Bibliographie/Quellen

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Ohne Titel (VD16: R 196)

Ramsbeck, Willibald (auf Titel)

Eine kurtze: danckbarliche:
tröstliche / vnd in der heiligen Schrifft gantz wolgegründte
Betrachtung / von der Frucht der trostbringenden Geburt /
vnd andern herrlichen wolthaten dess volkömlichen gehorsams /
vnsers lieben HErrn / vnd einigen Heilands Jhesu Christi / wider al=
le hellische Pforten / vnd Gottlesterliche Leer / etlicher vnrügigen
Flader / vnd Jrrgeister / in weitleufftige Deudsche Rhytmos gestellet /
Vn(d) den Durchleuchtigen / Hochgebornen / Gottfürchtigen / vnd hoch
tugentsamen Fürstinnen vnd Frewlein / Frewlein Hedwig /
Elisabeth Magdalena / Sophia / Marggreffinne(n) zu Bran
denburg / zu Stetin / Pomern / der Cassuben / Wenden /
vn(d) in Schlesien zu Crossen Hertzoginnen / Burg=
greffinnen zu Nürnberg / vn(d) Fürstinnen zu
Rügen etc / meinen gnedigen Für=
stinnen vnd Frewlein
Von Bilibaldo Ramsbeck von Weis=
senburg zur geringen verehrung zugeschrieben.
Wittemberg.
1558.

Druck

Erscheinungsort
Wittenberg (auf Titel)
Erscheinungsjahr
1558 (auf Titel)
Kommentar Druck
Von der Schrift erschienen verschiedene Ausgaben, die sich nur in der Widmung auf dem Titelblatt unterschieden; vgl. R 195, R 197, ZV 12935 und 12936 sowie die Gegenschrift von Wigand und Richter W 2907.
Umfang und Format
8 Bl. 8°
VD 16-Nummer
R 196
Bestandsnachweis HAB
P 483b.4º Helmst. (1)

Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit
Kommentar
Der biographisch nur anhand weniger Lebensdaten greifbare Wittenberger Theologiestudent Willibald Ramsbeck verfasste 1558, möglicherweise inspiriert und beeinflusst durch den Wittenberger Professorenkreis um Philipp Melanchthon, eine in gereimte Verse gegliederte Streitschrift gegen die gnesiolutherischen Kritiker der im Zuge des adiaphoristischen Streits kompromissbereiten Theologenfraktion um Melanchthon, Johannes Pfeffinger und Georg Major. Der den brandenburgischen Markgräfinnen Hedwig, Elisbabeth Magdalena und Sophia gewidmete Text ging noch im selben Jahr in Wittenberg in Druck. Von diesem Werk allerdings erschienen mehrere Ausgaben, die jeweils nur durch die Widmung auf dem Titelblatt voneinander zu unterscheiden sind. Zudem provozierte Ramsbeck mit seinem Beitrag eine scharfe, 1559 erschienene, Gegenschrift von Johannes Wigand und Matthias Judex (VD 16 W 2907), in welcher beide dem Autor der „kurtzen danckbarlichen […] Betrachtung“ vorwerfen, er habe seinen Traktat mit unterschiedlichen Titelblättern versehen an die Räte verschiedener deutscher Städte versandt, um in diesen Städten religionspolitisch gegen die Kritiker der Adiaphora zu agitieren. Vordergründig beginnt der gedichtartige Text zunächst mit einigen Versen über die Wesenheit Jesu Christi und dessen heilsgeschichtliches und soteriologisches Wirken, um im Anschluss daran festzustellen, dass Gott das geistliche „Ministerium“, d.h. eine nach christlichen Kriterien ausgebildete Theologenschaft, deren Lehrbefugnis sowie die damit verbundenen religiösen Zeremonien, eingerichtet und seiner Bestimmung innerhalb der Kirche für die Gemeinden verbindlich zugeführt habe. Ramsbecks Kritik zufolge greifen jedoch die Theologen um Matthias Flacius mit ihrer scheinbar „anti-adiaphoristischen“, in Wirklichkeit jedoch gegen die rechtgläubige Vermittlung des christlichen Glaubens und seiner Kulthandlungen gerichteten Polemik eben dieses durch Theologen wie Melanchthon, Pfeffinger und Major verteidigte, dezidiert evangelische „Ministerium“ an. Ramsbeck spricht mit Blick auf seine Gegner offen von einer „Flacianischen Rotte“ und wirft den gnesiolutherischen Kritikern der melanchthonitischen Haltung in der Frage der Adiaphora vor, die christlich-evangelische Kirche zu spalten sowie das Kirchenvolk durch das Propagieren von Irrtümern dem wahren Credo zu entfremden. In diesem Zusammenhang verwendet Ramsbeck eine Fabel von den edlen Hauskatzen, die von Mäusen und verwilderten Katzen bekämpft und überfallen werden. In seiner Darstellung steht das Bild der „edlen Hauskatzen“ für die Ramsbeck zufolge rechtgläubigen und das theologische Ministerium verteidigenden und lehrenden Theologen um Melanchthon, während hingegen Mäuse und Wildkatzen als ein durch Irrlehrer – gemeint sind die Gnesiolutheraner um Matthias Flacius Illyricus, Nikolaus Gallus, Nikolaus von Amsdorf und Johannes Wigand – verführter „Haufen“ bzw. eine „Rotte“ erscheinen, die sich gegen die Rechtgläubigen wendet. Ramsbecks in Versform gekleidete Streitschrift erweist sich somit als pointiert polemischer Text; die Tatsache, dass er sein Werk an verschiedene Städte im Heiligen Römischen Reich sandte, verweist darauf, dass er dieser Schrift offenbar von Anfang an einen großen Verbreitungs- und Bekanntheitsradius zugedacht hatte.

Zitierhinweis

[Ohne Titel], in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/efd28cdb-1120-45ba-a475-9f48fcedee76>. (Zugriff am 04.04.2020)

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