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Antwort auf Amsdorfs Schrift so November 1551 wider Maior in Druck ausgegangen ist (VD16: M 1996)

Major, Georg (auf Titel)

Auff des Ehrenwir
digen Herren Niclas von Ambsdorff
schrifft / so jtzundt neulich Men=
se Nouembri Anno 1551. wider
Georgen Maior öffentlich im
Druck ausgegangen.
Antwort
Georg: Maior.
Galat. 5.
So jr euch vnternander beisset vnd fresset / so
sehet zu / das jr nicht vnternander verzeret werdet.
Wittemberg.
Durch Georgen Rhawen Erben.
ANNO M. D. LII.

Gegner:
Amsdorf (Amsdorff), Nikolaus (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Drucker
Georg Rhau Erben (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1552 (auf Titel)
Umfang und Format
18 Bl. 4°
VD 16-Nummer
M 1996
Bestandsnachweis HAB
G 676.4° Helmst. (14)
Weitere Exemplare
H 121.4º Helmst. (7); 329.6 Theol. (22)
Edition
Ediert in unserer Ausgabe Bd. 3, Nr. 1, S. 18-45.
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Synergistischer Streit
Kommentar
Reaktion auf Amsdorfs Schrift A 2340 "Das Doctor Pomer und Doctor Maior..." Ohne Widmung oder Vorrede beginnt Major sofort seine Reaktion auf Amsdorf, den er über dreißig Jahre für seinen liebe Vater und Präzeptor gehalten habe und das auch weiter tun wolle, obwohl dieser in seiner Schrift "mein gantzes verderben / one meine vordienst vnd verschuld / gesucht habe." Er wolle sich mit seiner Schrift gegen die unbegründeten Vorwürfe verteidigen und hoffe, daß A., wenn sein Zorn vergehe und er besser unterrichtet sei, seine Schrift bedauern und sich entschuldigen werde. Sollte dies nicht geschehen, müsse er es Gott befehlen, denn alle vernünftigen Leute hätten ja M.s Lehre und Leben vor Augen und könnten selbst entscheiden. Da er aber wisse, daß die Welt lieber Lästerschriften als Entschuldigungen lese und ihnen auch mehr Glauben schenke [M. zitiert hier die lateinische Form des Plutarch-Zitats "Calumniare audacter, quia semper aliquid haeret" lange vor Francis Bacon, auf den der neuzeitliche Gebrauch zurückgeführt wird.] Er wisse auch, daß seine Widersacher durch seine Schrift zu weiteren Schmähungen veranlaßt werden könnten, so daß es besser wäre, mit Geduld und Stillschweigen zu reagieren, was er auch gewollt habe. Doch sei er durch die Bitten gottesfürchtiger Leute und weil sein Amt und sogar Gottes Wort verlästert worden seien, dahin gedrungen worden, die vorliegende kurze Antwort drucken zu lassen. Nun beginnt M. mit der Aufzählung der Vorwürfe Amsdorfs, nahe an den Formulierungen der Schrift A 2340, in acht Punkten: Daß er "mit auffrichtung des Interims vnd ander ordnung / grosse ergernis / trennung vnd spaltung habe angericht", "das Bapsts lere angenommen" habe und geschrieben habe "ich wolle nicht von dem wort (SOLA) streiten / vnd das der glaube furnemlich selig mach / vnd gute werck zur seligkeit nötig sind." Drittens, daß er den Antichrist als obersten Bischof akzeptiert und die Diener des Wortes den papistischen Meßbischöfen unterworfen habe, viertens die alten, wohlgeordneten Zeremonien abgeschafft und die Spektakelmesse aufgerichtet und "mit dem Chorrock vnd dem Leypzigischen Jnterim newerung / beide in der lere vnd Ceremonien angefangen" habe und daß er fünftens die Prediger zu Torgau und andere abgesetzt habe. Sechstens werfe A. ihm vor, daß er ein Mameluck und von der Lehre Christi abgefallen sei -- davon zeuge das Leipziger Interim, während ihm seine Schrift gegen die papistische