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Eine prophetische Abconterfeiung des Papsttums (VD16: F 1375)

Flacius, Matthias (auf Titel) , Luther, Martin (auf Titel)

Eine prophetische ab=
conterfeihung des Tridentinischen
Conciliabuli. Durch D. Marti=
num Lutherum.
Mit einer Erklerung M. Fl. Jllyr.
Apoca. 16.
Jch sahe aus dem munde des Drachens / vnd aus
dem munde des Thiers / vnd aus dem mundes des falschen
Prophete(n) / drey unreine Geister gehen gleich den fröschen.
Vnd sind geister der Teuffel / die thun zeiche(n) / vnd gehen
aus zu den Königen auff erden / vnd auf den gan=
tzen kreis der welt / sie zuuersamlen in den streit /
auff jhenen grossen tag Gottes des al=
mechtigen.

Herausgeber:
Flacius, Matthias (auf Titel)

Druck

Erscheinungsort
Magdeburg (aus Text oder Kolophon)
Drucker
Rödinger, Christian d. J. (aus Text oder Kolophon)
Erscheinungsjahr
1551 (aus Text oder Kolophon)
Umfang und Format
10 Bl. 4°
VD 16-Nummer
F 1375
Bestandsnachweis HAB
G 80.4° Helmst.(8)
Weitere Exemplare
183.12 Theol.(10); 327.4 Theol.(7)
Digitalisat
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Inhaltsbeschreibung

Kontroverse
Widerstand gegen das Augsburger Interim, Antikatholisch
Kommentar
Mit dieser 1551 bei Christian Rödinger in Magdeburg in Druck gegangenen Streitschrift greift Matthias Flacius Illyricus eine Abbildung aus dem Luther-Traktat „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“ von 1545 auf und wendet seine Interpretation jenes Bildes auf die religionspolitische Situation des Jahres 1551 an. Die in der Luther-Schrift von 1545 (nach der Klassifikation in der Weimarer Ausgabe der Luther-Schriften der so genannte „Sauritt“) enthaltene Darstellung eines römischen Papstes, der, auf einer Sau reitend, dieser mit der linken Hand stinkenden Unrat vor die Nase hält, welchem sich das Tier schnüffelnd zuwendet, stellt Flacius zufolge eine prophetisch zu verstehende Figur dar, die theologisch und religionspolitisch auf das 1551 gerade tagende, unter der Patronage Papst Pauls III. jedoch bereits 1546 begonnene, Trienter Konzil zu beziehen ist. Der vorliegende Druck erscheint somit als mit pointiert antikatholischer Polemik durchsetzter theologischer Kommentar zu besagter Illustration des Luther-Traktats von 1545, jedoch mit dem Ziel, diese Abbildung inhaltlich mit beißender, in der aktuellen Situation bedeutsamer, Kritik am Konzil von Trient sowie dem Augsburger Interim von 1548 zu verbinden und dem Holzschnitt der Luther-Schrift somit den Charakter einer nunmehr eingetroffenen religiösen Vorhersage zuzuschreiben. Zunächst geht Flacius auf die Fragen nach Struktur und Legitimität des Trienter Konzils ein um diese Ausführungen dann in einem späteren Teil seiner Schrift wertend mit der Interpretation des Bildes aus dem Luther-Traktat von 1545 zu verknüpfen. Die Trienter Zusammenkunft sei nicht – wie von altgläubiger Seite behauptet – ein allgemeines Konzil, da nur einige italienische, spanische und deutsche Bischöfe daran teilnähmen. Papst und Kaiser hätten den Deutschen seit langer Zeit mit einem allgemeinen Konzil einhergehende Reformen kirchlicher Strukturen und Lehrgebäude versprochen; die nun seit einigen Jahren (Erste Sitzungsperiode in Trient 1545 – 1547, Zweite Sitzungsperiode in Bologna 1547 – 1549, Dritte Sitzungsperiode seit 1549 erneut in Trient) in Italien stattfindende klerikale Versammlung verdiene jedoch nicht den Titel eines „allgemeinen Konzils“, sondern sei eine durch den Antichrist – der in der argumentativen Tradition des Luther-Traktats von 1545 mit dem Papsttum gleichgesetzt wird – veranstaltete Farce, um die Christenheit, insbesondere gesprächsbereite Evangelische, zu täuschen. Als „freies Konzil“ könne diese Zusammenkunft keineswegs angesehen werden, da sie der Kontrolle des Papstes unterstehe, der die Versammelten mit Hilfe seiner weltlich-militärischen Machtmittel einschüchtere. Zudem verbiete er die Schriften evangelischer Autoren in seinem Herrschaftsbereich. Flacius bemängelt zudem, dass die Entscheidungsprozesse auf dem Konzil nicht im Sinne Christi und des Evangeliums verliefen sondern nach päpstlicher Willkür. Die dort versammelten Bischöfe seien lediglich Claqueure des bereits im Vorfeld feststehenden Willens der durch den Papst religionspolitisch dominierten römischen Kurie. Ein solches Konzil sei nicht identisch mit dem seit Jahrzehnten durch Kaiser und Papst in Aussicht gestellten allgemeinen und freien Konzil, denn die Evangelischen hätten dort nicht Gelegenheit, frei und gleichberechtigt gehört zu werden; vielmehr sei die gesamte Veranstaltung ebenso wie das Interim von 1548 als ein „stinkender Dreck“ des Antichrists zu betrachten. Nach Flacius’ Interpretation stellt die Sau in der Illustration von 1545 diejenigen – dem Interim und dem Trienter Konzil kompromissbereit gegenüber stehenden – Teile der evangelischen Christenheit dar, die sich durch das Konzil zu Trient hätten täuschen lassen. Diese Evangelischen – insbesondere Johann Agricola wird in diesem Zusammenhang als „Eisleben“ namentlich erwähnt – verhielten sich zu den ihnen durch den Papst in Gestalt von Interim und Konzil angebotenen Scheinlösungen ähnlich wie die in genanntem Luther-Traktat abgebildete Sau, die sich schnüffelnd dem ihr durch den Papst vorgehaltenen Unrat zuwendet. Kritik übt Flacius zudem an der Weihe theologisch unzureichend ausgebildeter Titularbischöfe ohne pastorale Funktion sowie dem Ausstellen von Dispensen nach päpstlichem Gutdünken. Der Druck ist deutlich von dem Bemühen geprägt, dem evangelischen Lesepublikum vor Augen zu führen, dass das Trienter Konzil weder rechtgläubig noch ein Garant der seit Jahrzehnten immer wieder in Aussicht gestellten kirchlichen Reformen sei und dass Kompromisse mit der Papstkirche bzw. der mit dieser verbundenen kaiserlichen Religionspolitik nicht nur unangebracht, sondern auch soteriologisch der christlichen Sache sowie dem Seelenheil der Gläubigen abträglich seien.

Zitierhinweis

Eine prophetische Abconterfeiung des Papsttums, in: Controversia et Confessio Digital. Herausgegeben von Irene Dingel. <http://www.controversia-et-confessio.de/id/ccb90bce-6d54-4b5c-9768-660aeec4571f>. (Zugriff am 11.11.2019)

Dieser Text steht unter einer CC BY 4.0 Lizenz.

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