Bibliographie/Quellen

Zur Übersicht

2065 Quellen in dieser Liste. Sie sehen die Quelle 330.

Epistel darin Flacius geantwortet wird; Epistola ad lectorem, in qua respondetur Flacio Illyrico <dt.> (VD16: M 3195)

Melanchthon, Philipp (auf Titel)

Epistel oder Sen(n)d=
brieff / zu dem Christlichen
Leser / Darinne geantwortet wird
dem Flacio Illyrico.
Philippus Melanthon.
Gedruckt zu Leipzig durch
Georg Hantzschen /
Jm Jahr
1551.

Gegner:
Flacius, Matthias (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Leipzig (auf Titel)
Drucker
Hantzsch, Georg (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1551 (auf Titel)
Kommentar Druck
Lindenblatt, kleines und großes Ornament
Umfang und Format
8 Bl. 4°
VD 16-Nummer
M 3195
Bestandsnachweis HAB
375.17 Theol. (32)
Digitalisat
Verknüpfung zu Volltextdigitalisat - Externes Angebot

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Dt. Fassung der Schrift M 3192/93, erstmals veröffentlicht vor dem 20.10.1549. In der Form einer Vorrede an den christlichen Leser reagiert Melanchthon mit dieser Schrift auf die Angriffe von Flacius, redet ihn dabei aber nicht direkt in der 2. Pers. an. Angesichts der herrschenden großen Confusion und Verwüstung des Menschlichen Geschlechts sei es notwendig zu forschen, welches die wahre Kirche sei. Die Kirche sei zerstreut in mancherlei Gebiete, aber mit deutlichen Zeichen unterschieden von den Gottlosen: Kirche ist, wo das Evangelium unverfälscht erklingt, die Sakramente ordentlich gespendet und keine Abgötterei hartnäckig verteidigt wird. Daran könne man ohne zu zweifeln die Kirche mit Augen und Ohren erkennen. Dies sei tröstlich, denn wegen Uneinigkeiten werde auch die Kirche durch das Geschrei etlicher betrübt, doch man könne sehen, daß immer noch Lehre, Sakramente und Ablehnung von Irrtümern gegeben sei wie vor dem letzten Krieg. Er wolle auf den Vorwurf des Flacius Illyricus, die Lehre solle geändert und schon abgeschaffte Zeremonien wieder eingeführt werden, zuerst über die Lehre reden: Sie sei bei allen Lehrern in Kirchen und Schulen unverändert, das heißt, so wie er sie in seinen Loci niedergelegt habe, die eine getreue Zusammenfassung der Lehre der Augsburger Konfession seien. Er habe diese Loci nicht aus eigenem Gutdünken oder Lust an etwas neuem verfasst, sondern als eine Summa der Lehre, in klar verständlicher Form, zur Vereinheitlichung. Diese Schrift habe er dem Urteil der Kirche anheimgestellt. Sie sei auch von Luther approbiert. Dies Bekenntnis sei der ewige Konsens der allgemeinen Kirchen Christi. Dann wendet sich Melanchthon den Zeremonien zu: Ihm wäre es am liebsten, wenn in dieser großen Traurigkeit die Kirche durch keinerlei Änderungen betrübt würde, und wenn welche geschehen seien, hätten sie nicht bei ihm ihren Ursprung. Er bekenne aber, daß er den Franken und anderen geraten habe, daß sie die Kirche nicht verlassen sollten "vmb seruitut vnd dienstbarkeyt willen / die man ohne sünd halten köndte." Flacius schreie, man hätte lieber eine Verwüstung der Kirche anrichten und die Fürsten durch Aufruhr erschrecken sollen, doch einen solch traurigen Rat wolle er nicht geben. "Es ist offenbar das wir viel herterer last erdulden / denn ein Chorock oder Leynen kleid seyn mag / vmb der Lehr vnd der Kirchen willen", nämlich Haß der Machthaber, Widerstand des Pöbels, Zwietracht der Lehrer, Armut, Unrecht und andere Übel. Dazu komme es mitunter auch in ruhigen Zeiten, noch viel mehr aber nun. Wenn man in solcher Anfechtung nicht weichen wolle, "vertrag man auch ein dienstbarkeyt in geringerem ding / so doch ohne sünd vnd Gottlos wesen sey." In der gegenwärtigen großen Traurigkeit sei es nötig, die Kirche zu trösten und zu erhalten und darauf zu achten, daß richtig gelehrt werde und die Schulen erhalten