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Enarratio Epistolae primae ad Timotheum (VD16: ZV 1999)

Major, Georg (auf Titel)

ENARRATIO
EPISTOLAE
PAVLI PRIMAE
ad Timotheum.
Praelecta Anno 1561.
A
D. Georgio Maiore.
VVITEBERGAE
Ex Officina Iohannis Lufftij.
Anno 1563.

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Drucker
Lufft, Hans (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1563 (auf Titel)
Kommentar Druck
Großes Bild mit lehrendem Paulus und zuhörendem Timotheus auf Titelblatt
Umfang und Format
312 Blatt 8°
VD 16-Nummer
ZV 1999
Bestandsnachweis HAB
C 489 a. 8° Helmst.

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Allgemeiner Druck
Kommentar
In dieser 1561 gehaltenen Vorlesung über den ersten Timotheus-Brief nimmt der Wittenberger Professor Georg Major Stellung zu verschiedenen kontrovers diskutierten Themen seiner Zeit. In der antinomistischen Auseinandersetzung bezieht Major den Standpunkt des tertius usus legis in renatis. Dieser Gebrauch des Gesetzes helfe den Glaubenden im Kampf gegen die ihrem Glauben widerstreitenden Kräfte in ihrem Inneren. Auch die Gerechtfertigten blieben Sünder und bedürften so immer wieder des Gesetzes zur Erkenntnis ihrer Sünde und damit es sie zur Buße antreibe. Der tertius usus legis sei auch darum nötig, weil die Gerechten nun dem Gesetz gehorsam sein könnten und dies nun auch sollten. Der Position der Antinomer, dass das Gesetz aus der Kirche zu verbannen und allein im Rathaus zu gebrauchen sei, sei entschieden zu widersprechen, bedürften doch auch die Gerechtfertigten immer wieder der Erkenntnis ihrer eigenen Sündhaftigkeit, um in rechter Weise Buße zu tun, um die Vergebung Gottes zu erlangen. Das Gesetz zeige überdies auch an, welche Werke und welche Verehrung Gott von den Gerechten verlange. Das Gesetz sei indes kein Weg zum Heil, weil kein Mensch es vollkommen halten könne. Nach einer ausführlichen Verteidigung der Trinitätslehre gegen die antitrinitarische Bewegung kommt Major auf die noch im Anfangsstadium befindliche Auseinandersetzung um die Christologie zu sprechen. Der Tübinger Theologe Johannes Brenz hatte ab 1561 auch im Druck eine spezifische Fortschreibung der Christologie Luthers entwickelt, die er in den Auseinandersetzungen mit den calvinistischen Gegnern in der Kurpfalz und Frankreich verwendete. Dagegen vertritt Major nun den Ansatz Melanchthons, der sich deutlich vom Ansatz Luthers unterschied. Die unio personalis der beiden Naturen Christi sei ohne jegliche Veränderung oder Vermischung der beiden Naturen geschehen. Die Eigenschaften der beiden Naturen seien vielmehr unverändert erhalten geblieben, würden jedoch aufgrund der personalen Einung zu Recht der Person zugesprochen. Eine Person sei zu definieren als eine lebendige, intelligente, unteilbare und nicht mittelbare Substanz, die nicht durch eine andere Substanz ins Dasein gehalten werde. Die drei trinitarischen Personen unterschieden sich voneinander durch ihre Wesenseigenschaften, die niemals miteinander vermischt werden dürften. Engel und Menschen würden, obwohl sie für sich subsistierten, von Gott in ihrem Dasein getragen und emporgehalten. Würde Gott diesen Akt unterlassen, so würden sie in nichts zusammenfallen. Der göttliche Logos habe die menschliche Natur angenommen und sei Mensch geworden. Doch seien durch diese personale Union keine zwei Personen entstanden. Die angenommene menschliche massa entbehre des Person-Seins. Sie sei nicht in der Lage, zu subsistieren, wenn sie nicht durch eine andere Substanz getragen und emporgehalten werde. Die menschliche Natur Christi und alle Menschen würden zu Nichts zerfallen, wenn sie nicht durch den göttlichen Logos in ihr Dasein gehalten würden. Die angenommene menschliche Natur existiere in der Person des Sohnes Gottes, der sie trage und emporhalte, und aufgrund der zukünftigen Annahme der menschlichen Natur durch den Logos hätten auch Adam und Eva überlebt. Major unterscheidet mit Melanchthon vier Präsenzarten Gottes: I. seine universale Weltpräsenz, II. die göttliche Präsenz in den Seligen und Engeln im Himmel, III. die Präsenz Gottes in den Heiligen in diesem Leben und IV. die Präsenz Gottes in der Person Jesu Christi. Die zweite Person der Trinität habe eine vom Heiligen Geist geheiligte menschliche massa im Mutterleib Marias angenommen und sie sich so vereinigt, dass sie selbst und die angenommene massa eine untrennbare Person für alle Ewigkeit bildeten. Die menschliche massa würde wieder zu nichts zerfallen, wenn sie sicht mehr durch den göttlichen Logos ins Dasein gehalten und getragen würde. Aus dieser personalen Union sei die communicatio idiomatum abzuleiten. Keinesfalls jedoch sei die Idiomenkommunikation zu verstehen, wie jetzt viele falsch sagten, als die Naturen betreffend oder als eine reale Idiomenkommunikation (Brenz). Vielmehr sei es das Anliegen der Idiomenkommunikation, dazulegen, wie die unio der beiden Naturen persönlich geschehen sei, ohne dass die Naturen verändert oder miteinander vermischt worden seien, sondern vielmehr so, dass beide Naturen ihre Wesenseigenschaften behalten hätten. Doch würden aufgrund der personalen Einung die Eigenschaften der beiden Naturen der Person zugeschrieben. Die communicatio idiomatum sei inhaltlich zu bestimmen als ein modus loquendi, der die Person in concreto beschreibt und nicht die Naturen in abstracto oder für sich betrachtet. „Est enim communicatio Idiomatum Phrasis seu forma sermonis, in qua proprietas vtrius naturae, tribuitur personae, in concreto“, T 1r. Die Eigenschaften der beiden Naturen könnten so der Person zugeschrieben werden, nicht aber der anderen Natur, wie diejenigen meinen, die eine Gemeinschaft zwischen den beiden Naturen annähmen, in der auf reale Weise die Eigenschaften mitgeteilt werde (Brenz). Dies sei nichts anderes als die Naturenvermischung des Eutyches. Die Idiomenkommunikation sei eine uneigentliche Rede, die von den Alten noch um die Angabe ergänzt worden sei, nach welcher Person die Person handele. Sie sei von der Kirche entwickelt worden als Lesehilfe bei der Bibellektüre, in der oft göttliche Eigenschaften vom Menschen Jesus ausgesagt würden und umgekehrt. „Gott hat gelitten“ sei ein wahrer Satz, wenn man ihn von Christus verstünde, in dem zwei Naturen seien, von denen die angenommene menschliche gelitten habe. Ein reichhaltiger Überblick über die altkirchliche Konzilsgeschichte schließt die Auseinandersetzung Majors mit der Christologie ab.

Zitierhinweis

Enarratio Epistolae primae ad Timotheum, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/cb8c3414-0580-4136-9393-9d87f8045cf7>. (Zugriff am 07.04.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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