Bibliographie/Quellen

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Vom Basilisken zu Magdeburg (VD16: A 1538)

Alber, Erasmus (auf Titel)

Vom Basilisken zu Mag
deburg. Item vom Hanen eyhe / daraus
ein Basilisck wirt / mit seiner Bedeutung
aus der Heiligen Schrifft.
An den standhafftigen Bekenner Christi
M. Caspar Aquilae geschriebe(n) / durch
ERASMVM ALBERVM.

Druck

Erscheinungsort
Hamburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Louwe, Joachim (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1549 (unsicher)
Kommentar Druck
Erstexemplar keine Titelblattkopie; Titelholzschnitt mit Darstellung eines Hahns mit Schangenschwanz
Umfang und Format
20 Bl. 8°
VD 16-Nummer
A 1538
Bestandsnachweis HAB
Tq 14
Weitere Exemplare
148 theol. (2)
Digitalisat
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Widmung

Empfänger
Aquila, Kaspar (auch: Adeler, Adler) (auf Titel)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Erasmus Alber nimmt mit dieser Schrift Bezug auf einen Vorgang in Magdeburg am 27. Juli 1549: Eine Schmied, seine Magd, seine Frau und eine weitere männliche Person waren im Eingang ihres Kellers gestorben und das Gerücht hatte sich gebildet, sie seien Opfer eines Basilisken geworden. Doch als ein Loch in das Dach des Kellers gemacht wurde, habe sich der Basilisk verzogen und keinem mehr geschadet. Ein Basilisk ist ein mythisches Wesen, halb Hahn, halb Schlange, das aus einem von einem alten Hahn gelegten Ei von einer Kröte oder Schlange ausgebrütet wird und in dunklen Kellern oder Brunnen haust und diejenigen, die es anblicken, in Todesstarre versetzt und nur von einem Wiesel besiegt oder von seinem eigenen Anblick in einem Spiegel bezwungen werden kann. Alber macht nun dieses "Märlein" zum Gegenstand einer theologischen Erörterung über das Verhältnis von Gesetz und Evangelium. Die Existenz des Fabelwesens setzt er dabei voraus, obwohl er die Todesfälle vom Juli 1549 durch Gasentwicklung erklärt. Er nimmt eine allegorische Deutung der Geschehnisse vor: Der Hahnenschrei stehe mit seiner Hässlichkeit für die Gesetzespredigt. Dass es ein alter Hahn sei, der das Ei lege, aus dem der Basilisk entstehe und von dessen Anblick der Mensch sterben müsse, bedeute, dass die Gesetzespredigt, wenn sie Überhand nähme, den Tod bewirke. Dass nicht der Hahn selber das Ei ausbrüte, sondern dies durch eine Kröte oder Schlange machen ließe, bedeute, dass nicht das Gesetz selber, sondern die Sünde des Menschen die todbringende Wirkung des Gesetzes ermöglicht und freisetzt. Dass es nicht gut sei, Hähne alt werden zu lassen, bedeute, dass man die Gesetzespredigt nicht Überhand nehmen lassen solle. Wie Hähne Hühner besamten, so sei das Gesetz die Voraussetzung für das Evangelium. Christus sei der Fürst des Lebens und der Basilisk nach seinem griechischen Namensursprung ein "Regulus", ein kleiner König, der Christi Macht bestreite und insofern mit dem Papst identifiziert werden könne. Doch sei er diesem unterlegen und werde von dem Wieselchen Christus besiegt. Der von Alber geteilte Volksglaube an den Basilisken wird so durch ihn als naturhafte Sprachweise Gottes allegorisch entborgen (vgl. Kaufmann, 266-272). In der Verhandlung der Frage nach dem Verhältnis von Gesetz und Evangelium übt Alber Kritik an dem "Antinomisten" Agricola, der nun mit seiner Mitarbeit am Augsburger Interim endgültig vom Evangelium abgefallen sei.

Zitierhinweis

Vom Basilisken zu Magdeburg, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/f1ad5c26-bc30-4fd0-9aa3-54155196afaa>. (Zugriff am 22.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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