würden. Er weist die Aussage von Flacius, er habe gesagt, daß man die Kirche trotz Wiederaufrichtung alter Mißbräuche (wie die Opfermesse, die abgöttische Anrufen der Heiden usw.) nicht verlassen solle, als unbeweisbare Lüge zurück. Flacius zitiere viele Äußerungen aus heimlichen Gesprächen, die er verleumderisch auslege, und lege anderen Personen erfundene Äußerungen in den Mund, als ob er Zeugen habe. Er könne sich jetzt beklagen über die Lügen von Flacius und auch erklären, woher der Zorn der Widersache komme, aber er wolle an diese Wunden nicht rühren und lieber schweigen, als neue Zwietracht zu erregen. Flacius werfe sich zum Beschützer der Kirche auf und gehe dabei zu Unrecht von einer Trennung von Kirche und weltlichem Regiment aus. Vielmehr gelte: "Die Kirch ist verstrewet auch in andere Policey vnd gemeinden, da die stim des Euangeliums vnuerfelscht erklingt". Er fährt fort: "Wir beweinen der Regiment ... zerrüttung / vnnd suchen nicht Festung und Menschliche hülff / Aber eben inn der selbigen Kirchen darinnen wir sein / lehren wir von der selbigen stim des reynen Evangelij ... vnd verhelfen / so viel an vns / mit ziemlicher arbeyt / das die Schrifft vnd Lher ... erhalten werden." Warum Flacius ihn so angreife, obwohl er ihn nie verletzt habe, wisse M. nicht. F. schreibe, daß M. die Verfälschung der Lehre fördere, weil er geraten habe "das man in denn Kirchen kein Wust anrichte / vmb des Chorocks ... willen". M. ermahnt F. zu brüderlicher Liebe; der aber drohe ihm mit Schriften und auch noch mit Gewalt. Es werde noch genug Kampf und Streit geben, deswegen sei es besser, daß man ein "Syncretismum" mache und sich vertrage. Er wolle sich mässigen und hoffe, daß die falschen Vorwürfe aus seinen Schriften und dem Urteil ehrlicher Leute widerlegt würden. Er mahne aber auch Flacius und andere, den Streit nicht weiter zu führen: wenn beide Seiten "die Historien von dreyssig jahrn her widerholen wolten / was meinstu das das für ein handel wurde?" M. rügt, daß Flacius vertrauliche Gespräche und sogar seine Träume (F 1369/1370) veröffentliche; in solchen Situationen rede man etwas freier heraus. Außerdem beziehe er in Gesprächen manchmal eine der eigenen widersprechende Position "doch vmb disputierens und lernens willen / das ich auch mit andere Leuth gedancken vnterrichtet werd." Schließlich sei seine persönliche Art vielen bekannt: Er sei von Natur nicht besonders ernst, sondern brauche Freundlichkeit, so daß er auch in traurigen Zeiten Scherze mache. Daß diese nun verbreitet und falsch ausgelegt würden, sei sehr "Flackisch vnd vnfreundlich". Zu dieser Passage steht am innern Rand eine lateinisch-griechische Marginalie, in der [phlakikon] als ignavus erleutert wird. Daß F. ihm mit Gewalt drohe, stelle er dem Herrn anheim, der wisse, daß er nur die Wahrheit suche und nicht Zwietracht anrichte. Er wolle nichts weiter sagen, denn er wisse, daß "ein jederman / in Bürgerlichen spaltungen vnd zwietracht / allerley fell zu gewarten. Ich weis auch das das wüten vnd toben der Hertzen / auff mancherley weiss angezündet wird. Vnd vermerck auch das der Flacius sein eigen fackeln hat". Er vertraue dagegen auf Gottes Zusage, bei seiner Kirchen stehen zu wollen. Diese Antwort habe er Flacius weniger seinethalben geschrieben als der Kirche halben, in der viele durch F.s Schreiben verletzt seien. Sie sollen getröstet sein durch die Gewißheit, daß die rechte Grundlage der Kirche erhalten bleiben werde.

Zitierhinweis

Epistel darin Flacius geantwortet wird; Epistola ad lectorem, in qua respondetur Flacio Illyrico <dt.>, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/b64449db-5162-4b1c-a4a8-659d234b9ede>. (Zugriff am 28.09.2021)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

Zur Übersicht