Bibliographie/Quellen

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Ohne Titel (VD16: A 2393)

Amsdorf (Amsdorff), Nikolaus (auf Titel)

Vnterricht vnd Ver=
manung auffs newe Jar / so ich
vor zweien jaren den grossen Herrn
dieser Welt geschanckt
habe.
Niclas von Amsdorff.
Psa. 24.
MAchet die Thore weit / vnd die Thüre in der
Welt hoch / das der König der Ehren einziehe.
Psal. 2.
SO lasst euch nu weisen jr Könige / vnd lasst
euch züchtigen jr Richter auff Erden.
Dienet dem HERRN mit furcht / vnd frewet
euch mit zittern.
Küsset den Son / das Er nicht zürne / vnd
jr vmbkomet auffm wege / Denn sein zorn wird
bald anbrennen. Aber wol Allen / die auff Jn
trawen.
1555.

Druck

Erscheinungsort
Jena (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1555 (auf Titel)
Umfang und Format
16 Bl. 4°
VD 16-Nummer
A 2393
Bestandsnachweis HAB
251.18 Theol.(15)
Weitere Exemplare
--
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Adiaphoristischer Streit, Antikatholisch
Kommentar
Mit Bezug auf seine zum Jahreswechsel 1553/54 erschienene Schrift (A 2371) beklagt sich Amsdorf bei den angesprochenen "großen Herren in dieser Welt", daß sie seine damalige Mahnung nicht nur verachtet, sondern das Gegenteil getan haben: Sie haben fromme Prediger des Wortes Gottes verjagt und würden sie sogar an vielen Orten "würgen vnd ermorden". Was man selbst von Türken und Heiden nie gehört hätte, passiere bei den Papisten: Sie verdammten Leute, die Gottes Gebot und Befehl halten, nämlich das Abendmahl und beiderlei Gestalt austeilen. Diesen Gedanken variiert A. auf den folgenden Seiten: Es sei Gehorsam gegenüber Gottes Gebot, auf Christus und seine Einsetzung des Abendmahls zu hören. Der Papst erhebe sein Wort höher, habe ein Meßopfer aus dem Sakrament gemacht und befehle die Austeilung sub unum, und die Herren der Welt folgten auch noch. Man schreie von Einigkeit und werfe den Lutherischen vor, diese zu verhindern. Man zwinge die Leute, Menschenlehre zu halten wie Zölibat und Fastengesetze. Das Abendmahl sei vor fünfzehnhundert Jahren von Christus und beiderlei Gestalt eingesetzt worden, die päpstliche Lehre hätten Mönche vor dreihundert Jahren erdichtet. Es sei den Papisten nicht ernst, wenn sie von Friede und Eintracht in der Religion reden, "denn sie wollen gar nichts nachgeben" und in nichts geirrt haben. Wie könne es Einigkeit geben, wenn sie nicht weichen wollten und doch Unrecht hätten. "Denn die Religion vnd Lere an jr selbs kan nicht verglichen noch vertragen werden, Darumb darff sich niemand vnterstehen, in der Lere vnd Religion eintracht zu machen. Denn sie sind stracks wider einander Contradictorie / ewre vnd vnser Religion." Für eine Einigung könne er einen unfehlbaren Rat geben: Auf den Vater hören und ihm folgen. "THut jr solchs von Hertzen, so werdet jr freilich von stund an ewre newe falsche Religion fallen vnd faren lassen, vnd die alte, ware, rechte Religion vnsers HErrn Jhesu Christi annehmen". Er warne die hohen Herren vor Mönche und Meßpfaffen, die Menschenträume und Tradition lehrten. Damit könne man Gott nicht versöhnen, sondern mit Buße und Glauben. Der nächste Weg zur Einigkeit sei, wenn die, die Unrecht haben nachgäben. A. legt seinen Adressaten das Argument in den Mund, man dürfe nicht "von der heiligen Römischen Kirchen weichen vnd abtretten", und antwortet: Es sei wahr, wer selig werden wolle, müsse in der christlichen Kirche sein. Aber "Die Juden sagen auch, sie seien