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Etliche tröstliche Vermahnungen in das heilige Wort betreffenden Sachen (VD16: L 3729)

Luther, Martin (auf Titel)

Etliche tröstliche ver=
manungen in sache(n) das heilige Got=
liche Wort betreffend / zu dieser betrübten zeit
sehr nützlich vnd tröstlich zu lesen.
D. Martinus Luther
Anno M. D. XXX.
Zum Christlichen leser.
Mit diesen sprüchen hat sich der heilige Man vnd
teure Held D Martinus Luther gertröstet / Anno 30. da jhn
die Adiaphoristen mit jhrer Philosophischer klugheit vn(d)
Gottlosen vereinigung Christi vnd Belials sehr geplagt
vnd geengstiget haben. Solche grosse schmertzen verstehet
vnd fület nicht ein jeder. Weil wir nun sehen / das jhn sol=
che Göttliche trostsprüche nicht betrogen / sondern getrö=
stet / vnd jhn aus seiner freunde / des alten Adams klugheit
vnd aus der feinde list vnd gewalt / scheinbarlich heraus
gerissen / vnd in ewige freud gebracht haben. Ey so last
nur vns / Jhr armen betrübten / vnd verlassene Christen /
solche Prophetische rede als ein liecht / welches im finsternis
leuchtet / nachfolgen. Dann Gottes Wort / das da viel fester
denn Himel vnd erden stehet / feilen vnd be=
triegen. Gott gebe vns seine gnade /
AMEN. Matt. Fla. Illy.

Herausgeber:
Flacius, Matthias (aus Text oder Kolophon)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1550 (aus Text oder Kolophon)
Kommentar Druck
Einleitung von Flacius auf der Titelseite
Umfang und Format
6 Bl. 4°
VD 16-Nummer
L 3729
Bestandsnachweis HAB
F 1435 4° Helmst. (1)
Weitere Exemplare
146.16 Theol. (5); 236.50 Theol. (10); Alv.: Ef 104 (3); H 4.4º Helmst. (8)
Digitalisat
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Vorwort

Autor
Flacius, Matthias (auf Titel)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Im Jahre 1550 ließ Matthias Flacius Illyricus in der Magdeburger Offizin Christian Rödingers 22 Disputationsthesen Martin Luthers aus dem Jahre 1530 erneut in Druck gehen, versehen mit einem kurzen Vorwort. Während in den eigentlichen Lutherthesen von 1530 die Problematik der so genannten Adiaphora, d.h. der nicht heils- bzw. bekenntnisrelevanten Mitteldinge, gar nicht angesprochen wird, bezieht Flacius in seiner Vorrede diese 20 Jahre zurückliegenden Ausführungen Luthers jedoch explizit auf die aktuellen Auseinandersetzungen mit den von ihm als „Adiaphoristen“ gekennzeichneten theologischen Gegenspielern. Angeblich habe sich auch schon Luther selbst – so Flacius – 1530 bereits in der Auseinandersetzung mit den „Adiaphoristen“ durch die nun erneut publizierten Aussprüche getröstet. Die Streitigkeiten des Jahres 1530 waren jedoch nicht von dem 1550 akuten Gegensatz zwischen den „Philippisten“ um Philipp Melanchthon, welche die Theologie der so genannten „Leipziger Artikel“ verteidigten, einerseits, und den scharfen Kritikern der kursächischen Theologen in Magdeburg, zu deren Kreis neben Flacius unter anderem auch Nikolaus von Amsdorf und Nikolaus Gallus zählten, andererseits geprägt. Luther schrieb die von Flacius erneut publizierten theologischen Aussagen während der Zeit des Augsburger Reichstages von 1530 nieder, als in Augsburg mit Kaiser Karl V. und den altgläubigen Reichsständen nicht nur um die Anerkennung der Protestanten als legitimer Religionsgemeinschaft im Reich per se, sondern auch um die Confessio Augustana, das evangelische Glaubensbekenntnis, gerungen wurde. Zwar konnte die unter wesentlichem Einfluss Melanchthons erarbeite Confessio Augustana damals auf dem Reichstag verlesen werden, eine allgemeine Anerkennung der evangelischen Lehre und Religion durch Karl V. und die altgläubigen Reichsstände folgte diesem Schritt jedoch nicht, vielmehr erneute der Kaiser sogar das Wormser Edikt von 1521. Luthers tröstliche Ausführungen aus dieser Zeit sind daher vor dem religionspolitischen Hintergrund des Jahres 1530 zu verstehen. Luther führt darin aus, dass der Gläubige im Falle einer Verfolgung oder Verleumdung von Seiten seiner Gegner nicht bange sein solle, denn gerade darin zeige sich, dass er auf dem richtigen Weg sei, denn, wer offen und rechtgläubig für das Wort Gottes eintrete, der werde, wie schon die Heilige Schrift zeige, von seinen Gegnern zwangsläufig verfolgt. Gott stehe jedoch den bedrängten Rechtgläubigen bei und bleibe bei seinen im Evangelium gemachten Verheißungen. Auch in der Zeit des Römischen Reiches seien Christen durch pagane Kaiser verfolgt worden, doch ihre Versuche, das Christentum zu eliminieren seien bekanntlich gescheitert. Die Feinde könnten nicht mehr tun, als schlimmstenfalls die verfolgten Gläubigen leiblich töten, das Heil und die Gottesgewissheit sei den Frommen jedoch in keinem Fall zu nehmen. Während Luther mit seinen 1530 getätigten Spruchformeln wahrscheinlich die altgläubig-kaiserliche Partei innerhalb des Reichsgefüges meinte, als er von Verfolgung und Bedrängnis der Gläubigen handelte, deutet Flacius im Rahmen der Wiederherausgabe der besagten Luthersentenzen diese Intention um. Für ihn stellen diese Abhandlungen Trostworte für die mit ihm und Amsdorf kooperierende gnesiolutherische Gruppierung dar, die sich damals in Magdeburg kristallisierte und welche die Zugeständnisse, die z.B. Melanchthon und Pfeffinger in Form der Leipziger Artikel gegenüber der kaiserlichen Interimspolitik zu machen bereit waren, strikt ablehnte. Flacius sieht in diesen Magdeburger Kritikern die wahren Rechtgläubigen, welche durch die mit Herzog Moritz von Sachsen zusammenarbeitenden kursächsischen Theologen bedrängt würden, und bezieht Luthers Ausführungen von 1530 somit auf sich selbst und die seine Positionen unterstützenden Theologen. Dass er diese Texte auf Deutsch publizierte zeigt, dass Flacius damit ein breiteres Publikum innerhalb der evangelischen Leserschaft in Deutschland erreichen wollte.

Zitierhinweis

Etliche tröstliche Vermahnungen in das heilige Wort betreffenden Sachen, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/fb12821f-3eb1-4663-9740-bb6d12a267fd>. (Zugriff am 13.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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