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Zwei Predigten, daß man in den Kirchen alles in bekannter Sprache Lesen und Singen soll (VD16: W 2302)

Westphal, Joachim (auf Titel)

Zwo Predige(n) gethan
aus dem Euangelio Matthei xxj.
Das man in den Kirchen alles in gemeiner be=
kanter sprach Lesen vnd Singen sol. Auch was für gro=
sse scheden aus der jetzigen verenderung der Deud=
schen sprach in Lateinisch / in den Kirchen
erfolget / Durch
M. Joachimum Westphalum
Pfarrhern zu Hamburg.
Mathei. XXI.
Aus dem munde der vnmündigen vnd seuglingen ha=
stu lob zugericht.
I. Corinth. XIIII.
Helt sichs doch auch also in den dingen die da lau=
ten / vn(d) doch nicht leben / Es sey eine Pfeiffe oder eine Har=
ffe / wenn sie nicht vnterschiedliche stimme von sich geben
wie kan man wissen / was gepfiffen oder geharffet ist?
Vnd so die Posaune einen vndeutlichen dohn gibt / wer wil
sich zum streit rüsten? Also auch jr / wenn jr mit zungen re=
det / so jr nicht eine deutliche Rede gebet / Wie kan man
wissen was geredt ist? Denn jr werdet in den wind reden.
ZWar es ist mancherley art der stimme in der welt /
vnd derselbigen ist doch keine vndeutlich. So ich nu nicht
weis der stimme deutunge / werde ich vndeudsch sein / dem /
der da redet / vnd der da redet / wird mir vndeudsch sein.
Also auch jr / Sintemal jr euch vleissiget der geistlichen
Gaben / trachtet darnach / das jr die Gemeine bessert / auff
das jr alles reichlich habt.

Herausgeber:
Flacius, Matthias (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1550 (aus Text oder Kolophon)
Kommentar Druck
je Predigt ein Druckbogen; zweite Predigt auf B jr
Umfang und Format
8 Bl. 4°
VD 16-Nummer
W 2302
Bestandsnachweis HAB
H 118 (13). 4° Helmst.
Weitere Exemplare
236.50 Theol. (6); 294.3 Theol. (17); 327.4 Theol. (16); J 180.4º Helmst. (15)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Zwei Predigten Westphals gegen die Abschaffung der deutschen Sprache im Gottesdienst: Singen und Predigen haben den Teufel schon immer sehr verdrossen, weil er es aber nicht abschaffen kann, greift er zur List und fordert die Wiedereinführung der lateinischen Sprache in der "neuen Ordnung", das sei ein freies Mittelding. Dagegen stellt W. die Forderung, daß die Sprache verstanden werden muß. Die Wirkung hänge nicht am Klang, sondern am Verstehen und der folgenden Besserung; Singen ohne Verstehen ist Abgötterei. Was nicht zur Besserung dient, ist nicht nur nicht frei, sondern verboten, weil es zur Zerstörung dient. So auch die jetzige neue Ordnung, die fast alle Gesänge auf Latein fordert, weil es Ziel der Papisten sei, daß de Leute Gottes Wort und Lehre nicht verstehen. So auch der Beschluß von Trient, nur die Vulgata zu nutzen. Gott will dagegen, daß wir verstehen, was wir hören und lesen, deswegen ist es nicht frei, sondern geboten, den Gottesdienst in verständlicher Sprache zu halten. Zweite Predigt: Die Verschiedenheit der Sprachen ist eine Gabe des Hl. Geistes, um die Völker sammeln zu können zur Verbreitung des Reichs Christi. Deshalb hat der Teufel im Papsttum diese Gabe verdunkelt und Gebet und Bibel in der Volkssprache verboten. Deswegen sollen wir uns vorsehen, wenn die Papisten in der neuen Reformation Sakramente und Gottesdienst auf Latein einführen, mit der Begründung, sie gerieten in Verachtung, wenn sie dem gemeinen Mann zu bekannt wären. Das ist eine grobe Lüge, das Gegenteil ist wahr: was man nicht kennt, achtet man nicht. Absicht des Teufels ist Verfälschung und Zerstörung der rechten Lehre. Wir sollen deshalb nicht als Mittelding akzeptieren, daß Gesänge und Liturgie in eine fremde Sprache geändert werden. Es ist kein kleines Ding. Nachwort Flacius über den Korintherbrief; auch er argumentiert gegen die Veränderung von einer bekannten in eine unbekannte Sprache, woraus Zerstörung der Gemeinde folge. Dagegen würden die deutschen Lieder vom großen Haufen auswendig gesungen, auch bei der Arbeit, wodurch das junge Volk von bösen Gedanken abgelenkt werde. Deutsche Lieder machen die Lehre leicht fasslich, unbekannte Lieder fördern den Aberglauben. Wenn die Jugend die Lieder nicht versteht, kommt sie im Gottesdienst beim Warten auf die Predigt auf dumme Gedanken; nicht verstandene Lieder führen zum bedenkenlosen Plappern wie im Papsttum. Insgesamt stärken wir die Papisten und schwächen uns selbst, wenn wir Dinge, die wir unter Kämpfen erreicht haben, einfach wieder aufgeben. "Hieraus betrachte nu Christlicher leser / wie viel guts allein auss dem einigen stück der Reformation vnserer Adiaphoristen kome."

Zitierhinweis

Zwei Predigten, daß man in den Kirchen alles in bekannter Sprache Lesen und Singen soll, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/fc6c4e80-5a0c-464a-9361-2e9ed7d2b014>. (Zugriff am 16.12.2018)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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