Messe (M 2156) nicht helfe; was er darin schreibe, könne nicht sein Ernst sein. Siebtens, daß er in anderen Schriften, zB. der an die Böhmen (gedruckt in R 199???) und der Präfation zum Psalter (M 2029?) anders gelehrt habe, als er jetzt lehre. Achtens behaupte A., daß er M. nicht zu schaden beabsichtige. A. gibt an, bei der Zusammenfassung der Punkte viele Schmähungen ausgelassen zu haben. Er wolle so lind wie möglich antworten und den verehrten Lehrer Amsdorf schonend behandeln, denn es gebe nichts schlimmeres als wenn Lehrer, die gute Vorbilder sein sollten, sich stritten. Er habe, so M. zum ersten Vorwurf, nach dem Augsburger Interim so wie die anderen Wittenberger Theologen von Amts wegen an den Verhandlungen darüber teilnehmen müssen, auch wenn er es nicht wollte. Er habe in den Verhandlungen, an denen er teilnahm, nichts erfahren, was unchristlich oder der Schrift nicht gemäß gewesen sei. Wunsch des Herrschers sei es gewesen zu beraten, "wie man der Keiserlichen Maiestet in allen so mit ichte / One verletzung Gottes worts vnd guter gewissen geschehen möcht / zu erhaltung friedens vnd einigkeit / vnd abwendung allerley gefahr / gehorsamen möchte etc." Er scheue sich nicht zu bekennen, etliche Artikel der Beschlüsse zu Meissen, die auch gedruckt worden seien, verfasst zu haben. Bei dieser Zusammenkunft sei auch die Heinrichsagende reformiert worden. Es wäre gut, wenn sie gedruckt worden wäre, aber das stehe nicht in seiner Macht. Bei den Verhandlungen in Pegaw, Jüterbog und auf dem Landtag in Leipzig sei er dabeigewesen. Ob diese nun gut oder schlecht seien, möge jeder selbst urteilen, doch er habe die "Leypzigsche handlung / welche sie das jung Jnterim nennen / nie nicht ganz gesehen oder gelesen / bis das sie im Druck zu Magdeburg ausgangen / so anders derselbige Druck vnd solche handlung / nicht verfelscht ist. Darumb las man mich mit solchem Interim zufrieden / wers gestalt / gemacht oder bewilliget hat / der mags verantworten". Woraus folge, daß er kein Ärgernis oder Spaltung (so der Titel der Schrift Amsdorfs) angerichtet habe. Tatsächlich sei Flacius für die Spaltung verantwortlich, was dessen "Drectetlein" belegten. Er habe keine Berufung zur Kirchenregierung, "sonder sich selbs eingedrungen". Er habe zahlreiche, auch anonyme, Schriften veröffentlicht, versucht, die Wittenberger verdächtig zu machen und sie als Mamelucken und Verräter verdammt. Dadurch hätten sich viele Leute an ihn gehängt, während die Wittenberger still geschwiegen hätten und das Unwetter hätten über sich ergehen lassen. Zu dem Vorwurf Amsdorfs, von der reinen Lehre abgefallen zu sein, beruft M. sich auf seine Studenten und Absolventen und auf die Gemeinde Wittenberg sowie auf die Leser seiner Schriften, besonders der deutschen Auslegung des Glaubens (M 2003) und der Refutatio (M 2156) mit ihrer Widmung an Edward VI. Noch nicht erschienen sei die Auslegung des Epheserbriefs (M 2023), worin er die Artikel "nach meinem vermügen / mit viel worten gehandelt." Sollten Amsdorf oder Flacius darin etwas sträfliches finden, sollten sie ihn aufgrund der Schrift widerlegen. Der Lästerung gegen sein Amt und die Kirche schmerze ihn mehr als wenn man ihn Ehebrecher oder Mörder schimpfe. Er sei nicht abgefallen und verfälsche die Lehre nicht -- wer ihn dessen beschuldige, tue ihm Unrecht. Wenn man ihm aufgrund des Magdeburger Drucks des Leipzigschen Interims etwas vorwerfe, sage das gar nichts, weil er damit nichts zu