er habe nur in einer Ecke des Kollegs in der Nähe des Weinkellers gelesen, und nicht über Paulus und Aristoteles. Ohne Sinn und Verstand habe er die behandelten Autoren gequält; es folgt eine Parodie auf eine wortwörtliche und damit unsinnige Übersetzung aus dem Griechischen. Was sinnvoll gewesen sei in seinen Vorlesungen, habe Flacius von seinem Praeceptor gehabt, den er damals tag und nacht genervt habe, weshalb man diesen Kuckuck der Undankbarkeit bezichtige. Die Autoren werfen ihm vor, in seiner Magisterprüfung gegenüber "seinem Praeceptor" gelogen und sich in seinen Schriften unter Beifall des Volkes seiner Gelehrtheit gerühmt zu haben. Man bekräftige dagegen, daß die Grundlagen aller wichtigen Streitigkeiten in den Schriften des Praeceptors klar und deutlich aus der Schrift dargelegt würden. Dagegen werden die Schriften von Flacius mit wüsten Beschimpfungen überzogen. Er solle seine Vorwürfe anhand der Schriften des Praeceptors belegen, was er nicht könne. Seine Schriften gründeten dagegen auf Träumen, Verdächtigungen, Gerüchten und erdichteten Vorwürfen (wobei sich ersterer Vorwurf wohl auf die Schrift F 1370 bezieht). Zu dem Widerstand gegen die Lehren Osianders, dessen er sich rühme, sei er nur durch die Leitung seines Lehrers in der Lage gewesen, was aus seiner Lehre deutlich hervorgehe. Flacius habe seinen Praeceptor zum Kampf herausgefordert, dessen wahrer Lehre die ganze Kirche folge. Es sei viel wichtiger, daß dieser seine kostbaren Stunden der himmlischen Lehre widme, als in den Kampf mit Flacius einzutreten, der mit Verleumdungen, Lügen etc. ausgetragen würde. Jenem und seiner wahren Lehre wolle man folgen. Während dieser Teil der Schrift, durchsetzt mit griechischem Worten, bei allen Vorwürfen noch halbwegs sachlich gehalten ist, ist das zweite Schreiben, mit dem die Wittenberger auf F 1453 [Inhaltszusammenfassung siehe dort] reagieren, eine Serie von Beschimpfungen, Verunglimpfungen und höhnischem Spott, beginnend mit der Eingangsformel, in der sie F. nicht "salutem", sondern "saniorem mentem" wünschen. Zwischen endlosen Vorwürfen der Lüge, des Verrats und der Verunglimpfung des Praeceptors nehmen die Autoren einige Punkte der Schrift F.s wieder auf, wobei sie inhaltlich nur manchmal über reine Polemik hinausgehen. So etwa bei dem Vorwurf F.s, bei seiner Prüfung seien nur wenige Personen anwesend gewesen, die unberechtigterweise Details in die Öffentlichkeit getragen hätten. Dagegen stellen die Autoren die Aussage, daß ein Teil seiner Prüfungen, wie er selber wisse, vor großem Publikum stattgefunden habe. In der nichtöffentlichen Prüfung habe er zwar, wie in seiner Schrift angegeben, über die drei Syllogismen geredet, aber die Demonstrationen aus der Analytik im öffentlichen Teil habe er vor vielen Gelehrten mehr schlecht als recht behandelt. F.s Forderung, die Wittenberger sollten sich ihm dankbar zeigen, wird höhnisch zurückgewiesen und das Gegenteil eingefordert. Ebenfalls retournieren die Autoren den Vorwurf, eine neue Religion angefangen zu haben; Vielmehr habe F. so wie Theobald Thamer und Friedrich Staphylus seine Herkunft und seine Lehrer verraten und deren Lehren verdreht. Im konkretesten Teil der Schrift gehen die Wittenberger auf den Vorwurf ein, sie und besonders Melanchthon hätten eine Veränderung der Riten versucht, wobei sie das Wort Adiaphora auffällig meiden. Sie reden dagegen von Änderungen, die an sich nicht schädlich sind. Diese seien -- ganz unpersönlich formuliert -- "versucht worden", wobei M. mit anderen Kollegen abgeraten und sie soweit möglich verhindert habe. Doch als der Druck größer geworden und ein Teil der Änderungen ohnehin in einigen Gemeinden noch in Brauch gewesen sei, habe er nach Sicherung der Unveränderbarkeit der Lehre und anderer notwendiger Dinge nachgegeben. Er habe empfohlen, daß die Last dieser Zeremonien nicht allein die Pastoren tragen, damit sie nicht die Kirchen verließen. Aus diesen Vorgängen habe Flacius mit seinen Schriften und Briefen einen Haufen von Verleumdungen etc. fingiert. Mit diesen von F. vorgebrachten feindlichen Äußerungen habe sich der Praeceptor über Jahre hinweg herumschlagen müssen. Melanchthon habe ihm auf sein "meerschlagend großes Geschrei", wie sie es in einem der zahlreichen griechischen Einsprengsel formulieren, eine ernste und würdige Antwort gegeben [gemeint ist wohl M 3192/3195] und danach geschwiegen, um seiner wachsenden Tollwut zu entgehen, weil er erkannt habe, daß F.s Manie unheilbar sei. Doch F. habe immer weiter gewütet, eine Tyrannei in der Kirche aufgerichtet und das Schweigen M.s ausgenutzt. M. habe zwar nie die Schmähungen F.s einer Antwort für würdig gehalten, aber wegen der Sorge um die Kirche angefangen, das Krebsgeschwür zu bekämpfen. Darin liege der Hauptpunkt der Kontroverse, von dem auch F. mit seiner Verdächtigungen etc. nicht ablenken könne, die ausnahmslos alles in Zweifel zögen, was M. in dieser Sache gesagt und getan habe. In seiner Maßlosigkeit könne man ihn nicht ernst nehmen, weshalb M. die Angriffe ignoriert habe. Wenn Flacius, wie er behaupte, Frieden und Eintracht wolle, müsse er aufhören zu lügen und die Verleumdungen widerrufen. Wenn er das tue und sich dem Urteil der Kirche unterstelle, könne der Frieden zurückkehren. Anschließend weisen die Autoren die Vorwürfe F.s zurück, in Worms nicht angemessen behandelt worden zu sein. Sie halten Flacius vor, daß er keinen einzigen seiner Gedanken ohne die Bücher Melanchthons hätte formulieren können. Abschließend erklären die Autoren, nicht anonym zu schreiben, sondern tatsächlich die Gesamtheit der Wittenberger Studenten zu repräsentieren ("mehr als dieses Blatt fassen kann"), die sich zu Melanchthon als ihrem Lehrer bekennen. Man werde ihn verteidigen solange man lebe und den Kampf gegen Flacius überall fortsetzen. -- Die ganze Schrift ist in einem sehr polemischen, mit zahlreichen griechischen Ausdrücken durchsetzen und mit seitenweisen Beschimpfungen garnierten Stil verfaßt. Sie ist geprägt von dem Bedürfnis, nach 10 Jahren des Schweigens öffentlich gegen Flacius aufzutreten und ihn mit seinen Waffen zu attackieren, ohne dabei argumentativ oder stilistisch an ihn heranreichen zu können.

Zitierhinweis

Vera, gravis et constans refutatio, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/abcd2af9-d59a-4592-a29b-ebf9ec58ad31>. (Zugriff am 10.04.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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