Bibliographie/Quellen

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Wahrhaftiger Bericht von den Wohltaten (VD16: S 7720)

Spangenberg, Cyriakus (auf Titel)

Warhafftiger
Bericht von den wolthaten /
die Gott durch D. Martin Luther
seligen / fürnemlich Deudschland er=
zeigt / vnd von der Schendlich=
en groben vndanckbarkeit /
für solche grosse gaben.
geschrieben
Durch Magist. Cyriacum
Spangenberg.
Jhena. 1561.

Herausgeber:
Melissander, Kaspar (eigentlich Kaspar Bienenmann) (erschlossen)

Druck

Erscheinungsort
Jena (auf Titel)
Drucker
Rebart, Thomas (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1561 (auf Titel)
Umfang und Format
40 Bl. 8°
VD 16-Nummer
S 7720
Bestandsnachweis HAB
Alv. Ba 96 (1)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Allgemeiner Druck, Synergistischer Streit
Kommentar
Sp. plädiert für das Festhalten an Luther und seiner Lehre. Man solle seine Schriften ordentlich edieren -- lobend erwähnt er die Ausgabe aus Jena --, sie lesen und bei der Lehre bleiben. In Luther Schriften stecke "krafft vnd safft". Damit wolle er nicht andere Theologen verwerfen, aber niemand habe Gottes Wort so rein gelehrt wie Luther. Er sei auch der erste gewesen, der "recht vnd gut artlich deutsch reden" konnte, besonders von göttlichen Sachen. Luthers Lehre sei so gut apostolisch, daß aus ihm "eitel Paulus gehöret wird." Auf die Kritik der Papisten müsse man nicht viel geben, manche würden sogar eingestehen, daß es ihnen an einer so guten deutschen Bibel wie Luthers mangele. Doch auch unter denen, "so sich Euangelisch rhümen vnd (wie mans nennet) gut Lutherisch sein wollen" gebe es welche, die ihn und seine Lehre kritisieren. Sie ließen, wie Osiander und sein Anhang, die Rechtfertigungslehre nicht gut sein. Etliche schämten sich nicht, die Manducatio oralis und impiorum zu verwerfen. Drittens tadelten viele sein Festhalten an der Wahrheit und würden lieber "sich nach der zeit richten" und sagten "Je neher den Papisten, je besser". In den Domkapiteln gebe es verständige Leute und auch Zucht und Ordnung. Dagegen stellt Sp. Luthers Warnungen vor den Wölfen in Schafspelzen. Viertens habe Luther richtig von den guten Werken gelehrt, und daß man dieselbigen nicht in den Rechtfertigungsartikel einmengen dürfe. Dies werde durch die neuen Werklehrer verworfen -- der Name Majors fällt nicht, wohl aber werden die bekannten Propositionen angeführt. Fünftens habe Luther gegen Erasmus und das Papsttum "erstritten, das der wille des Menschen in göttlichen geistlichen Sachen, die Rechtfertigung vnd Seligkeit betreffend, nichtig, todt, kraftlos vnd vntüchtig sei." Dagegen gebe es jetzt Leute, die dem Willen eine Mitwirkung zuschreiben und das Buch "De servo arbitrio" verwerfen. Sechstens ließen sich jetzt Leute vernehmen, die den Unterschied zwischen Gesetz und Evangelium vermischten. Siebtens habe man Luthers Lehre von den Mitteldingen verkehrt und gegen sie gehandelt, was von denen, die sich hierzu frei bekennen und doch nicht unrecht haben wollen, nicht geleugnet werden könne. Achtens habe Luther das Papsttum als den Antichrist identifiziert, doch jetzt gebe es etliche, die die Greuel beschönigen und sich den Bischöfen unterwerfen wollen. Neuntens würde die weltweise Philosophie, von der Luther die Theologie gereinigt habe, wieder hineingemengt. Zehntens schwiegen Luthers Discipel über den Irrtum der Sakramentsschwärmer und stärkten die Zweifel. Sie behaupteten sogar, " sie haben von jme gehöret, das es jn sol gerewet haben, das er sich so hart gegen sie eingelegt." Elftens habe Luther zu keinem Irrtum geschwiegen, doch jetzt solle es eine Tugend sein jeden machen zu lassen, was er will. Wer Amnestien und schädliche Kompromisse anstelle, werde friedsam und glimpflich genannt. Wer Irrtümer entgegentrete, werde Friedensstörer genannt. Wenn man alle diese Punkte nun verwerfen oder zumindest verdächtig machen wolle, wie es jetzt geschehe, würde von den Büchern Luthers nicht viel übrig bleiben. Zudem werde Luther als selbstverliebt, streitsüchtig, hochmütig und stur geschmäht. Dieselben Leute "meinen, Gottseligkeit sey ein gewerbe, ein Hendelchen, damit man Ehre oder Gut müge suchen". Bei ihnen gelten auch die Bücher anderer Leute mehr als Luthers. <br />Angesichts dieser Situation will Sp. daran erinnern, wie viel Gutes man durch Luther erfahren habe. In achtzehn Punkten zählt er auf (und orientiert sich dabei offensichtlich, wenn auch uneingestanden, an einem Schriftenverzeichnis: Sündenerkenntnis, Gnade Gottes und Rechtfertigung, Gesetz und Evangelium, Sakramente, Enttarnung des Papsts als Antichrist, die Lehre von den Werken, Wiederaufrichtung des rechten Gottesdiensts, andere Artikel wie Demut, Bekenntnis, Beständigkeit, aber auch Ämterlehre, Ständelehre, die Schlüsselgewalt, Auferstehung. Diese Artikel habe man zuvor nie so gesehen und es werde sie auch in Zukunft wohl niemand besser lehren. Weiterhin Wiederaufrichtung der weltlichen Obrigkeit, Ehestand, Christliche Freiheit, die Bibelübersetzung, den Katechismus, Gesangbücher. Er sei ein freudiger Kämpfer und Bekenner gewesen, habe "die rechte art Deutscher sprache herwider bracht Vnd vns die so rein vnd polirt wider zugerichtet, Das er billich bey vns vnd allen vnsern Nachkomen deshalben als ein Vater deutscher Sprache gerhümet ... wird." Er habe die Ketzer widerlegt Deutschland einen großen Dienst getan, indem er durch seine Gebete zu seinen Lebzeiten Gottes Strafe "des Kriegs vnd der Verfolgung hat auffgehalten". Es sei eine große Sünde, daß nur wenige Leute dies alles erkennen und Gott dafür danken wollen. Dagegen habe Spangenberg seine Schrift verfaßt. <br />Im Anschluß erfolgt eine Zusammenstellung von Aussagen über Luther "durch einen liebhaber der göttlichen vnd durch Luthero offenbarter Warheit", der sich als C. Mel. abkürzt (vielleicht Caspar Melissander/Bienenmann?). Angeführt werden verschiedene kurze Texte von Urbanus Rhegius, Johannes Timann und Veit Dietrich. <br />Abschließend folgen Texte Luthers aus seinen Kommentaren mit "Weissagungen ..., wie es in der Christlichen Kirche nach seinem tod ergehen werde", darunter die bekannte Stelle aus dem Kommentar zu Gal 4.

Zitierhinweis

Wahrhaftiger Bericht von den Wohltaten, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/d9125c89-da0d-4c8a-a733-550f84d5779c>. (Zugriff am 06.06.2020)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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