tun habe. Den Vorwurf, das Sola aufgegeben zu haben, weist er zurück unter Hinweis darauf, daß es in seinen Schriften bei Aussagen über den Glauben und die Rechtfertigung immer mit großen Buchstaben gedruckt werde, so in der Vorrede an Edward (M 2156) achtmal und in der folgenden Schrift zwölfmal. So sei es auch in seinen älteren Schriften. Dann kommt er zu den guten Werken und formuliert seine berühmtgewordene Aussage (C 1v- 2r): "Das bekenne ich aber / das ich also vormals geleret / vnd noch lere / vnd förder alle meine lebtag also leren wil / Das gute Werck zur seligkeit nötig sind / vnd sage öffentlichen vnd mit klaren vnd deutlichen Worten / das niemands durch böse werck selig werde / vnd das auch niemands one gute werck selig werde / vnd sage mehr / das wer anders leret / auch ein Engel vom Himel / der sei verflucht. Wolan / wie gefelt euch nu das / denn ich weis / das diese die rechte Prophetische vnd Apostolische Lere ist / so sie recht verstanden wird." Er argumentiert im folgenden so: Durch böse Werke verdiene niemand den Himmel, sondern die Hölle. Daraus müsse folgen, daß wo keine bösen Werke sein sollen, gute Werke sein müssen, denn der Mensch müsse nicht ein Klotz oder Stein sein, der weder Gutes noch Böses wirke, sondern Glaube und Geist seien im Menschen tätig und kräftig und trieben ihn, daß er nicht nach dem Fleisch sondern nach dem Geist wandele und Früchte des Geistes wirke (Gal 5). Es sei unmöglich, daß ein Mensch wahren Glauben und nicht auch gute Werke habe. Wo Christus und der Geist wohnten, leuchte der Glaube durch gute Werke. Er verstehe nicht, was seine Opponenten an diese Lehre kritisieren könnten; wenn sie anders lehrten, hielten sie es nicht mit Luther, auf den sie sich beriefen. Er hoffe aber, darin mit ihnen einig zu sein und ebenso darin, daß die Werke, wiewohl vonnöten, die Sündenvergebung, Gerechtigkeit und ewiges Leben nicht verdienen könnten. Solche himmlischen Güter seien (ALLEIN) durch den Tod des Mittlers erworben und müssten (ALLEIN) durch den Glauben empfangen werden, doch müssten gute Werke als schuldiger Gehorsam gegen Gott vorhanden sein. Amsdorf habe sich von seinem Zorn überwinden lassen, als er schrieb, daß gute Werke zur Seligkeit nicht nötig seien. Er wolle dessen Schrift nicht verleumden, sondern hoffen, daß er gemeint habe, daß sie zwar wegen des Gehorsams nötig seien, aber nicht als Verdienst. Wer anders lehre, sei ein Antinomer, was er aber Amsdorf nicht vorwerfen wolle. Major zieht verschiedene Schriftbelege heran (Mt 25, Rm 10, 1 Jh 3) und wiederholt nochmals, daß man nicht durch gute Werke soll gerecht werden (vielmehr allein durch den Glauben), "sondern wenn du nu gerecht vnd ein kind Gottes bist worden / das du denn solchen deinen glauben durch gute werck beweisest / vnd fur den Menschen leuchten lassest / wenn du aber nicht das thust / so ist dein glaube falsch / vnd wirst nimmer mehr selig." Wenn A. hier anders lehre, was er nicht hoffe, irre er gewaltig. Auf den dritten Vorwurf, er habe die römischen Bischöfe angenommen, antwortet er, A. wegen seines Alters verschonen zu wollen, auch wenn auch den Alten nicht gebüre, sich so zu verhalten. Er weist die Vorwürfe unter Berufung auf seine Schriften (M 2120, 2156 und 2003) zurück. Er habe an keiner Unterredung mit Bischöfen teilgenommen, und die Ordination sei in Wittenberg rein erhalten. Darum tue ihm A. unrecht. Zum vierten Vorwurf, der Wiederaufrichtung der Messe, wiederholt