in der Kirchen, desgleichen die Türcken, Papisten vnd Lutherischen". Jeder nehme für sich in Anspruch, Gottes Volk zu sein und "verdammen alle andere versamlung als Heiden, Ketzer vnd vnheilige Leute." Richten könne allein Christus; wer seine Stimme höre, sei die wahre Kirche. Darum sei die Kirche nicht an einen Ort gebunden, weder Rom noch Jerusalem. Auf den Einwand, damit seien zwar Juden und Türken, aber noch nicht die Papisten ausgeschlossen, antwortet A.: Die Papisten sagten zwar, daß sie an Christus glaubten, aber sie hörten nicht auf seine Stimme: Wie Juden und Türken glaubten sie, "das sie durch jre gute werck vnd Gottesdienste ... Gnad erwerben vnd selig werden." Und auf die Frage, warum Luther und nicht die Väter, antwortet er: Wenn Väter, warum nicht die Apostel? Würde man diesen folgen, wäre die Pracht des Papsttums dahin. Deshalb wollten die Lutherischen keine menschliche Auslegung, sondern allein Gottes Wort, das keiner Auslegung bedürfe. "Vnd wiewol viel dunckel vnd finstere Sprüchen in der Schrifft sind / die guter Erklerung wol bedürffen, So brauchen wir doch derselben nicht, vnsere Lere vnd Religion damit zu beweisen." Man beweise den Glauben mit klaren Sprüchen ohne alle Auslegung. Etwa der Spruch Nehmt hin, eßt und trinkt. Damit werde das ganze Papsttum mit seiner Messe zu Boden gestoßen. Der Kelch werde von den Papisten verdammt, weil sie der babylonischen Hure einen Eid geschworen hätten, Christus zu verleugnen. Nachdem er diesen Gedanken mehrfach bildreich ausgeführt hat, wendet A. sich dem Einwand zu, man solle nicht die Ergebnisse der Konzilien in Frage stellen und repliziert, "Concilia haben offt geirret vnd sind wider einander gewest ... Dazu ist des D. Luthers, ja Jesu Christi Lere vnd Religion, so wir jetzt leren ... in keinem Concilio mit einigem wort gedacht noch gehandelt, viel weniger etwas dawider definiert oder decidirt worden." Folglich: "Der Bapst ist der rechte ware Antichrist, nicht allein seins Epicurischen lebens, sondern fürnemlich seiner Lere, Tradition vnd falscher Gottesdienste halben." Im folgenden wiederholt A. die bisherigen Aussagen (Papst = Antichrist, Messe = Abgötterei, Sub utraque) und ergänzt es um die Ablehnung der Heiligenverehrung. Da Luther, so A. abschließend, diese Artikel mit klaren Sprüchen "jnen abgedrungen hat, so ligt die alte vnd newe, beide der Papisten vnd Adiaphoristen Messe vnd aller Gottesdienst, so daran henget, in der asche." Auf der Messe aber beruhe das ganze Papsttum. Wenn ihm die Opferbischöfe und Meßpfaffen "mit gutem Grunde der heiligen Schrifft" die Messe beweisen könnten, würde er "widerumb ein Papist werden vnd die Lutherischen mit euch auffs eusserste verfolgen helffen." Sollten sie dies aber nicht tun, sollten sie unwissende Fürsten und Herren nicht länger verführen, sondern sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen lassen. An die Herren appelliert er, sich nicht länger verführen zu lassen; sie hätten die Wahl zwischen Mönchen, Meßpfaffen und der Auslegung der neuen Väter oder den alten Vätern Christus und den Aposteln. Wenn sie dem Papst glauben wollten, "wir müssens gehen und geschehen lassen. Allein wehret vns niht, hindert vns nicht."

Zitierhinweis

[Ohne Titel], in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/c5cdd458-b169-4302-85b0-99dc5b281616>. (Zugriff am 21.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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