er, nicht in Leipzig dabeigewesen zu sein, und was er von der Messe halte, beweise M 2156 zur genüge. Er habe keine Macht Prediger abzusetzen, deswegen möge ihn A. mit dem fünften Vorwurf über die Torgauer Prediger verschonen. Auch den sechsten Vorwurf, er sei abgefallen, was das Leipziger Interim beweise, weist er knapp zurück, und ergänzt, es sei große Verstockung, daß A. und Flacius, obwohl sie sähen, daß an Zeremonien und Lehre nichts geändert worden sei, die Wittenberger dennoch öffentlich als abtrünnige Mamelucken bezeichneten. Wenn er weder durch Bekenntnisse (wie das Buch gegen die Messe) noch durch seine Lehre und sein Leben den Vorwurf widerlegen könne, was solle er dann machen? Er fordert A. und F. auf, ihm aus seinen Schriften zu belegen, daß er den Papst angenommen habe. Wenn er wie geschehen wider die Messe schreibe, "so sagen sie es sey mein ernst nicht." Er wisse nicht, wie er es A. recht machen solle. So würde es auch auf dem Konzil zugehen, auf dem etliche von den Seinen auf Forderung der Obrigkeit ihren Glauben vertreten sollten. M. antizipiert die Vorwürfe, die alle evangelischen Teilnehmer am Tridentinum von Flacius und Amsdorf zu hören kriegen würden: Es sei des Teufels Grundsuppe, und wer daran teilnehme erkenne den Papst an etc. Würden sie jedoch nicht teilnehmen, käme sicher der Vorwurf, sie seien nicht bereit, für ihren Glauben einzustehen, weil sie um ihre Haut fürchteten. "Jn Summa alles was wir reden / leren / schreiben vnd thun / das ist fur jren augen vnd ohren lauter gifft / so hoch vnd hart sind sie wider vns erzürnd / das wir viel ergere feinde an jnen / denn an den Papisten". Er habe weder A., F. noch Gallus je Böses getan. Er sei nie Pfarrer gewesen und habe deshalb nie eine Opfermesse lesen können oder müssen, und welcher Art seine Weihnachtsmesse in St. Andreas in Eisleben gewesen sei, möge die Gemeinde urteilen, in die er als Superintendent von Moritz von Sachsen an die Mansfelder Grafen verliehen worden sei. Zu den beiden letzten Punkten antwortet M. pauschal, A. solle überlegen, aus welchen Motiven er sich auf Schriften Majors berufe, "zu welchen allen ich mich nicht bekenne / welche ich aber geschrieben / ninmermehr verleugnen wil / dieselbige auch fur jedermeniglich wol vn mit bestendigem grund zuuerantworten weis." Abschließend bittet er den Leser und Amsdorf, man möge ihm zugute halten, daß er sich zu der vorliegenden Schrift gezwungen sah, weil sein Amt und Gottes Wort geschändet worden waren. Daß er keine Lust zum Streiten habe könne man daran sehen, daß er auf Flacius vielfältige Lästerschriften nur in zwei Vorreden seiner Bücher kurz reagiert habe. Durch Theologengezänk, von dem es leider viel zu viel gebe, werde die Kirche nicht verbessert sondern nur noch weiter zerrissen. Wort und Amt würden in Verachtung gebracht, "Ja auch vrsach zur zurüttung der weltlichen regierung gegeben wird". Die Obrigkeit solle ein Einsehen haben, daß solchen Lästerschriften entgegengetreten werde. Er appelliert an Amsdorf, die Lästerschriften Flacius zu überlassen, der darin ein Meister sei, und mit ihm gemeinsam vor dem Konzil das Evangelium zu vertreten.

Zitierhinweis

Antwort auf Amsdorfs Schrift so November 1551 wider Maior in Druck ausgegangen ist, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ccc265ff-b14c-4cdf-8f0e-2ed087315857>. (Zugriff am 22.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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